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Aus der Stadt Filmdrama zum Mauerbau: Die HAZ bringt Sie zur Premiere ins Astor-Kino
Hannover Aus der Stadt

HAZ-Preview im Astor Hannover: Film 3 1/2 Stunden erzählt vom Mauerbau

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09:36 28.07.2021
Eine Familie vor der Zerreißprobe: Gerd Kügeler (Jan Krauter) will im Westen bleiben, seine Frau Marlis (Susanne Bormann) in den Osten zurückkehren.
Eine Familie vor der Zerreißprobe: Gerd Kügeler (Jan Krauter) will im Westen bleiben, seine Frau Marlis (Susanne Bormann) in den Osten zurückkehren. Quelle: ARD Degeto
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Hannover

Ost oder West? Bleiben oder Gehen? Manchmal gibt es Lebensentscheidungen, bei denen kein Kompromiss möglich ist. In dem packenden Film „3½ Stunden“ von Regisseur Ed Herzog ist fast allen Figuren gemein, dass sie eine solche Entscheidung binnen kürzester Zeit treffen müssen. Für sie geht es darum, ob sie weiterfahren oder aussteigen.

Es ist der 13. August 1961, ein Schicksalstag der deutschen Geschichte. An diesem Morgen startet in München der Interzonenzug D-151 Richtung Ost-Berlin. An Bord sind vor allem DDR-Bürger auf dem Weg nach Hause. Unterwegs verbreitet sich die Nachricht vom Mauerbau – und die Gewissheit: Wer nicht an einer der nächsten Stationen im Westen aussteigt, wird auf unabsehbare Zeit im Osten bleiben müssen.

Entscheidung im Zug: Luisa-Céline Gaffron spielt in „3½ Stunden“ eine Lokführerin. Quelle: ARD Degeto

Was wiegt in dieser Lage schwerer? Familiäre Bindungen, Heimatliebe, sozialistischer Idealismus? Oder politische Freiheit, berufliche Perspektiven und die Hoffnung auf Wohlstand im Westen? In jedem Abteil des Zuges spielen andere Facetten bei der dramatischen Entscheidung eine Rolle. Die Zerrissenheit des geteilten Landes spiegelt sich so in den persönlichen Schicksalen der Figuren.

Brennglas deutscher Geschichte

Das ist die Familie Kügeler mit ihren zwei Kindern. Mutter Marlis (Susanne Bormann) glaubt an den Sozialismus und will loyal sein gegenüber ihrem Vater, einem Volkspolizei-Oberstleutnant (Uwe Kockisch), der in den Lagern der Nazis gelitten hat. Ihr Mann Gerd hingegen (Jan Krauter) hadert mit dem Regime und hofft auf eine Karriere als Ingenieur im Westen.

Da ist die Band um Sängerin Carla (Alli Neumann), die vor einer Zerreißprobe steht. Da ist das homosexuelle Paar (Johannes Meister und Karl Scharper), das sich entscheiden muss. Und da ist das ältere Ehepaar (Birgit Berthold und Harra Taschner): Sie will noch einmal einen neuen Aufbruch wagen, er hängt an seinem Gärtnereibetrieb in der Heimat.

Er kommt zur Filmpremiere nach Hannover: Jan Krauter im Film „3½ Stunden“. Quelle: ARD Degeto

Wie unter einem Brennglas nimmt der Film viele Aspekte der deutschen Geschichte in den Blick: Ein jüdischer Musiker, der den Holocaust überlebt hat (Jeff Wilbusch), trifft just in diesem Zug auf einen Mann mit dunkler Vergangenheit. Und Jördis Triebel spielt abgründig unterkühlt eine DDR-Sporttrainerin, die für den Erfolg ihrer jungen Schützlinge einen hohen Preis zu zahlen bereit ist.

Mit großer Starbesetzung verwebt Regisseur Ed Herzog alle schicksalsschweren Dramen zu einem einzigen deutsch-deutschen Epos. Es ist das Verdienst dieses Films, dass er über niemandem leichtfertig den Stab bricht. Es gibt in vielen Fällen kein Richtig und kein Falsch. Die Figuren treffen ihre Entscheidungen meist unter Schmerzen; die deutsche Teilung verläuft gewissermaßen durch jeden einzelnen hindurch. Und für die Entscheidung „Aussteigen oder Weiterfahren“ gibt es vermutlich so viele verschiedene Begründungen, wie es Menschen gibt.

So können Sie dabei sein

Der Film läuft am Sonnabend, 7. August, um 20.15 Uhr in der ARD. Schon vorab lädt die HAZ 120 Leserinnen und Leser zur Premiere am 4. August ins Astor Grand Cinema ein – und verlost dazu 60-mal zwei Karten. Einlass ist um 19.30 Uhr. Bei der Premiere können Sie nicht nur den Film exklusiv schauen. Sie erleben auch ein Gespräch mit dem Schauspieler Jan Krauter und dem Produktionsteam. Die Besucher müssen einen tagesaktuellen, negativen Corona-Test vorlegen, außerdem gilt im Kino bis zum Sitzplatz Maskenpflicht. Wenn Sie kostenlos dabei sein wollen, schreiben Sie eine E-Mail mit dem Stichwort „Mauerbau“ an hannover@haz.de und schicken Sie uns Ihre Kontaktdaten samt Adresse. Das Los entscheidet. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!

Von Simon Benne und Jan Sedelies