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Aus der Stadt Flughafen Langenhagen: Land verbietet nachts laute Flugzeuge
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Flughafen Hannover-Langenhagen: Land verbietet nachts laute Flugzeuge

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17:15 20.11.2019
Durchbruch bei der umstrittenen Nachtflugregelung: Das Land will nächtliche Starts und Landungen von besonders lauten Flugzeugen in Hannover-Langenhagen künftig untersagen. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Hannover-Langenhagen

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) geht auf die Bürgerinitiativen gegen Fluglärm zu: Am Mittwoch wurde bekannt, dass er wahrscheinlich erneut die Nachtfluggenehmigung für den Airport in Langenhagen auf zehn Jahre befristen will. Wichtiger noch: Den besonders lauten Fliegern, den sogenannten Kapitel-3-Flugzeugen, werden nächtliche Starts und Landungen künftig untersagt. Das hat das Ministerium am Nachmittag offiziell bestätigt.

Rüdiger Kauroff: Wichtige Faktoren für Anwohner

Die Information kam Mittwochmittag vom SPD-Landtagsabgeordneten Rüdiger Kauroff. Dass der Minister auf die Forderungen der Bürgerinitiativen eingehe, sei „ein Erfolg für die Anwohner“, sagt Kauroff. Besonders die wahrscheinliche Befristung sowie das Landeverbot für Kapitel-3-Flugzeuge seien „zwei wichtige Faktoren für die Anwohner“.

Reinhard Grabowsky, Vorsitzender der Fluglärmschutzkommission und Langenhagener Ratsherr, zeigte sich auf Nachfrage „irritiert“ von Kauroffs Mitteilung. Die Kommission habe am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung lediglich einen Zwischenbericht des Ministeriums erhalten. Grabowsky selbst sei eine Veröffentlichung aus dem Gremium nur in Abstimmung mit allen Vertretern der Kommission erlaubt. „So wird die Arbeit der Kommission ad absurdum geführt.“

Flughafen Langenhagen profitiert von Nachtflugregelung

Am Flughafen Langenhagen gilt eine weitreichende Nachtflugfreigabe, für die aber in den vergangenen Jahrzehnten in regelmäßigen Abständen befristete Beschränkungen erlassen wurden. Die aktuelle Beschränkung läuft zum Jahresende aus – würde keine neue erlassen, könnten Flugzeuge fast unbegrenzt starten und landen. Das Land als zuständige Genehmigungsbehörde hatte lange offengelassen, ob es wieder Sonderregelungen erlassen will: Der Flughafen ist ein wichtiger Standortfaktor, von dem Tausende Arbeitsplätze regionsweit abhängen. Ein Gutachten hat kürzlich ergeben, dass ein komplettes Nachtflugverbot 2400 Arbeitsplätze kosten würde.

Initiative Bon-Ha kämpft gegen Fluglärm

Seit Monaten formiert sich in den Anliegerkommunen Isernhagen, Burgwedel, Langenhagen und Garbsen Protest. Die Initiative Besser ohne Nachtflug – Hannover Airport (Bon-Ha) hat Klage gegen eine vollständige Freigabe der Nachtflüge angekündigt und bereits viel Geld dafür gesammelt. Die Initiative hatte insbesondere auf ein Verbot für laute Nachtflieger gedrängt, das nun kommt. Zusätzlich fordert sie eine erneute Befristung der Nachtflugregelungen für alle Flugbewegungen. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte dazu auf Anfrage der HAZ, dass Althusmann dies zwar befürworte, im Moment liefen aber noch Gespräche dazu. Sie sollen in Kürze abgeschlossen sein.

Flughafen prüft Auswirkungen

Am Flughafen wollte Sprecher Sönke Jacobsen zu der nun wieder geplanten Befristung keine Stellungnahme abgeben: „Das ist Sache der Aufsichtsbehörde, die wir nicht kommentieren.“ Wie viele nächtliche Starts und Landungen von dem Verbot der Kapitel-3-Flugzeuge betroffen wären und was das wirtschaftlich für den Flughafen bedeute, könne man kurzfristig nicht sagen. Erst in dieser Woche war bekannt geworden, dass der Flughafen die fest eingeplante, etliche Millionen Euro teure Modernisierung des Terminals B auf reine Sicherheitsnachrüstungen reduziert, weil nicht klar sei, was etwa die erwartbaren Einschränkungen für Inlandsflüge für finanzielle Auswirkungen haben werden.

Langenhagen hat auf Befristung gedrängt

Auch im Rat der Stadt Langenhagen hatte die geplante Entfristung der Nachtflugregelung für heftige Kritik gesorgt. Ohne eine Wiedervorlage der Regelung verlören die Anliegerkommunen die Möglichkeit, auf eine etwaige Verschärfung zu drängen, hieß es kürzlich. Wirtschaftsminister Althusmann hatte bei einer Podiumsdiskussion im Langenhagener Rathaus am Ende einer hitzigen Debatte erkennen lassen, noch einmal über den vorgelegten Entwurf intern beraten zu wollen. Das scheint jetzt geschehen zu sein.

Bürgermeister Mirko Heuer: „Eine gute Sache“

Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer erfuhr am Mittwoch erst durch Nachfrage dieser Zeitung von den Plänen des Ministeriums. Die wahrscheinliche Befristung der Nachtflugregelung sei „tatsächlich eine gute Sache“. Er habe im Laufe der monatelangen Debatte auch auf politischer Ebene immer wieder auf die Rücknahme der Entfristung gedrungen, da diese „für viel Unmut“ gesorgt habe.

Den Verzicht auf Nachtflugerlaubnisse für die lauten Kapitel-3-Maschinen wollte Heuer noch nicht bewerten. „Ich kann nicht abschätzen, welche Bedeutung dies tatsächlich für den nächtlichen Lärm haben wird.“ Der zunächst vom Ministerium vorgelegte Entwurf der Nachtflugregelung hätte nach eigenen Angaben im Vergleich zum Vorjahr zu lediglich insgesamt 26 nächtlichen Flugbewegungen weniger pro Jahr geführt.

„Abschied vom offenen Himmel“

Auch die Bürgerinitiative Bon-Ha reagierte am Mittwoch zunächst positiv. Es sei gut, dass sich das Ministerium damit nun von der Idee des „offenen Himmels“ verabschiede, sagte Dieter Poppe, Vorsitzender der Initiative und Isernhagener Mitglied der Fluglärmkommission. Für die Bon-Ha hätten die angekündigten Verbesserungen zur Folge, dass man die geplante Klage nun „nicht ad hoc“ einreichen müsse. „Jetzt warten wir erst mal in Ruhe den Bescheid ab. Aber locker lassen werden wir auch nicht“, kündigt Poppe an. Dabei sei es keineswegs so, dass man den Flughafen als Institution bekämpfe. „Wir wollen aber die Nachtflüge auf ein Maß reduzieren, das erträglich ist.“

Auch Katrin Bittner aus Burgdorf-Heeßel, die ihren Ort in der Initiative Bon-Ha vertritt, begrüßte den Ausschluss von besonders lauten Flugzeugen. „Das hält uns aber nicht von einer Klage ab“, meinte sie. „Die Arbeit geht für uns so lange weiter, bis wir in Burgdorf eine Nachtruhe haben, die nicht von lauten Flugzeugen gestört wird.“

Garbsen: „Werden an Klage wohl nicht vorbeikommen“

Hans-Peter Wendorff von der Bigum (Bürgerinitiative für Garbsen und Umgebung) versteht die Ankündigungen aus dem Wirtschaftsministerium als „erkennbares Entgegenkommen an die Fluglärmgegner“. „Ich denke, dass der Druck der Bürgerinitiativen und die Ankündigung einer Klage etwas gebracht haben“, sagt er. Die Arbeit der Fluglärmgegner sei damit aber noch nicht beendet. Sie wollten sich weiter dafür einsetzen, dass möglichst viele Nachtflüge auf tagsüber verlegt werden, um den Lärm nachts zu reduzieren. „Wir werden an einer Klage wohl nicht vorbeikommen“, sagte der Bigum-Sprecher.

Die Verwaltung der Stadt Garbsen äußert sich ebenfalls verhalten positiv. „Damit ist ein Teil dessen erfüllt, wofür sich der Rat und Bürgermeister Christian Grahl eingesetzt haben“, sagt Stadtsprecher Benjamin Irvin. Grahl und der Garbsener Rat hatten sich im Sommer einstimmig positioniert – und ein Nachtflugverbot von 0 bis 6 Uhr gefordert.

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Von Conrad von Meding und Rebekka Neander

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