Geplante Straßensperrungen: City-Händler sehen Vor- und Nachteile
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Aus der Stadt Geplante Straßensperrungen an der Oper: City-Händler sind geteilter Meinung
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Geplante Straßensperrungen: City-Händler sehen Vor- und Nachteile

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14:30 27.10.2021
Jürgen Weitz, Inhaber eines Porzellan-Fachgeschäfts an der Georgstraße, befürchtet, dass die Sperrung sein Geschäft beeinträchtigt.
Jürgen Weitz, Inhaber eines Porzellan-Fachgeschäfts an der Georgstraße, befürchtet, dass die Sperrung sein Geschäft beeinträchtigt. Quelle: Michael Thomas
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Der Weg zur autofreien Innenstadt soll auf ausgewählten Straßen rund um den Opernplatz beginnen – das haben sich Grüne und SPD in ihrer Koalitionsvereinbarung vorgenommen. Sophien- und Prinzenstraße sowie Ständehausstraße und einen Teil der Georgstraße will Grün-Rot für den Autoverkehr sperren. Bei den City-Händlern löst das Vorhaben ein geteiltes Echo aus. Die Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK) warnt vor politischen Schnellschüssen, die City-Gemeinschaft begrüßt die Idee und hofft zugleich, dass sich auch baulich etwas verändert. Einzelne Händler äußern aber Zweifel.

IHK: „Zweifel an offenem Dialog“

Die IHK verweist auf den von der Stadt Hannover ins Leben gerufenen Innenstadtdialog, dem nicht vorgegriffen werden dürfe. „Wenn jetzt grün-rote Koalitionspläne Verkehrskonzepte dazu bereits politisch präjudizieren, dann weckt das bei Innenstadthändlern und ansässigen Geschäftsleuten zumindest einige Zweifel an einem offenen Dialog“, meint Maike Bielefeldt, IHK-Hauptgeschäftsführerin. Ohne eine Beteiligung der lokalen Wirtschaft könnten tragfähige Zukunftskonzepte für die Innenstadt nicht erfolgreich umgesetzt werden, mahnt sie.

Als ersten Schritt hin zur autofreien Innenstadt will Grün-Rot die Straßen rund um das Operndreieck dicht machen. Das Parkhaus soll aber weiterhin angefahren werden können. Quelle: Michael Thomas

Nicht nur Verkehrsschilder aufstellen

Die City-Gemeinschaft, ein Zusammenschluss von Geschäftsinhabern der Innenstadt, begrüßt zunächst, dass sich die Ratsmehrheit von einem „autofreien“ Zentrum begrifflich verabschiedet hat und nur noch von „autoarm“ spricht. „Wichtig ist für uns, dass das Parkhaus am Opernplatz weiterhin anfahrbar bleibt“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Ansonsten griffen die geplanten Sperrungen kaum in den Verkehr ein, schließlich könnten Lieferanten und Anlieger weiterhin auf den Straßen fahren.

„Jetzt muss es darum gehen, den Straßenraum nachhaltig zu entwickeln“, fordert Prenzler. Es reiche nicht aus, nur Verbotsschilder für den Autoverkehr aufzustellen. Tatsächlich betonen Grüne und SPD, dass die Sperrungen kein Selbstzweck seien, sondern ein Mittel, um die Innenstadt baulich aufzuwerten. Millionen Euro sollen investiert werden.

Wie soll der Verkehr aus dem Parkhaus abfließen?

Jürgen Weitz, Inhaber eines Porzellan-Fachgeschäfts an der Georgstraße, befürchtet, dass die Sperrung sein Geschäft beeinträchtigt. Dementsprechend ist er weniger euphorisch. Weitz befürchtet, dass der Verkehr rund um die Oper ins Stocken gerät. „Wie soll der Autoverkehr aus dem Parkhaus am Opernplatz abfließen, etwa über die schmale Luisenstraße?“, fragt er sich. Viele seiner Kunden aus dem Umland kämen mit dem Auto, um gekauften Waren sogleich mitnehmen zu können.

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„Ein Porzellanservice transportiert man nicht in der Satteltasche eines Fahrrads“, sagt er. Zwar biete er auch einen Lieferservice an, der Waren zu den Kunden bringt, doch der werde wenig angenommen. „Eigentlich sollten Straßen zunächst verschönert werden, und danach können wir uns über Sperrungen unterhalten“, meint Weitz.

Von Andreas Schinkel