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Aus der Stadt Im Video: Das HAZ-Forum zu sensibler Sprache und Gendersternchen
Hannover Aus der Stadt

Gendern und Antirassismus: HAZ-Forum zu den Thementagen „Wie reden wir“

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07:10 20.11.2021
Auf dem Podium: Petra Bahr (von links), Annika Schach, Sarah Danquah und Canan Topçu.
Auf dem Podium: Petra Bahr (von links), Annika Schach, Sarah Danquah und Canan Topçu. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Ist es respektvoll, Unterschiede zu ignorieren und einen Menschen immer nur als Menschen zu sehen? Oder verlangt Respekt im Gegenteil, dass wir Ungleichheiten nicht nur sehen, sondern auch klar benennen? Beim HAZ-Forum zur Themenwoche „Wie reden wir?“ zeigte sich, dass man in einer Diskussion weit auseinander liegen kann, selbst wenn man eigentlich dasselbe Ziel verfolgt. Und das Gespräch ergab Einblicke, wie sich unsere Gesellschaft wandelt – und wie um die Richtung dieses Wandels gestritten wird.

Der Streit um Gendersterne und geächtete Formulierungen bewegt das Land. Beim großen HAZ-Forum zum Abschluss der Thementage „Wie reden wir miteinander?“ haben rund 100 Leserinnen und Leser am Freitagabend mit den Podiumsgästen, der Theologin Petra Bahr, der Sprachwissenschaftlerin Annika Schach, der Studentin Sarah Danquah und der Journalistin Canan Topçu, diskutiert. Moderiert haben das das Forum Redakteurin Jutta Rinas und Chefredakteur Hendrik Brandt.

Hier sehen Sie das Video des Forums:

Beim HAZ-Forum „Wie reden wir miteinander“ waren am Freitagabend rund 100 Leserinnen und Leser in der alten HAZ-Druckerei zu Gast. Wir haben sie gefragt, wie weit sie gehen, um Sprache zu verändern.

Auf dem Podium dabei:

Annika Schach Quelle: Anna Hufnagl

Annika Schach, Sprachwissenschaftlerin und Professorin für Public Relations und als damalige Kommunikationschefin im Rathaus Hannover beteiligt an der Einführung des Gendersterns.

Sarah Danquah. Quelle: privat

Sarah Danquah, Studentin und Mitorganisatorin der Black-Lives-Matter-Demonstrationen in Hannover.

Journalistin und Autorin Canan Topçu Quelle: privat

Canan Topçu, in der Türkei und Hannover aufgewachsene Journalistin und Autorin. Jüngstes Buch: „Nicht mein Antirassismus – Warum wir einander zuhören sollten, statt uns gegenseitig den Mund zu verbieten“.

Dr. Petra Bahr. Quelle: Jens Schulze

Petra Bahr, promovierte Theologin, Regionalbischöfin für den Sprengel Hannover und Mitglied des Deutschen Ethikrates.

Meinungen gehen auseinander

Die Meinungen der Expertinnen auf dem Podium gingen dabei oft auseinander: „Wir können nicht so tun, als wären wir farbenblind. Wir sind eben nicht alle gleich“, sagte Studentin Danquah. Es ärgere sie immer wieder, wenn sie gefragt werde, ob es Rassismus in Deutschland gebe. „Das sollte keine Frage sein, weil es so offensichtlich ist.“ Es sei wichtig, diese Probleme zu sehen und die Unterschiede anzuerkennen.

Autorin Topçu fand dagegen: „Schwarz-Weiß-Malerei bringt uns nicht weiter.“ Sie wolle Menschen als Menschen ansprechen und nicht als Mitglied oder Vertreter einer Gruppe. Zumal das Unterscheiden von Gruppen eben nicht die Diskriminierung verhindere.

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Regionalbischöfin Bahr nannte sich „bekennend inkonsequent“, wenn es um das Gendern oder geschlechsneutrale Sprache gehe. Sie bemühe sich immer, ihr Gegenüber so anzusprechen, dass es nicht verletzend sei, aber „im Gottesdienst gendere ich nicht.“ Dafür habe sie auch zu viel Respekt vor den alten Texten. Gleichwohl sagte sie: „Mit Sprache verbindet sich auch ein Machtanspruch.“ Und das gelte eben auch, wenn nur die Männer genannt werden und die Frauen sich dann mit angesprochen fühlen müssen.

Für Sprachwissenschaftlerin Schach stand fest: „Das generische Maskulinum hat in der Kommunikation keine Zukunft.“ Aber auch sie plädierte dafür, situationssensibel mit Sprache umzugehen: Es sei nun einmal etwas anderes, welche Sprache eine Verwaltung nutze, als die Sprache, die man im direkten Kontakt mit anderen Menschen verwende.

Von Tomma Petersen