Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Kfz-Gesellen spezialisieren sich auf E-Mobilität
Hannover Aus der Stadt Kfz-Gesellen spezialisieren sich auf E-Mobilität
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 04.02.2019
Freisprechung der Kfz -Innung in Vahrenheide. Die Gesellen Maximilian Triebe (von links), Anisha Hanke und Dominik Bergmann. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Der Ölwechsel gehört für den Kfz-Lehrling Dominik Bergmann nicht zum Arbeitsalltag. „Ich mache einen Bogen um den Dreck“, sagt der 22-Jährige. Gemeinsam mit 113 anderen Auszubildenden nahm der Hildesheimer am Freitag bei der Freisprechung seiner Innung den Gesellenbrief entgegen. Von Krisenstimmung war dort, trotz Abgasskandal und dem möglichen Ende des Verbrennungsmotors keine Spur. Die meisten Auszubildenden sind sich sicher, das ihre Branche sich lediglich neu orientiert. „Ich habe mich für die Lehre zum System- und Hochvoltmechaniker entschieden, um mich in Richtung E-Mobilität zu entwickeln“, sagt Bergmann. Als Mitarbeiter des Langenhagener Unternehmens MAN Truck & Bus macht er sich selten die Hände schmutzig. Stattdessen wartet er Hybridfahrzeuge. Die Busse der Üstra gehören dazu. Seine Zukunft sieht Bergmann im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs.

Strom statt Sprit

Auch in den Festreden, steht der Wandel der Branche im Fokus. „Die Entwicklung wird nicht anhalten, Sie müssen mithalten“, appellierte Lehrlingswart Kai Busch an den Nachwuchs. Seit 2013 entscheiden sich immer mehr Lehrlinge gegen die Ausbildung zum klassischen Kfz-Mechatroniker. Mit der Einführung des System- und Hochvoltmechanikers nimmt der elektronische Teil der Ausbildung allerdings auch bei den Mechatronikern viel Platz auf dem Lehrplan ein. An Interessenten für den Beruf mangelt es laut Busch nicht. „Die Zahlen sind konstant. Die Zeit der Verunsicherung ist da überwunden“, sagt er. Gleichwohl sei es für Betriebe schwer, gut vorgebildete Lehrlinge zu finden. „Früher waren es eher die guten Realschüler, heute reicht auch der gute Hauptschulabschluss“, sagt er. Ein weiteres Problem zeigt sich beim Blick in die Runde der Absolventen. Unter den 114 sind lediglich vier Frauen – darunter die 22-jährige Anisha Hanke.

Anzeige
Bei der Freisprechung gedachten die Anwesenden einem verstorbenen Gesellen. Er war kürzlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Quelle: Tim Schaarschmidt

„Was ich von dieser Lehre habe? Das ich mein Auto selbst reparieren kann“, sagt die Garbsenerin. Kfz-begeistert ist sie schon seit der Kindheit. „Mein Vater hat immer geschraubt und ich fand das ganz toll“, sagt sie. Als Kfz-Mechatronikerin im Audi-Zentrum Hannover gehören ölverschmierte Hände für sie einfach dazu. Vor dem Aussterben ihrer Profession hat sie keine Angst. „Es gibt doch Fortbildungen. Daran haben auch die Hersteller ein Interesse“, sagt sie.

Von Mario Moers