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Aus der Stadt Selfie-Vorlage statt Kunst-Tempel: Wie HG Merz die deutschen Museen umkrempelt
Hannover Aus der Stadt

HG Merz spricht in Hannover über Heimaterde und Folterkammern

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11:47 08.12.2019
Spricht in Hannover über „Das Sammelsurium der Dinge“: Architekt Hans-Günter Merz im Alten Rathaus. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Dinge, sagt Hans-Günter Merz, Dinge sind mal gewöhnlich und mal ungewöhnlich, aber sie sind immer authentisch und mit geschichtlichem Hintergrund versehen. Der 72-Jährige, der öffentlich nur als HG Merz bekannt ist, versteht etwas von den Dingen: Er ist der vielleicht berühmteste Museumsgestalter Deutschlands, hat Erinnerungsorte kuratiert vom Benz-Museum in Stuttgart bis zur neueröffneten Staatsbibliothek Unter den Linden, von der Gedenkstätte für das KZ Sachsenhausen bis aktuell zum Gedenkort am Berliner Breitscheidplatz.

HG Merz spricht auf Einladung der Lavesstiftung in Hannover

Auf Einladung der Lavesstiftung sprach Merz im gut besuchten Alten Rathaus über „Das Sammelsurium der Dinge“, das Phänomen, dass des einen Menschen Schatz des anderen Menschen Unrat ist und warum es nicht immer einfach ist, sich als Kurator gegen verschiedene Interessen durchzusetzen. Als er etwa im Tirol-Panorama Bergisel bei Innsbruck historische Exponate wie alte Skier oder Gondeln nach Alphabet sortierte, hätten die Wissenschaftler sich strikt dagegen ausgesprochen. „Aber wir haben erreicht, dass die Leute bis zum Ende durchgehen, weil sie wissen, was bis Z passiert“, sagt Merz.

Heimatmuseum bis Benz-Luxusshow

Die Spannweite der Dinge, die der menschlichen Sammellust unterliegen, ist groß. Da ist einerseits das Heimatmuseum, das in Ermangelung hochkultureller Exponate Einmachgläser mit verschiedenfarbiger Heimaterde ausstellt – was tatsächlich gut aussehen kann. Und da ist das Benz-Museum in Stuttgart, wo HG Merz Modelle der Luxusmarke in Holzkisten mit Plexiglasfenstern verpackt hat, garniert mit vielen Alltagsgegenständen aus der Automobilgeschichte. „Wir wollten ein Museum machen, in das nicht nur autobegeisterte Männer anzieht“, sagt Merz.

Ein Galgen aufs Podest?

Aber wie geht man bei der Konzeption der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen um mit Dingen wie einem Leichenkarren oder einem Galgen? Merz zeigte Fotos, wie diese Exponate jetzt auf Podeste drapiert und perfekt ausgeleuchtet sind. „Ich wollte sie nicht auf Sockel stellen“, sagt Merz. Aber die Opferverbände hätten das als Herabwürdigung empfunden: „Warum willst Du unsere Exponate nicht behandeln wie Exponate in anderen Museen?“, habe man ihn gefragt. Er wisse bis heute nicht, was in solch einer Situation der richtige Umgang sei, gesteht Merz erfrischend offen.

Unkonventionell in Hohenschönhausen

Manchmal müsse ein Architekt sich über Regeln hinwegsetzen. Beim Wettbewerb für die Gedenkstätte des Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen etwa sei vorgesehen gewesen, das Café am Ort der ehemaligen Folterkammer einzurichten. „Das geht einfach nicht“, sagt Merz. Entgegen der Wettbewerbsbedingungen habe er dann das Café abseitig in alten Garagen geplant – und dafür sogar einen Sonderpreis erhalten. Das allerdings funktioniere bei den immer strikteren Ausschreibungsregeln heute kaum noch.

Alles Hintergrund für Instagram-Selfies

Insgesamt seien „Museen heute nicht mehr die Tempel der hohen Kunst, in die man ehrfürchtig reingeht“, sagt der Architekt sarkastisch: „Alles ist nur noch Hintergrund für Instagram-Selfies“, sagt Merz. Die Museen arbeiteten aber auch selbst daran, dass alles nur noch eventisiert werde. Aber an dem Abend im Alten Rathaus konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass Merz Spaß dabei hat, daran mitzuwirken.

Von Conrad von Meding

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