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Aus der Stadt 50 Millionen für das Ihme-Zentrum: Neustart für den Problemkomplex?
Hannover Aus der Stadt

Fortschritt bei Problemimmobilie in Hannover: 50 Millionen Euro für das Ihme-Zentrum in Linden-Mitte

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13:55 10.01.2020
Geht es im Ihme-Zentrum bald wirklich voran? Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Auf dem Weg zu einer Sanierung des Ihme-Zentrums gibt es einen großen Schritt nach vorn: Die Wohnungseigentümergemeinschaft und Lars Windhorst haben einen gerichtlichen Vergleich vorbereitet – demnach sollen in den kommenden Jahren mindestens 50 Millionen Euro in Baumaßnahmen in der Großimmobilie fließen. Im Wesentlichen geht es um die Wiederherstellung der teils ruinösen Bausubstanz im Sockelgeschoss, zu dem die frühere Ladenpassage gehört.

Bei der Sanierung will der Großeigentümer so vorgehen, dass auch geplante Umbauten des Komplexes bereits berücksichtigt werden. Ein Zeitplan ist in dem Text des Vergleichs, der der HAZ vorliegt, nicht enthalten. Schon ab 1. März soll aber ein Konto eingerichtet werden, auf das erste Geldbeträge überwiesen werden.

Klage vor dem Amtsgericht

„Es gibt seitens des Großeigentümers eine wirklich sehr ernsthafte Bereitschaft, das Objekt nach vorne zu bringen“, sagt Torsten Jaskulski, Verwalter im Ihme-Zentrum. Befördert wurde diese möglicherweise durch ein Verfahren vor dem Amtsgericht. Eine Wohnungsbesitzerin hatte stellvertretend für die Eigentümergemeinschaft eine Klage angestrengt, um die Sanierung zu erwirken. Anfang Dezember ließ die Richterin durchblicken, dass sie wohl im Sinne der Klägerin entscheiden würde. Der vorbereitete Vergleich scheint nun ein für alle Beteiligten gangbarer Kompromiss zu sein.

„Vernünftiger Vorschlag“

„Für uns ist das ein vernünftiger Vorschlag – wir wollen ja investieren“, sagt Carsten Grauel, Projektmanager der IZ Hannover GmbH, die Windhorst für das Ihme-Zentrum gegründet hat. Details über geplante Umbauten will Grauel aber noch nicht nennen. Zunächst sollten die betroffenen Eigentümer am 15. Januar auf einer Versammlung informiert werden, sagt er. Dann wird auch über den Vergleich abgestimmt. Anschließend muss das Amtsgericht den Vergleich bestätigen.

„Wir wollen ja investieren“: Carsten Grauel, Projektmanager. Quelle: Katrin Kutter

Mit ihrer Stimmenmehrheit könnte die IZ Hannover GmbH den Vergleich im Alleingang beschließen. Ziel sei es aber, „eine möglichst breite Mehrheit aller Eigentümer zu erzielen“, sagt Verwalter Jaskulski. Rund 550 Wohnungsbesitzer gibt es im Ihme-Zentrum.

Sanierung durch Sonderumlagen

Laut Vergleich soll das Geld für Baumaßnahmen schrittweise durch Sonderumlagen investiert werden. Den Löwenanteil der Summen zahlt Großeigentümer Windhorst, dem 96 Prozent der Gewerbeflächen im Ihme-Zentrum gehören. Die Wohnungsbesitzer müssen sich an den Sanierungskosten nicht beteiligen, gleichwohl sollen sie über den Verwaltungsbeirat in alle Planungen bis zur Auftragsvergabe an Baufirmen eingebunden werden.

Im März stellte Lars Windhorst sein Konzept für das Ihme-Zentrum im Rathaus in Hannover vor. Quelle: Moritz Frankenberg

Gibt es keine Einigung, kann letztlich der Verwalter entscheiden, welcher Anbieter den Zuschlag bekommt. Er ist auch befugt, Rechtsmittel bis hin zur Zwangsvollstreckung einzuleiten, wenn die benötigte Summe nicht fristgerecht auf dem Konto eingeht. Sollten die veranschlagten 50 Millionen für die Sanierung am Ende nicht ausreichen, soll über eine Aufstockung der Summe verhandelt werden.

„Sehr große Zugeständnisse“

„Das alles sind sehr große Zugeständnisse seitens des Großeigentümers – so weit waren wir hier noch nie“, sagt Jaskulski. Auch Verwaltungsbeirat Jürgen Oppermann, der den Vergleich mit ausgearbeitet hat, ist zufrieden: „Das ist ein großer Erfolg und ein deutliches Signal, dass es hier endlich losgeht.“

Leerstand seit zehn Jahren

Seit gut zehn Jahren warten die Wohnungsbesitzer auf die Sanierung der maroden Gewerbeflächen, rund 74.000 Quadratmeter stehen leer. Windhorst hatte diese im März 2019 übernommen und versprochen, schnellstmöglich zu investieren. Er ist zudem an Verträge mit der Stadt gebunden: So muss die Fassade bis Ende Juni 2021 fertig saniert sein. Zudem muss der Investor bis Ende 2021 Mietverträge über rund 9000 Quadratmeter für den Einzelhandel im Sockelbereich abgeschlossen haben – damit die Stadt ihre Büromietverträge im Ihme-Zentrum verlängert. Bisher wurden nach außen sichtbar allerdings nur erste Fassadenarbeiten in Angriff genommen. Stadtbaurat Bodemann hatte im November jedoch vor Ratspolitikern versichert, dass hinter den Kulissen konkrete Planungen liefen.

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