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Aus der Stadt Protest gegen MHH-Klinikbau auf Kleingartengelände
Hannover Aus der Stadt Protest gegen MHH-Klinikbau auf Kleingartengelände
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08:00 02.03.2019
Neubau MHH favorisierter Standort Quelle: Grafik: MMI + HENN
Groß-Buchholz

Die Pläne für den Bau einer neuen MHH-Zentralklinik sorgen für reichlich Ärger. Noch ist nicht abschließend entschieden, ob die Kleingärten westlich der Medizinischen Hochschule am Stadtfelddamm für den ­milliardenschweren Neubau weichen müssen, aber Nachbarn und Naturschützer protestieren bereits.

Auch im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld regt sich Unmut. Die Abstimmung über eine Resolution der Linken gegen diesen Standort wurde zwar auf Wunsch der Grünen auf die nächste Sitzung im März vertagt, aber alle Fraktionen sehen das Projekt kritisch.

Baugrund wird schon untersucht

Anlass für die jüngste Debatte ist das Votum des Wissenschaftlichen Beirats, der das Wissenschaftsministerium in dieser Angelegenheit berät. Das Gremium gibt dem Standort am Stadtfelddamm den Vorzug vor einem Neubau in direkter Nähe des alten Bettenhauses auf dem MHH-Gelände an der Karl-Wiechert-Allee. Das Ministerium, das offenbar an dem Beiratsvorschlag Gefallen gefunden hat, lässt bereits den Baugrund am Stadtfelddamm von Gutachtern untersuchen und prüft zudem ein Konzept zur Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Über erste Ergebnisse wollen Ministerium, Stadt und Region Mitte März bei einem Treffen beraten. Auch Bezirksbürgermeister Henning Hofmann nimmt an dem „Sachstandsaustausch“ teil.

Zu den erklärten Gegnern des favorisierten Standorts gehört der Umwelt- und Naturschutzverband BUND, der in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats vor einer weiteren Versiegelung von Flächen im Stadtgebiet warnte. Auch Kleingärtner meldeten sich zu Wort und forderten die Stadtverwaltung auf, das Projekt nicht zu genehmigen. Das dürfte jedoch schwierig werden, da das Gelände seit Langem baurechtlich als mögliche Erweiterungsfläche der MHH vorgemerkt ist. Die Linke spottete dennoch über einen „Honoratioren-Beirat, der sich eine Superklinik auf der grünen Wiese wünsche“. Aus ökologischen Gründen sei dies unvertretbar.

Kein Votum ohne Detailkenntnisse

Vertreter der SPD, der CDU und der FDP betonten dagegen, dass sie die Argumente der Befürworter hören wollten, bevor sie sich ein abschließendes Urteil bilden. „Uns fehlen Informationen“, sagte Martin Fulst (SPD). Kleingärten seien zwar wichtig, ergänzte Peter Hunze (CDU). „Aber die Uniklinik ist ein Aushängeschild der Stadt.“ Ohne Detailkenntnisse könne sich die CDU einem Votum gegen den Standort nicht anschließen.

Bezirksbürgermeister Hofmann (SPD) erinnerte zudem daran, dass bereits seit Längerem eine öffentliche Informationsveranstaltung geplant sei. Allerdings hat die MHH-Spitze auf die Einladung des Bezirksrats vom März vergangenen Jahres bis heute nicht reagiert. Hofmann ist zuversichtlich: „Wenn alle Informationen vorliegen, wird die Veranstaltung stattfinden.“

Kommentar: Entscheidung fällen

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist als Uniklinik nicht nur ein Aushängeschild der Stadt, sondern auch eine überregional enorm wichtige Forschungsstätte. Ein Neubau ist überfällig – die Entscheidung für dessen Standort allerdings allmählich auch. Ein Gremium, das das Wissenschaftsministerium in dieser Frage berät, macht sich für das Gelände Stadtfelddamm stark – als Alternative zu einem Neubau in der unmittelbaren Nähe des derzeitigen MHH-Bettenhauses. BUND und Kleingärtner sind indes gegen diese Flächenversiegelung, obwohl das Gelände längst grundsätzlich für einen Erweiterungsbau des Klinikums vorgesehen ist.

Alle Beteiligten haben ihre Wünsche und auch subjektiv berechtigte Zweifel an den Standortplanungen. Wichtig für Forschung und Lehre aber vor allem auch für Mitarbeiter und Patienten der MHH ist allerdings, dass eine Entscheidung getroffen wird. Dann kann man sich Zeit nehmen, um über eine angemessene Entschädigung für die „Verlierer“ zu beraten – Ersatzflächen für die Kleingärtner in der Nachbarschaft und ein Versiegelungsverbot von Naturflächen an anderer Stelle etwa. Eine Lösung der Standortfrage, die alle zufriedenstellt, wird es auch nach Jahren der Beratungsphase nicht geben.

Von Gabi Stief

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