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Aus der Stadt Machtkampf um das Erbe von Schuhunternehmerin Helene Gisy
Hannover Aus der Stadt

Gisy-Stiftung Hannover: Machtkampf um das Erbe von Helene Gisy

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20:34 08.01.2020
Andreas Pfeifer, Vorsitzender der Gisy-Stiftung, will das Wohnhaus der Gründerin für die Einrichtung erhalten. Der Plan ist umstritten. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Hinter den verschlossenen Türen einer angesehenen Stiftung ist ein Machtkampf um das Erbe einer stadtbekannten hannoverschen Unternehmerin entbrannt. Zehn Jahre nach Gründung der Helene & Gerhard Gisy-Stiftung ist der dreiköpfige Vorstand so zerstritten, dass zwei Mitglieder den Vorsitzenden Andreas Pfeifer aufforderten, unverzüglich seinen Job aufzugeben. Doch Pfeifer will bleiben, Anwälte sind eingeschaltet.

Anlass der Auseinandersetzung ist offenbar ein prachtvolles Anwesen in Isernhagen-Süd. Nach ihrem Tod im Mai 2014 hatte die Unternehmerin Helene Gisy, Mitbegründerin des gleichnamigen Schuhgeschäfts, ihr Wohnhaus samt 5000 Quadratmeter Garten ihrer Stiftung vererbt. Dazu kamen knapp 3,8 Millionen Euro aus ihrem Vermögen. Das Haus ist seitdem Stiftungssitz, Pfeifer hat hier sein Büro. Der eskalierende Konflikt in der Stiftung dreht sich nun darum, ob das Haus künftig an einen privaten Mieter vergeben oder als Stiftungssitz erhalten werden soll.

Blick ins Kaminzimmer des Stiftungssitzes. Quelle: Katrin Kutter

Pfeifer will die Immobilie unbedingt als Sitz der Stiftung erhalten. Er betrachtet das Haus als wertvolle Erinnerung an die Gründerin Helene Gisy. Hier könnten seiner Vorstellung nach Treffen, Gespräche und Seminare mit Studenten stattfinden, überhaupt wäre die Adresse geeignet, die Stiftung öffentlich bekannter zu machen. Der übrige Vorstand habe jedoch die Absicht, das Haus zu vermieten. „Die Stiftung würde ohne das Haus ihren Identitätsanker verlieren“, glaubt Pfeifer. Es ist noch immer eingerichtet wie zu Lebzeiten der Unternehmerin, inklusive Antiquitäten, Möbel, Gemälden und Erinnerungsstücken aus dem Leben der Stifterin.

Helene Gisy: Bilder aus dem Leben einer schillernden Frau

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Wegen dieses Konflikts und weiterer Streitpunkte in der Führung soll Pfeifer nun seinen Hut nehmen, dies ist jedenfalls seine Interpretation. „Die Zusammenarbeit war immer schwierig. Ich vermute, dass der Streit um das Haus jetzt der Grund war, mich mit einem Auflösungsvertrag zu konfrontieren.“ So soll es auch unterschiedliche Auffassungen über eine zurückliegende Sanierung des Isernhagener Stiftungssitzes gegeben haben. Strittig war zudem, ob Geschäftsführer Pfeifer selbst als privater Mieter im Stiftungssitz wohnen durfte. Wegen steuerlicher Bedenken ist er mittlerweile ausgezogen.

Pfeifer kontert die Attacke aus dem Vorstand mit einem Gegenangriff. Sein Plan ist es, das Gremium auf fünf Köpfe zu erweitern. Enkelin und Urenkelin von Helene Gisy sollen einrücken und Interessen der Familie mehr Gewicht und Stimme geben. Elena Kreikenbaum, 28-jährige Urenkelin, hat bereits zugesagt.

Zieht vielleicht die Ur-Enkelin ein?

Von „massiven Spannungen“ im Vorstand hat sie gehört, zur weiteren Nutzung des Wohnhauses ihrer Ur-Oma äußert sie sich diplomatisch, aber doch eindeutig: „Ich kann beide Seiten verstehen. Wirtschaftlich gesehen, wäre eine Vermietung sinnvoll. Es wäre aber schade, dadurch den Stiftungssitz zu verlieren.“

Sie will die Immobilie nicht preisgeben. Das Haus spiegele Leben und Leistung von Helene Gisy und könne Vorbild für junge Leute sein. Im Gespräch ist derzeit, dass Elena Kreikenbaum vorübergehend selbst einzieht, solange ihr eigenes Haus renoviert wird.

Eines der Wohnzimmer im ehemaligen Wohnhaus von Helene Gisy. Quelle: Katrin Kutter

Ob Pfeifers Plan der Machtverschiebung im Vorstand aufgeht, scheint indes ungewiss. Er kann nicht im Alleingang entscheiden, ob das Gremium um zwei Sitze aufgestockt wird. Der Vorsitzende glaubt jedoch, dass sich die zwei anderen Mitglieder seinem Vorschlag kaum verweigern könnten: „Sie würden sich sonst gegen die Familie stellen.“

In der schwelenden Auseinandersetzung um Haus und Job dürfte auch eine Rolle spielen, dass Pfeifer in den letzten Lebensjahren von Helene Gisy ihr ständiger Vertrauter und Begleiter war. Er versteht sich daher als eine Art Nachlassverwalter. Gemeinsam unternahm man Ausflüge, besuchte festliche Bälle und reiste auf Kreuzfahrtschiffen. Pfeifer war auch dabei, als Gisy während einer Mittelmeer-Fahrt auf Ibiza im Mai 2014 im Alter von 101 Jahren starb. Dass er etliche Jahrzehnte jünger war, war in der Stadt während dieser Zeit oft Anlass für Gesellschaftsklatsch.

Laut aktueller Jahresrechnung verzeichnete die Stiftung 2017 Einnahmen in Höhe von rund 237.000 Euro. Davon gingen mehr als 54.000 Euro an Stipendiaten, außerdem wurde die Renovierung des Stiftungssitzes in Isernhagen bezahlt. Michael Peters, Steuerberater in Hannover und im Ehrenamt stellvertretender Vorsitzender der Gisy-Stiftung, wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorgängen im Vorstand äußern.

Das war Helene Gisy

Helene Gisywurde im April 1913 in Berlin geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung an der höheren Handelsschule und bekam im Anschluss eine Anstellung bei der Automobil Treuhand. 1934 zog sie gemeinsam mit ihrem Partner und späteren Mann Gerhard Gisy nach Hannover, um am Schwarzen Bären ihr erstes Schuhhaus zu eröffnen. 1943 brannte das Geschäft aus, der Neuaufbau begann in einem ehemaligen Geschäftshaus der Familie Bahlsen in der Georgstraße.

Das Paar bekommt zwei Kinder, Bernd und Barbara. Der Sohn stieg 1963 in das Unternehmen ein. Im Jahr 1989 erschütterte der Mord an Bernds Tochter Juliane die Familie, sie wurde von ihrem Ehemann getötet. Gerhard Gisy starb 1998, zwei Jahre später stieg Bernd Gisy aus, das traditionsreiche Geschäft wurde an das Düsseldorfer Unternehmen Prange verkauft. Am 2. Mai 2014 starb Helene Gisy im Alter von 101 Jahren in einem Krankenhaus auf Ibiza.

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