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Aus der Stadt Gefangene dürfen Angehörige einladen: JVA Hannover plant Familienfest
Hannover Aus der Stadt

Gefängnis in Hannover plant Familienfest

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00:15 20.05.2019
Sie haben das Familienfest geplant und organisiert: Ilka Goedicke vom sozialen Dienst der Justizvollzugsanstalt und Matthias Bormann, der Leiter der JVA. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Der 25. Mai wird in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hannover kein Tag wie jeder andere sein. An jenem Sonnabend findet in dem Gefängnis zum ersten Mal ein Familienfest in größerem Rahmen statt, mit Hüpfburg, Kinderschminken, Bratwurst-Grill und Zuckerwatte-Stand für 24 Inhaftierte und deren knapp 80 Angehörige. Trotz des enormen organisatorischen Aufwandes und des erhöhten Sicherheitsrisikos hat sich Anstaltsleiter Matthias Bormann den ungewöhnlichen Schritt zu wagen: „Als Behörde müssen wir uns neu aufstellen, auch in der Frage des familienorientierten Strafvollzugs.“

Strenge Voraussetzungen für Inhaftierte

Die Idee zu einem solchen Familienfest ist unter anderem im Justizministerium geboren worden. „Nach einer Straftat sind auch die Angehörigen des Täters in gewisser Weise zu Opfern geworden: Plötzlich fehlt der Vater, Ehefrauen und Kinder können nur beschränkt Kontakt mit ihm aufnehmen, die Familie muss sich neu aufstellen“, sagt JVA-Leiter Bormann. Vor diesem Hintergrund hatte das Ministerium bereits im vergangenen Jahr ein Fest für Angehörige von Gefangenen in der JVA ermöglicht. 14 ausgewählte Inhaftierte durften je vier Angehörige einladen. Die Voraussetzungen für die Teilnahme an der Feier waren streng und gelten auch in diesem Jahr. Nur Gefangene die mindestens sechs Monate in Strafhaft sitzen konnten einen Antrag stellen. Gegen sie durfte in den drei Monaten vor der Feier kein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sein. Keine der regelmäßigen Urinkontrollen durfte positiv ausgefallen sein. Wer in der JVA durch aggressives Verhalten aufgefallen war, wurde von der Teilnahme an der Feier ausgeschlossen.

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Familienfest soll Motivation für die Gefangenen sein

„Es ist ein Ansporn für die Gefangenen, sich in der Haft nach den Regeln zu verhalten. Es hilft ihnen aber auch, ihre Bindung zu ihrer Familie zu festigen, dann das ist oft das Einzige, was ihnen noch geblieben ist“, sagt Ilka Goedicke vom sozialen Dienst der JVA. Sie hat ausschließlich positive Erfahrungen mit dem Familienfest im vergangenen Jahr gemacht. „Tränen sind im Gefängnis eigentlich das Schlimmste, was ein Gefangener an Emotionen zeigen darf – während des Festes haben fast alle Inhaftierten geweint“, sagt Goedicke.

Das ist die JVA Hannover

Die Justizvollzugsanstalt Hannover an der Schulenburger Landstraße ist seit 1963 in Betrieb und gehört zu den großen Gefängnissen in Niedersachsen. Die Anstalt hat rund 600 Haftplätze. Sie gliedern sich in neun Vollzugsabteilungen auf. Allein in der Untersuchungshaft-Abteilung werden durchschnittlich rund 50 Neuzugänge monatlich verzeichnet.

Die JVA Hannover beherbergt auch eine Transportabteilung. Drei große Gefangenentransporter fahren von dort aus täglich durch Niedersachsen, um Inhaftierte an ihren Bestimmungsort zu bringen. Im Prognosezentrum der JVA begutachtet ein Psychologen-Team Gewalttäter und Sexualstraftäter.

Zu der Behörde gehört auch die Außenstelle in Langenhagen. Dort befindet sich die Abschiebehaft. Sie verfügt über sechs Haftplätze für Frauen und 42 für Männer.

Das große Familienfest Ende Mai stellt auch das Sicherheitspersonal der JVA vor eine neue Herausforderung. „Uns ist natürlich bewusst, dass diese Veranstaltung genutzt werden könnte, um Drogen oder andere Sachen in die Anstalt zu schmuggeln“, sagt Matthias Bormann. Für die Feier wird das Sicherheitspersonal deswegen auch verstärkt. Alle Besucher werden genau kontrolliert. „Wenn wir dabei etwas entdecken, ist das Fest für denjenigen sofort zu Ende“, sagt der JVA-Leiter.

Die Inhaftierten, die an dem Fest teilnehmen werden, müssen auch etwas dafür tun. Zum einen werden sie beim Auf- und Abbau helfen. Zum anderen müssen sie einen Eigenanteil für die Party von je fünf Euro leisten. „Für einen Gefangenen, der durchschnittlich im Monat etwa 80 Euro verdient, ist das eine Menge Geld“, sagt Ilka Goedicke. Den Rest der Kosten für das Fest trägt die Justizvollzugsanstalt.

Von Tobias Morchner

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