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Aus der Stadt Gewalttäter würgte Ex-Freundin auf offener Straße
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Gewalttäter würgte Ex-Freundin auf offener Straße - und wird vom Amtsgericht Hannover zu zehn Monaten Bewährungsstrafe verurteilt

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19:12 02.01.2020
Amin S. konnte die Trennung von seiner früheren Partnerin nicht verwinden - und wurde gewalttätig. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Er konnte nicht akzeptieren, dass seine Freundin nichts mehr von ihm wissen wollte, ohrfeigte sie an der Stadtbahnhaltestelle Hainhölzer Markt, würgte sie auf offener Straße vor ihrer Südstädter Arbeitsstelle und zerrte sie an ihren Haaren vom Sofa ihrer Hainhölzer Wohnung. Auch verstieß der 34-jährige Amin S. bei drei Gelegenheiten gegen ein richterlich verhängtes Annäherungsverbot und zwang seinem 21-jährigen Opfer mehrfach ein Gespräch auf.

Täter bezeichnet sich als bekennenden Muslim

Am Donnerstag verurteilte Amtsrichter Reinhard Meffert den gebürtigen Hannoveraner wegen dreifacher Körperverletzung und drei Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten, verknüpft mit etlichen Bewährungsauflagen. S., der sich im Zuge seiner Befragung als bekennenden Muslim bezeichnet hatte, nahm das Urteil an, ließ aber wissen, dass ihm die hiesige Justiz nicht viel bedeutet, und sagte: „Mein Gericht hat schon lange stattgefunden.“

Opfer flüchtete aus Afghanistan

Die frühere Freundin von S. ist eine junge Frau, die aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet war. „Ich wollte keine Angst mehr haben, keine Gewalt mehr erleben“, berichtete die 21-Jährige im Zeugenstand mit stockender Stimme. Im Mai 2018 lernte die zierliche Frau, die inzwischen als Zahntechnikerin arbeitet, den in Hainholz wohnenden Angeklagten kennen. Doch die Liaison hielt nicht lange, laut früheren Aussagen der Zeugin bei der Polizei wurde ihr Partner häufig wütend, warf mit Gegenständen um sich und schlug sie.

Richter: Aussage des Täters ist „totaler Quatsch“

S. räumte drei Körperverletzungsdelikte zwischen September und Dezember 2018 ein, bestritt allerdings, die Frau in der Südstadt gewürgt zu haben. „Ich habe ihr nur ins Gesicht gefasst, um ihre Mundwinkel hochzuziehen“, gab der 34-Jährige zu Protokoll. Richter Meffert mochte das nicht glauben, bezeichnete diese Darstellung als „totalen Quatsch“. Im Dezember 2018 hatte das Amtsgericht bestimmt, dass S. seiner Ex-Freundin nicht mehr zu nahe kommen darf – doch im Januar 2019 ignorierte der Stalker dieses Verbot dreimal.

Staatsanwalt: „Krankhaftes Beziehungsverhalten“

Der ungelernte, arbeitslose Hartz-IV-Empfänger wurde seit 2007 bereits mehrfach verurteilt, unter anderem wegen tätlicher Angriffe gegen Polizeibeamte, Hehlerei, Beleidigung und Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz. Staatsanwalt Timo Goldmann attestierte S. ein „krankhaftes Beziehungsverhalten“. Einen sozialen Trainingskurs im Männerbüro brach der Angeklagte schon nach kurzer Zeit ab, hat aber nach eigenen Angaben vor Kurzem Kontakt zu einem Verhaltenstherapeuten aufgenommen.

Fünf Jahre Bewährungszeit

Der Richter legte die Bewährungszeit für Amin S. auf fünf Jahre fest. Wird er in dieser Zeit erneut straffällig, kann die Bewährung widerrufen werden. S. bekommt eine Bewährungshelferin an die Seite gestellt, muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und 300 Euro an eine Opferhilfsorganisation zahlen; auch hat er dem Gericht die Behandlung vonseiten eines Psychologen nachzuweisen. „Sie waren in erschreckender Weise besitzergreifend“, konstatierte Meffert. Auch rechtfertige die Behauptung des Angeklagten, sein Opfer habe sich abfällig über den Koran geäußert, in keiner Weise gewalttätige Übergriffe. Die junge Frau hat inzwischen aus Angst vor S. den Wohnort gewechselt – den dieser nicht kennt und aus gutem Grund auch nicht kennenlernen soll.

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Von Michael Zgoll

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