Hamsterkäufe in Hannover wegen Coronavirus? Offenbar nur Einzelfälle
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Hamsterkäufe in Hannover wegen Coronavirus? Offenbar nur Einzelfälle

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21:17 01.03.2020
Symbolkräftige Bilder: Einige Regale leeren sich in einem hannoverschen Edeka-Markt.
Symbolkräftige Bilder: Einige Regale leeren sich in einem hannoverschen Edeka-Markt. Quelle: Jens Strube
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Hannover

Alle reden von Corona. Schon vor dem ersten Infektionsfall in der Region Hannover, der am Sonnabendabend offiziell bestätigt wurde, ist das Phänomen real in der Stadt angekommen. Im Internet kursieren Bilder von leer gekauften hannoverschen Supermarktregalen. Die Folge: Noch mehr Leute decken sich mit Desinfektionsmitteln, Konservendosen und Nudeln ein, damit sie nicht leer dastehen, wenn alle anderen alles leer gekauft haben.

Leere Marktregale in Hannover – wegen Corona?

Tatsächlich hat sich das Phänomen am Wochenende sichtbar verstärkt. „Wir räumen um 6 Uhr Sagrotan-Desinfektionsmittel ein – und um 8 Uhr ist das Regal leer“, sagte eine Mitarbeiterin von Rossmann im Hauptbahnhof am Sonntag. Nicht nur das Regal mit den Handwaschseifen war immer wieder schnell geleert, auch beim Toilettenpapier gab es andauernden Nachfüllbedarf. Das Geschäft hat aber ein eigenes Lager in Nebenräumen, die Versorgung war auch am Sonntag gesichert.

In etlichen Discountern der Stadt gingen am Sonnabend haltbare Lebensmittel zur Neige: Raviolidosen, Nudeln, aber auch Toastbrote. Bei den Reinigungsmitteln gähnte in etlichen Regalen Leere. Es war ein bisschen, als würde die Corona-Aufregung manche Haushalte daran erinnern, dass man ja zur Abwechslung mal wieder putzen könnte. Für 17 Haushalte in Stadt und Umland hatte das Gesundheitsamt am Sonntagabend eine Quarantäne angeordnet, weil der Verdacht auf Corona-Infektion bestand. Die Supermarktregale sahen teilweise aus, als rechneten Tausende damit, dass es bei ihnen am Montag auch so weit sein könnte.

Lesen Sie auch: Erster Coronavirus-Fall in der Region Hannover bestätigt

Rossmann ordert Desinfektionsmittel nach

Desinfektionsmittel sind in vielen Märkten ausverkauft. Quelle: Jens Strube

In Zeiten von Pandemie-Hysterie bekommt ein Internet-Foto von einem leeren Milchregal Symbolkraft. Sofort kaufen Kunden verstärkt H-Milch, um Engpässen vorzubeugen – mit der Folge, dass man anschließend ein Foto von leeren H-Milch-Rregalen machen kann. Ein Teufelskreis. „Self-fulfilling Prophecy“, sagen die Schlauen: Die Prophezeiung sorgt dafür, dass sie eintritt.Eine Rossmann-Sprecherin bestätigt: „Wir beobachten eine erhöhte Nachfrage nach bestimmten Produkten und stehen hierzu im engen Austausch mit unseren Lieferanten.“

Wofür nutzt Sagrotan?

Wer am Montag das Desinfektionsmittel Sagrotan kaufen will, dürfte in etlichen Geschäften nicht mehr fündig werden. Allerdings hilft Sagrotan nur, wenn man damit zum Beispiel in Stadtbahnen die Haltegriffe besprüht, bevor man sie anfasst. So etwas wurde in den vergangenen Tagen nicht beobachtet. Zu Hause ist das Mittel weitgehend nutzlos beim Versuch, sich gegen eine mögliche Pandemie zu schützen. Hausärzte raten daher, sich regelmäßig die Hände zu waschen und nicht in den Raum zu niesen, sondern in ein Einmaltaschentuch oder in die Armbeuge.

Seifen mancherorts fast ausverkauft

Ob bei dm An der Weide in Hannovers Südstadt, beim Billigdiscounter in Misburg oder manch einem Edeka-Markt: Offenbar nehmen sich viele vor, dem Hinweis der Ärzte zu folgen, sich öfter die Hände zu waschen – und stecken schnell noch ein Paket Seife auf Reserve in den Einkaufswagen. Bei der großen Zahl an Kunden beim Wochenendkauf führt das dazu, dass manche Produkte nachgefüllt werden müssen. In einem Supermarkt gab es Engpässe auch bei Dinkel-Harmonie-Sandwiches, die heruntergesetzten Golden-Toasts waren teilweise vergriffen. Aus vielen Stadtteilen kam aber am Wochenende auch die Nachricht, dass die Regale ganz normal gefüllt seien. Offenbar ist die Corona-Angst sehr unterschiedlich ausgeprägt.

„Das normale Freitagsphänomen“

Manchmal aber trügt auch der erste Eindruck. Eine Kundin des großen Edeka-Markts An der Weide berichtet, sie habe am Freitagnachmittag zahlreiche Mitarbeiter beim hektischen Nachfüllen der Regale beobachtet. Auf ihre Frage, ob es sich um ein Corona-Phänomen handele, hätten die Mitarbeiter aber erstaunt reagiert: Wieso? Das sei doch jeden Freitagnachmittag so.

Die Dinkel-Harmonie-Sandwiches (oben) sind in diesem hannoverschen Edeka-Markt ausverkauft, und beim heruntergesetzten Golden-Toast ist schon nur noch die Halfte vorhanden. Quelle: Jens Strube

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Von Conrad von Meding