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Aus der Stadt 1500 junge Lachse schwimmen jetzt in der Ihme – und später von Hannover bis Grönland
Hannover Aus der Stadt

Hannover: 1500 Jung-Lachse schwimmen jetzt in der Ihme – später ziehen sie bis nach Grönland

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16:53 30.10.2019
Hans Kleiner von Leine-Lachs entlässt mit einem Schüler der Goetheschule Jung-Lachse in die Ihme. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Sie sind ein halbes Jahr alt und bislang nur rund zwölf Zentimeter groß – doch sie sollen ihre Art in der Leine ein Stück weiter etablieren. Rund 1.500 atlantische Jung-Lachse hat der Verein Leine-Lachs gemeinsam mit dem Sea Life und 26 Fünftklässlern des Gymnasiums Goetheschule iin der Ihme ausgewildert. Etwas zaghaft verließen die Jungtiere den weißen Eimer auf dem Weg in ihr neues Zuhause in der Ihme am Ohedamm. Hans Kleiner von Leine-Lachs schaute mit den Schülern zu, wie sich die Tiere nach einigen Momenten der Akklimatisierung im Fluss verteilten.

„Bis ins 19. Jahrhundert war die Leine einer der lachsreichsten Flüsse in Norddeutschland“, weiß Günther Ohnesorge, Vorsitzender des Vereins Leine-Lachs. Doch dann begann die Industrialisierung. Von 1950 bis 1975 sei die Leine „eine einzige Kloake gewesen“. 1978 hätten laut dem Angler nur noch fünf Fischarten in der Leine gelebt – heute seien es wieder um die 38 Arten. Auch der zwischenzeitlich hier ausgestorbene Lachs gehört nun wieder zu ihnen.

Von Hannover bis Grönland – und wieder zurück

„Die Ihme ist jetzt die Kinderstube der Lachse für die nächsten eineinhalb bis zwei Jahre“, erklärt Ohnesorge. Danach schwimmen die Tiere über Leine, Aller und Weser in Richtung Nordsee, von wo aus sie ihr Weg bis an die Südspitze von Grönland führt. Dabei würden die Fische laut Ohnesorge 60 bis 80 Kilometer am Tag zurücklegen. Im Salzwasser stellen die Lachse ihren Stoffwechsel um, dort fressen sie nur noch kleine Krustentiere, durch die sie ihre rosa-rote Färbung bekommen. Nach vier bis sechs Jahren kehren die Fische in ihre Kinderstube zum Laichen zurück. Drei bis vier Mal könnten die Tiere aus der Nordsee zurück in die Leine schwimmen.

Jungtiere sind anfällig

Insgesamt mehr als 1,7 Millionen Lachse hat der Verein Leine-Lachs seit 2000 in die Nebenflüsse der Leine entlassen – bis zu 120.000 Tiere jährlich. „Da die Jungfische sehr anfällig sind, ist es wichtig, sie nicht direkt in die Leine zu setzen“, sagt Ohnesorge. Zuständig sei der Verein für die Leine von Northeim bis Hannover. Insgesamt 38 Anglervereine und 15 Privatpersonen unterstützen das Projekt – auch finanziell. Rund 20.000 Euro brauche die Organisation jährlich, um die laufenden Kosten zu decken. Die Hälfte der ausgesetzten Jungtiere züchten drei ehrenamtliche Vereinsmitglieder im Lachszentrum in Gronau selbst, der andere Teil werde dazu gekauft. Im Frühjahr und im Herbst entlassen Ohnesorge und seine zwei Kollegen an verschiedenen Stellen Jungtiere.

Damit Lachse hier wieder heimisch werden, hat der Verein Leine-Lachs gemeinsam mit dem Sea Life und Fünftklässlern des Gymnasiums Goetheschule rund 1.500 Jung-Lachse in die Ihme ausgesetzt.

Zahlen gehen wieder zurück

Ein bis zwei Prozent der ausgesetzten Lachse sollten zurück in die Leine finden – und das Projekt sei auf einem guten Weg, sagt Ohnesorge. 80 bis 100 Tiere seien gefangen oder in der Leine gesehen worden. Doch in den letzten Jahren ging die Zahl der Rückkehrer gegen null. In diesem Jahr waren es bis jetzt fünf Tiere, die gefunden wurden. Zehn Wasserkraftwerke müssen die Wanderfische auf dem Weg zurück in ihre Kinderstube beziehungsweise auf dem Weg ins Meer überwinden. Viele hätten sogenannte Fischtreppen, damit die Tiere nicht erschöpft vor Turbinen von Wasserkraftwerken verenden.

Laut Ohnesorge ist das 2012 erbaute Wasserkraftwerk in Bremen-Hemelingen Schuld am Rückgang des Bestandes. „Die dort installierte Fischauf- und absteigsanlage funktioniert meiner Meinung nach nicht.“ Trotzdem kämpft der Verein weiter für die „Wiedereinbürgerung“ des Lachses in der Leine – und möchte dabei auch auf die Politik einwirken.

Informationen für Familien

Um das zu erreichen, kooperiert der Verein Leine-Lachs unter anderem mit dem Sea Life in Hannover, das mit seinem Leine-Becken unter anderem auf die bedrohten Arten hinweist. „Wir haben ganz andere Möglichkeiten, auf Probleme aufmerksam zu machen und Familien und Kinder zu erreichen“, erläutert Sandra Köller, Pressesprecherin des Sea Life in Hannover.

Die Schüler der Klasse 5d der Goetheschule haben sich gerne an dem Lachs-Projekt beteiligt. „Es war sehr cool, als sich die Fische auf den Grund der Ihme gelegt haben“, erzählt die zehnjährige Allegra. Ihre Mitschülerin Sophie ergänzt: „Die waren ja ausgestorben, und ich finde das gut, dass die Lachse jetzt ausgesetzt werden.“ Gemeinsam mit Joachim Wendorf, Klassenlehrer und Jahrgangskoordinator, werden sich die Schüler dann erwachsene Lachse im Sea Life in Hannover anschauen.

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