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Aus der Stadt Fridays for Future: Heute demonstrieren in Hannover Schüler aus ganz Niedersachsen
Hannover Aus der Stadt

Fridays for Future: Schüler planen Aktionen statt Urlaub

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13:30 12.07.2019
Machen Aktionen statt Urlaub: Paula Seidensticker, Anton Hensky und Wjera Bajraktari (von links). Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Eine Urlaubsreise in den Sommerferien? Für manche jungen Aktivisten bei Fridays for Future kommt das dieses Jahr gar nicht infrage. Die Schüler und Studenten fühlen sich wie auf einer Welle hochgetragen von der öffentlichen Aufmerksamkeit für ihren Klimaprotest – mitten im Schwung zu pausieren, erscheint da absurd. Und damit erledigt sich für sie zumindest derzeit auch die leidige Frage, wie konsequent sie selbst im Privaten auf den klimaschädigenden Trip im Flugzeug verzichten.

„Ich habe tatsächlich keine Zeit für Urlaub, vielleicht fahre ich mal zwei Tage mit dem Rad weg“, beteuert Paula Seidensticker. So wie Wjera Bajraktari und Anton Hensky macht sie gerade bei einem Workshoptreffen von Fridays for Future in Hannover mit und findet Zeit für ein Gespräch mit der HAZ.

Rund 120 Schüler aus 30 der 55 Ortsgruppen in Niedersachsen und Bremen treffen sich dazu im Haus der Jugend, selbst auf Sylt gibt es eine Gruppe. Die Schüler erwarten mehrere Tausend Teilnehmer bei der großen landesweiten Demonstration am 5. Juli in Hannover, die um 15 Uhr beginnt.

Schulung der neuen Aktivisten statt Urlaub 

Die 19-Jährige aus dem Kreis Celle hat in der Kleinstadt seit Februar acht Demos mitorganisiert. Bald geht Paula zum Studium nach Maastricht, vorher will sie unbedingt noch neue Schüleraktivisten einarbeiten. Damit die Proteste nach den Ferien auch in Celle weitergehen. Die Auseinandersetzung mit den Folgen des menschengemachten Klimawandels hat die ohnehin schon umweltbewusste Abiturientin zu einer weiterreichenden Änderung ihres Verhaltens gebracht: „Ich wohne auf dem Dorf, aber fahre gar kein Auto mehr.“ Bei Wind und Wetter nimmt sie nun das Fahrrad. Für die zwölf Kilometer bis nach Celle braucht die junge Frau rund eine halbe Stunde. Zwei- bis dreimal am Tag fährt sie diese Strecke, hin und dann wieder zurück.

„Man gewöhnt sich schnell daran und baut Kondition auf“, meint Paula Seidensticker, die von sich selbst sagt, sie sei in einem recht politischen Haushalt aufgewachsen. Sonntags werde dort Zeitung gelesen und darüber diskutiert. Doch diskutieren ist das Eine. Auch Paulas Mutter hat sich nun einen Ruck gegeben und ihr altes klappriges Fahrrad gegen ein neues Modell eingetauscht. „Neulich ist sie damit 40 Kilometer zu einem Seminar gefahren“, berichtet die Tochter stolz. Warum sie sich jetzt so stark für eine Wende in der Klimapolitik engagiert? „Ich habe das Gefühl, einfach keine Wahl mehr zu haben.“

Fliegen mit schlechtem Gewissen

Die eigenen Eltern müsse sie nicht überzeugen, erzählt Wjera Bajraktari. „Wir sind eine Öko-Familie.“ Fleisch komme nie auf den Tisch. Durch das Leben mitten in der Stadt brauche sie auch kein Auto, betont die 18-jährige Hannoveranerin. „Mit Öffis bin ich viel schneller.“

Allerdings lebt Wjera auch in einer Patchworkfamilie, und das führt zu Verwerfungen. Denn um ihren spanischen Vater zu sehen, der auf La Palma lebt, steigt die Schülerin der Integrierten Gesamtschule Roderbruch einmal im Jahr in ein Flugzeug. Kaum sitzt sie in der Maschine, plagt sie das schlechte Gewissen. Doch die Kanarischen Inseln mit Zug und Schiff anzusteuern, würde viel Zeit kosten. Wjera sieht den Widerspruch – und hadert mit sich.

Anton Hensky hat diesen Sommer mit einigen Schülern in Fridays-for-Future-Gruppen gesprochen, die nun eher widerstrebend mit den Eltern in den Urlaub fliegen. „Die Reisen sind meist schon lange gebucht. Ich glaube aber, dass zukünftig mehr Schüler ihre Eltern zu einem anderen Urlaubsstil bewegen werden.“

Der 20-Jährige war bereits bei der Grünen Jugend aktiv, doch dort lasse sich nur die eigene Klientel erreichen, meint er. Fridays for Future hat für ihn eine neue Qualität. „Die Schüler kommen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Das begeistert mich.“

An der TU Braunschweig, wo Anton Hensky Elektrotechnik studiert, erlebt er jetzt außerdem, dass sich viele Ingenieurstudenten plötzlich für das Thema engagieren. Auch an den Hochschulen in Hannover organisiert sich inzwischen der Protest. Geflogen ist Anton selbst noch nie und hat es auch nicht vor. Das haben seine Eltern ihm vorgelebt: „Ich bin auf einem Biobauernhof in Brandenburg groß geworden.“

Von Bärbel Hilbig

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