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Aus der Stadt Tausende Schüler ziehen mit Protestzug durch die City
Hannover Aus der Stadt

Fridays for Future: Schüler mahnen: Europawahlen sind Klimawahlen

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13:41 14.06.2019
Unter dem Motto „Liegen für den Klimaschutz“ legen sich die Demonstranten vor der Oper auf den Boden. Quelle: Saskia Döhner
Hannover

Mehrere Tausend Schüler haben sich am Freitag auf dem Opernplatz in Hannover versammelt, um kurz vor der Europawahl wieder für eine andere Klimapolitik zu demonstrieren. Um 12.50 Uhr startete der Protestzug durch die Innenstadt. Vom Opernplatz ging es über Aegidientorplatz, Friedrichswall, Leibnizufer zum Steintor und wieder zurück. Vor der Oper legten sich die Jugendlichen dann auf den Boden – Motto: „Liegen für den Klimaschutz“. Die Veranstalter sprachen von mehr als 12.000 Teilnehmern, die Polizei schätzte die Zahl der Jugendlichen auf mehr als 7000.

„Heute zu demonstrieren ist besonders wichtig, damit bei der Europawahl nicht die Falschen gewählt werden und es mit dem Klimaschutz nicht weitergeht“, sagt die 15 Jahre alte Ellen von der Tellkampfschule in Hannover. Bei Protestkundgebungen weltweit – darunter allein in mehr als 220 deutschen Städten – wollten die Fridays-for-Future-Aktivisten auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Sie kritisieren die Untätigkeit der Politiker: „Wir streiken, bis ihr handelt“, ist ihre Devise. „Europawahl ist Klimawahl“, sagt Lou Töllner (17), eine der Organisatorinnen, mit Blick auf de Europawahl am Sonntag, „wir wollen auch denen, die selbst noch nicht wählen dürfen, eine Stimme geben.“ Auf den Plakaten steht: „Unsere Zukunft, deine Stimme.“ Die 15 Jahre alte Marie von der Sophienschule Hannover hofft, dass die Parteien am Sonntag mehr Stimmen bekommen, denen der Klimaschutz wichtig ist. Und Till (14 Jahre), Schüler der Waldorfschule Bothfeld, fasst sein Wunsch in einem simplen, aber eindringlichen Appell zusammen: „Die Politiker sollen endlich zuhören.“

Dem Youtuber Rezo und dessen Abrechnung vor allem mit der CDU haben die Jugendlichen offenkundig zugehört. „Rezo für Bundeskanzler“, steht auf einem Plakat. „Wen man nicht wählen darf, hat Rezo uns in seinem Video erklärt“, sagt ein Redner der Gruppe „Extinction Rebellion“.

Galerie: Zehntausende Schüler demonstrieren bundesweit

In zahlreichen deutschen Städten sind vor der Europawahl Zehntausende Schüler und Studenten auf die Straße gegangen. Die „Fridays for Future“-Bewegung hatte weltweit zu Protesten aufgerufen.

Demonstranten fordern Kohleausstieg bis 2030

Die jungen Umweltschützer pochen unter anderem auf den Ausstieg aus der Kohleenergie bis 2030, eine Vollversorgung durch erneuerbare Energien und eine CO2-Steuer. „Wir wollen deutlich machen, dass es kein Europa ohne uns geben kann“, sagt Lou Töllner, „auch wenn viele von uns noch gar nicht wählen dürfen.“ Zwei Geschäftsmänner stehen am Rand und beobachten den Demonstrationszug. „Super Sache“, sagt der eine zum anderen. „Wenn die Regierung nicht aufpasst, hat sie plötzlich wieder eine Generation, die sich für Politik interessiert.“ Am Steintor legt der Zug eine kurze Pause ein. Lukas und Robert, beide 13 Jahre alt und Schüler der IGS List, waren schon mehrmals bei den Fridays-for-Future-Aktionen dabei. „In erneuerbaren Energien liegt die Zukunft“, sagt Lukas, und Robert fügt hinzu: „Politiker sollen Klimawandel endlich als ernstes Thema ansehen.“

Auch Eltern und Lehrer sind dabei

Tobias (44) ist mit Sohn Ben (8) da. Er war noch nie bei einer Demonstration, die Schüler hätten ihn politisiert, sagt er. Auch dafür, über das eigene Verhalten nachzudenken. „Man sollte keine Plastikverpackungen kaufen und Flugreisen reduzieren.“ Spätestens in ein oder zwei Legislaturperioden, wenn die Schüler, die jetzt auf die Straße gingen, wählen dürften, werde sich die Politik ändern. So viel Zeit hätten sie nicht mehr, finden die Schüler. Ein Redner sagt: „Die Europawahl ist eine Schicksalswahl.“

Biologielehrerin Anke Lehr von der Elsa-Brändström-Schule ist mit ihrer sechsten Klasse gekommen. Den Unterricht zu verlegen, sei die Idee einer Schülerin gewesen. „Eigentlich wäre jetzt Physik“, sagt Lehr, aber kurz vor der Europawahl für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen, sei wichtig. Die Stunden würden ohnehin nachgeholt, montags in der ersten Stunde, da hätten die Sechstklässer eigentlich frei.

Galerie: Protestzug in Hannover

Tausende Schüler haben am Freitag in Hannover wieder für mehr Umweltschutz demonstriert

Unterstützung von Wissenschaftlern und Eltern

Inspiriert wurden Schüler von der 16-jährigen Greta Thunberg aus Schweden, die seit Monaten jeden Freitag vor dem Parlament streikt. Sie ist inzwischen längst zu einem Idol der Jugend geworden. Wie auf dem Opernplatz in Hannover zu hören ist, haben auch viele Lehrer Verständnis für die Demonstrationen, die während der Unterrichtszeit stattfinden. Einige Pädagogen hätten die Schüler ausdrücklich nicht entmutigt, zu den Protesten zu gehen.

Mehr zum Thema: Fridays for Future“-Bewegung macht bundesweit mobil

Immer mehr gesellschaftliche Gruppen haben sich den Schülern angeschlossen, nicht nur Wissenschaftler („Scientists for Future“) und Eltern („Parents for Future“), zuletzt auch noch Psychologen („Psychologists for Future“). Der Klimawandel sei viel zu lange unterschätzt worden, argumentieren sie. Nächsten Mittwoch will sich die Gruppe „Students for Future“ in der Uni Hannover gründen.

„Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel zu spüren bekommt“, sagt Demo-Organisatorin Anna Kraft (18), „und die letzte, die etwas dagegen tun kann.“ Neben vielen Autos an der Strecke muss auch eine Hochzeitslimousine warten. Offenbar kein Problem: Der Fahrer hupt, die Braut winkt mit einem Blumenstrauß aus dem Fenster.

Online-Petition für andere Klimapolitik gestartet

Die Fridays-for-Future-Gruppe aus Gerdau-Bohlsen aus der Lüneburger Heide (Kreis Uelzen) hat eine Online-Petition gestartet, um die niedersächsische Landesregierung zu einer anderen Klimapolitik zu bewegen. Ihre Forderungen: Damit die Erderwärmung nicht über 1,5 Grad steigt, dürfe es bis 2035 keine Kohlendioxid-Emission mehr geben. Bis 2030 müsse der Kohleausstieg kommen, ab 2035 solle nur noch auf erneuerbare Energien zurückgegriffen werden. Als Sofortmaßnahmen bis Ende des Jahres seien das Ende der Subventionen für fossile Energieträger, eine Kohlendioxidsteuer auf alle Treibhausgas-Emissionen und das Aus für ein Viertel der Kohlekraftwerke nötig, meinen die jungen Umweltschützer.

Niedersachsen sei durch seine Inseln und die Küstenlinie von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen, heißt es in der Begründung der Petition. Es seien auch 103.300 Arbeitskräfte in der Landwirtschaft gefährdet.

Die Online-Petition hat keinerlei bindende politische Auswirkung, egal wie viele Unterzeichner sie hat. Doch ein Anliegen, das viele Unterzeichner hat, wird in der Öffentlichkeit wahrgenommen, auch in der Politik.

Hier finden Sie die Petition.

Von Saskia Döhner

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