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Aus der Stadt Lüttje Lage: Grüße aus der Dschungelhölle
Hannover Aus der Stadt

HAZ-Glosee Lüttje Lage: Grüße aus der Dschungelhölle

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20:00 28.01.2021
Simon Benne
Simon Benne Quelle: Samantha Franson
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Hannover

In unserer Familie liegt der Altersdurchschnitt bei 24,5 Jahren. Ich selbst bin mehr als doppelt so alt. Da ist mir schon klar, dass ich in einem langen Lockdown Kompromisse beim Fernsehprogramm machen muss. Ich weiß durchaus, dass ich meinen Teenagern nicht ausschließlich mit Arte-Reportagen über Ludwig XIV. kommen kann. Es ist auch nicht gut, wenn jeder sich nur an seinem eigenen medialen Lagerfeuer wärmt. Dachte ich. Und ließ meine Töchter das gemeinsame TV-Programm bestimmen. Würde schon halb so schlimm werden. Dachte ich.

Bohlen sucht immer noch

An einem ansonsten ereignisarmen Wochenende erfuhr ich, dass der Niko beim RTL-„Bachelor“ der Sohn des Bürgermeisters von Osnabrück ist. Das nahm ich noch interessiert zur Kenntnis. Dann fand ich heraus, dass Dieter Bohlen immer noch Deutschlands Superstar sucht. Ich hatte ihn seit 1987 etwas aus den Augen verloren. Seitdem ist Bohlen mit Blondschopf und Sonnenbrille Heino immer ähnlicher geworden, auch wenn das vermutlich beide bestreiten würden.

Auf der Suche nach der inneren Mitte

Dann kam diese Sendung, die entfernt was mit dem Dschungel zu tun hat. Feuilletonisten hatten sie zwischenzeitlich mal zum nationalen Kulturevent hochgejazzt. Ein Mann zog sich darin ein Kondom über den Kopf und pustete es auf, bis es platzte. „So was tun Leute, wenn sie miteinander eingesperrt sind“, erklärte eine meiner Töchter. „Ja, aus lauter Langeweile“, sagte die zweite. „Wenn noch ein dritter Lockdown kommt, werden sich solche Szenen auch bei uns abspielen“, prophezeite die dritte besorgt. Ich atmete ganz bewusst ein und aus und suchte meine innere Mitte.

Meinen Ausflug in die Gefilde des Privatfernsehens fand ich durchaus lehrreich. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich jeden Cent meines Rundfunkbeitrags für die Öffentlich-Rechtlichen gerne bezahle. Aber irgendwann zog ich mich doch zurück und blätterte in der Goethe-Gesamtausgabe. Von Zeit zu Zeit les’ ich den Alten gern. Oder, wie wir in der Dschungelhölle sagen: Ich schwöre, Digger, ich feiere ihn hart!

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Von Simon Benne