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Aus der Stadt 100 Jahre Eingemeindung Lindens: Verein sammelt Dokumente
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Hannover: 100 Jahre Eingemeindung von Linden Netzwerk startet digitales Archiv

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13:30 02.01.2020
Lindens Geschichte auf der Spur: Dietmar Franke, Horst Bohne und Walther Engel (v.l.). Quelle: Navid Bookani
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Hannover

An der Wand hängt eine historische Karte von „Stadt und Feldmark Linden“. In den Regalen stapeln sich Geschichtsbücher, und auf dem Tisch liegen brüchige Dokumente. Walther Engel beugt sich über ein vergilbtes Schriftstück: „Im Jahr 1827 gab es in Hannover Pläne, Linden zu kaufen“, sagt er. Damals hatte die Stadt auf Lindener Gebiet ein Grundstück für ein Krankenhaus erworben, und einige im Magistrat wollten in diesem Zuge am liebsten gleich das ganze Dorf erstehen. Doch die Gutsbesitzerfamilie von Alten forderte einen zu hohen Preis. „Damals wollte Hannover Linden gerne haben – später war es umgekehrt“, sagt Engel.

Die Geschichtskenner haben historische Dokumente digitalisiert. Quelle: Navid Bookani

Der frühere Lehrer der IGS Linden engagiert sich im Verein Netzwerk Archive Linden-Limmer. Dieser hat Dokumente zur Eingemeindung der einst selbstständigen Stadt Linden zusammengetragen, die sich am 1. Januar zum 100. Mal jährt. Ein Exemplar der Verhandlungsprotokolle von 1919 hat der Lindener Horst Deucker billig auf einem Flohmarkt erstanden: „Darin ist oft von ,Vereinigung’ die Rede, nicht von ,Eingemeindung’“, sagt Engel. „Man begegnete sich sprachlich auf Augenhöhe.“

Eingemeindung war überfällig“

Die Ressentiments der bürgerlichen Hannoveraner gegen einen Zusammenschluss mit dem armen und roten Linden waren groß. „Hannovers SPD-Oberbürgermeister Robert Leinert war dafür“, sagt Engel. Sein Gegenspieler, der als Stadtdirektor geschasste Heinrich Tramm, monierte bei den Verhandlungen schon mal, dass ihm die Einladungen zu den Sitzungen zu spät zugegangen seien. Trotz aller Widerstände fiel im Oktober 1919 die Entscheidung für den Zusammenschluss. „Dieser war im Grunde überfällig“, sagt Engel.

Jetzt online: Die Verhandlungsprotokolle zur Eingemeindung von 1919. Quelle: Navid Bookani

Pünktlich zum 100. Jahrestag will sein Verein mit einem stadtteilgeschichtlichen Projekt online gehen. In fast fünfjähriger Arbeit hat das Netzwerk mehr als 700 Dokumente digitalisiert: Stadtpläne und Postkarten, Fotos und Zeitungsausschnitte, dazu kommen Filme und Audio-Interviews mit Zeitzeugen. Ein Mosaik der Lindener Geschichte. Zum Jahreswechsel sollen sie unter www.digitales-stadtteilarchiv-linden-limmer.de (Link wird in einem neuen Browserfenster geöffnet) veröffentlicht werden.

Anfangs habe der 2011 gegründete Verein nach Räumlichkeiten gesucht, um ein analoges Archiv mit den Schätzen der Mitglieder anzulegen, sagt Dietmar Franke. „Jetzt machen wir die Dokumente digital zugänglich.“ Das virtuelle Stadtteilarchiv sei rund um die Uhr geöffnet, bequem zugänglich und kostenlos zu nutzen. „Es wächst schnell“, sagt Engel. Er hofft darauf, dass viele Lindener Material zum Digitalisieren zur Verfügung stellen.

Die Seite lädt zum Stöbern ein: Sie präsentiert Plakate des Thalia-Theaters, das nach dem Krieg im Ernst-Winter-Saal der Hanomag Operetten aufführte, aber auch Fotos von der Sanierung der Viktoriastraße in den Siebzigerjahren oder vom Bau des Ihme-Zentrums. Und eben die Protokolle der Eingemeindung. „Die Geschichte Lindens ist ein großer Schatz“, sagt der 90-Jährige Horst Bohne: „Je länger man sich damit befasst, umso spannender wird sie.“

Infos zum digitalen Stadtteilarchiv gibt es auch unter Telefon (05 11) 79 57 86.

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