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Aus der Stadt Äußerst lecker oder giftig: Darauf sollten Sie beim Pilze sammeln achten
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Giftige und essbare Pilze in Hannover: Tipps und Infos zum Pilze sammeln im Herbst

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09:56 15.10.2019
Warnt vor Doppelgängern: Unterwegs im Wald mit Pilz Experte Thomas Schmidt. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Zur Begrüßung muss Thomas Schmidt sofort eine Sache loswerden: „Lassen Sie die Finger von diesen Pilzerkennungs-Apps.“ Das sagt der 53-Jährige nicht, weil er ein Technikmuffel ist oder weil er sein Geld mit der Mykologie verdient – „Pilzschule Hildesheim, Pilzsachverständiger und Pilz-Coach-Ausbilder sowie Pilzlehrer“ steht auf seiner Visitenkarte.

Per Smartphone können Nutzer mit der App Pilze fotografieren. In einer Datenbank wird der Fund dann abgeglichen und der Nutzer erhält Informationen zum Pilz – doch das klappt nur leidlich und hat etlichen Menschen bereits einen Krankenhausaufenthalt beschert, so Schmidt. Eine Verwechslung kann sogar tödliche Folgen haben: 250 giftige Arten gibt es in Deutschland, viele davon sind mit den essbaren Delikatessen für den unausgebildeten Sammler äußerlich nahezu identisch.

Bei einem Gang durch das Bockmerholz bei Laatzen gibt Schmidt einen Einblick in die wunderschöne, bunte aber auch unübersichtliche und risikoreiche Welt der Pilze. 30 bis 40 Liter sollte es in kurzer Zeit bei milden Temperaturen geregnet haben, bevor sich Sammler auf die Suche machen. Zwischen Herbst und Weihnachten ist die perfekte Zeit.

Bitte nicht mitnehmen: Der Fliegenpilz ist wohl eine der berühmtesten giftigen Arten. Quelle: Tim Schaarschmidt

Viele Pilze haben giftige Doppelgänger

Schmidt verlässt den Waldweg, geht ein paar Schritte ins Unterholz. „Ah, super“, sagt er und bückt sich über den ersten Pilz. Das wird er an diesem Morgen noch sehr oft machen, nur die Namen seiner Funde variieren virtuos: Hier ein rosablättriger Hautkopf (giftig), da eine Braunkappe (essbar), ein Grüner Knollenblätterpilz (kann tödlich sein), den man auf keinen Fall mit einem Anis-Champignon oder gelben Knollenblätterpilz verwechseln darf. Doppelgänger heißen die giftigen Gewächse, die ein essbares und sehr ähnliches Pendant haben.

Viele Pilze sind ungenießbar oder gar giftig: Die bekanntesten Arten im Überblick:

Bei den zahlreichen Arten, deren Namen entweder nach Märchenbuchinhalt oder Giftschrankmixtur klingen, wird schnell klar: Als Anfänger unbedarft in den Wald zu gehen und die Pilze für das Mittagessen sammeln, ist mit viel Glück möglich – aber ohne Vorwissen gefährlich. Schmidt vergleicht die Pilzkunde mit einer Fremdsprache, deren Grundvokabular Sammler lernen sollten: „Nur weil man für ein Wochenende in London war, spricht man noch lange kein Englisch.“

Bei geführten Wanderungen lernt man die Pilzwelt kennen

Auf seinen Pilzführungen merkt Schmidt, dass das Interesse der Menschen an den Gewächsen stark zunimmt. Und doch unterschätzen viele das Risiko und ziehen ungeübt auf eigene Faust los. Auch das reine Büffeln von Fachbüchern sieht er kritisch: „Da wird man nur irre. Statt Pilzen geht man dann irgendwann einfach Currywurst essen“, sagt der Mykologe.

An erster Stelle sollte Anschauungsunterricht im Wald stehen, denn viele Arten lassen sich erst durch ihren Geruch oder feine Merkmale ertasten. Das können Interessierte etwa bei geführten Pilzwanderungen oder Kursen lernen.

Auch riechen hilft bei der Bestimmung der Art: Pilzexperte Thomas Schmidt. Quelle: Tim Schaarschmidt

An diesen Stellen lohnt sich die Suche

Dabei lernt man, die giftigen Arten stehen zu lassen – und vor allem, den Wunschpilz zu finden. Anfängern empfiehlt Schmidt die Gattung der Röhrlinge – und die wächst vor allem jetzt im Herbst und ist recht leicht zu identifizieren. Dazu gehören etwa Maronen, Steinpilze oder Birkenrotkappen. „Trägt der Pilz den Namen eines Baumes, verrät das, unter welchem man suchen sollte“, sagt er.

Im Wald lohnt sich auch der Blick gen Himmel: Stellen, an denen der Regen ohne Umwege auf den Boden trifft, sind die Suche wert. Etwa direkt neben den Wegen oder an kaum überdachten Stellen neben den Baumkronen.

Das sollen Sie beim Pilzesammeln beachten:

Auf Pilzsuche mit dem Experten Thomas Schmidt.

Schmidts Credo fürs Sammeln ist denkbar einfach: „Für fünf Minuten kulinarischen Genuss muss ich mir nicht alles in den Kopf stecken.“ Das betrifft nicht nur den Verzehr von möglicherweise giftigen Arten sondern auch die Menge von Champignon, Steinpilz und Co.: „Mehr als 250 Gramm Pilze sollte man in der Woche nicht essen“, sagt der Experte. Exemplare, die auf dem Teller landen, sollten immer gut gegart sein und niemals roh verzerrt werden.

Giftpilz gegessen? Das ist zu tun

Denn die Folgen einer Vergiftung können schwerwiegend sein. Schmidt hat sich auf die Giftpilzberatung spezialisiert – Ärzte rufen den Hildesheimer an, wenn sie Rat bei betroffenen Patienten benötigen. „Je schneller man etwas von der Vergiftung bemerkt, desto besser“, sagt er.

Einige Vergiftungen machen sich durch Brechdurchfall bemerkbar. Bei harmloseren Arten setzt der kurz nach der Mahlzeit ein. Beim lebensgefährlichen Grünen Knollenblätterpilz hingegen kann die Zersetzung im Körper sechs bis zwölf Stunden dauern, bei anderen sogar zwei Tage. Die Giftstoffe greifen die Leber an und zersetzen sie. Nur ein Gegenmittel kann das verhindern. Generell gilt: Wer den Verdacht hat, einen Giftpilz verspeist zu haben, sollte umgehend ins Krankenhaus fahren.

Pilze sind im Boden weit verzweigt. Quelle: Tim Schaarschmidt

Bei allen diesen Warnungen und Risiken wird schnell klar, warum Pilze sammeln alles andere als ein langweiliges Hobby ist. Für Schmidt, der in kürzester Zeit dutzende Exemplare in allen Formen und Farben vorgeführt hat, hat für diese Naturverbundenheit eine Liebeserklärung: „Pilze bereichern unser Leben mit Freude.“

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Interessierte, die mehr über Pilze erfahren möchten, können sich bei per E-Mail an info@pilze-hildesheim.de bei der Pilzschule von Thomas Schmidt melden. Für einen dreistündigen Kurs zahlen Teilnehmer 15 Euro, ein Wochenendseminar kostet 50 Euro.Weitere Kursangebote, auch zur mobilen Pilzschule, die Seminare auch auf Nachfrage gibt,finden Sie auf der Homepage der Pilzschule.

Im Notfall kann das Giftinformationszentrum Nord helfen – es ist unter Telefon (0551) 19240 zu erreichen.

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Von Manuel Behrens

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