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Aus der Stadt Herbert Grönemeyer feiert mit 43.000 Fans eine Party
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HDI-Arena in Hannover: Grönemeyer feiert mit 43000 Fans eine Party

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08:54 07.09.2019
Einer für alle: Herbert Grönemeyer Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Da ist es. Gleich am Anfang. Dieser Jauchzer, dieses explodierende Kieksen, dieses rausgepresste Hochgefühl, das ihm ein Markenzeichen geworden ist. Es ist Herbert Grönemeyers Sekundenglück. Der gleichnamige Song eröffnet sein Konzert in der ausverkauften HDI-Arena. Es wird allmählich Herbst in Hannover. Aber man kann sich drei Stunden lang an Grönemeyers Liedern wärmen. „Guten Abend, Hannover!“ Er ruft es nicht, er brüllt es. Der Mann hat Bock, meine Güte!

Sekundenglück“ vom jüngsten Album „Tumult“ steht für das Heute, für das Empfinden eines 63-Jährigen, der sich freudig darüber wundert, was Gefühle so mit und in ihm anstellen können. Aber das Lied schlägt auch einen Bogen zu ganz früher, als seine Konzerte in Hannover abgesagt wurden, weil keiner diesen kauzigen Typen sehen wollte. „Sekundenglück“ hätte auch damals entstehen können, mit seinen mal gebellten, mal geflüsterten Zeilen, mit seiner seltsamen Phrasierung, in der er das Wort „Sentiment“ auf der mittleren Silbe betont.

„Los jetzt! Los jetzt! Los, Hannover!“

So ist er zum Objekt Hunderter Parodisten geworden, aber genau so haben ihn die 43.000 Menschen, die ihm in Hannover zuschauen, auch ins Herz geschlossen. Er feuert sie an, singt mit ihnen, steht auf dem Steg mitten im Volk, rudert mit den Armen: „Los jetzt! Los jetzt! Los, Hannover!“ Kopf hoch, tanzen. Er ist großartig bei Stimme, nimmt jeden hohen Ton spielend.

Das letzte große Open-Air-Konzert in einem tollen Konzertsommer 2019 in Hannover: Zigtausende feierten Herbert Grönemeyer in der HDI-Arena.

Es ist wie eine Familienfeier, zu der der Sohn mal wieder zu Besuch kommt und aufgeregt ein paar neue und viele alte Geschichten erzählt. Zum Beispiel die vom Alkohol, die vom Vollmond und die von Bochum, wo die Sonne verstaubt. Und natürlich die Geschichte von den Männern, die das Massenphänomen Grönemeyer auslöste, damals vor 35 Jahren, als er sich auf dem Albumcover mit Kreide in „4630 Bochum“ verortete und seinen plötzlich ausverkauften Konzerten eine „Stimmung wie bei einem BAP-Konzert“ bescheinigt wurde.

In Hannover ist Stimmung wie bei einem Grönemeyer-Konzert. Der Sänger schont sich wirklich nicht, er gibt den Takt vor, er lässt es laufen, gelegentlich hängt er Hits medleyartig aneinander, sprechwütet dabei ungeduldig wie Klaus Kinski durch seine eigenen Zeilen – und bremst dann ab und zu wieder, für das neue Liebeslied „Mein Lebensstrahlen“ („Ich glaube, ich bin der einzige, der das Lied mag“) oder für das alte Liebeslied „Halt mich“.

„... wenn zu viel Gestern droht“

Halten und Haltung. Er ist erwartungsgemäß politisch, auf seinem neuen Album bezieht er vielfach Stellung. So auch in Hannover, in Songs wie „Bist du da“ gleich zu Beginn, in dem er fragt: „Bist du da, wenn zu viel Gestern droht, wenn wir verrohen, weil alte Geister kreisen“. Das Lied „Doppelherz/Iki Gönlüm“, das er mit seinem Sänger Markus Zimmermann im Duett gibt, wird in der HDI-Arena betanzt und behüpft.

Aber Grönemeyer ergreift auch zwischen seinen Liedern das Wort. Wenn man sich im vereinigten Deutschland gegenseitig Respekt entgegenbringe, dann bestehe die Chance, dass die Rechten langsam stiller werden, sagt er zum Lied „Neuland“ aus dem Jahr 2002 und spricht der Idee auch aktuelle Wirkung nicht ab. Später wird er deutlicher: „Keinen Millimeter nach rechts“, das entsprechende Lied dazu heißt „Fall der Fälle“. Es würde auch nicht in sein künstlerisches Selbstverständnis passen, zu den politischen Entwicklungen der deutschen Gegenwart zu schweigen.­

Ein Monument: „Der Weg“

Ohnehin ist seine Songauswahl an diesem kühlen, aber angenehmen Abend biografisch. Es ist viel „Tumult“ im Programm, aber es reicht auch weit zurück zu den Anfängen und entlang an Schicksalsschlägen, an Verlust und Verarbeitung, für die „Der Weg“ wie ein Monument im musikalischen Schaffen von Herbert Grönemeyer steht und auch in der HDI-Arena für kollektive Ergriffenheit sorgt.

Trotzdem: Die unbändige Energie verliert die Show nie. Auf beiden Seiten. Aus dem Sekundenglück wird ein Dreistundenglück. Und am Ende sind alle ein bisschen Herbert.

Von abgesagt bis Massenfest: Grönemeyers Konzerte in Hannover

Von Uwe Janssen

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