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Aus der Stadt 2300 Schüler demonstrieren in Hannover für Klimaschutz
Hannover Aus der Stadt 2300 Schüler demonstrieren in Hannover für Klimaschutz
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19:38 18.01.2019
18.01.2019, Niedersachsen, Hannover: Schüler und Studierende nehmen in der Innenstadt an einer Demonstration für Klimaschutz teil. Foto: Moritz Frankenberg Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Für besseren Klimaschutz und gegen die Klimapolitik der westlichen Indusstrienationen sind am Freitagmittag nach Polizeischätzungen mehr als 2300 Schüler in Hannover auf die Straße gegangen. Die Veranstalter hatten zunächst nur mit 500 Teilnehmer gerechnet, es kamen aber viel . Die Veranstalter sprachen von 3500 Teilnehmern. Der Demonstrationszug startete am Kröpcke und zog mit Zwischenstopp vor dem Rathaus zum Platz der Göttinger Sieben am Landtag. Das Kultusministerium wies unterdessen in Hannover darauf hin, dass ein solcher Protest im Grundsatz nach dem Ende des Schulunterrichts stattfinden müsse.

Mit ihrer Demonstration gegen den Klimawandel erinnern die Schüler in Hannover die Erwachsenen an ihre Verantwortung.

„Wir begrüßen das Engagement der Schüler für den Klimaschutz sehr“, sagte eine Sprecherin von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Doch obwohl sie sich für ein schützenswertes Anliegen einsetzten, lägen die Voraussetzungen für eine Beurlaubung vom Unterricht nicht vor. Zwar könne dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit ein Vorrang vor dem staatlichen Bildungsauftrag eingeräumt werden. In diesem Fall müsse dies aber die jeweilige Schulleitung zuvor erlauben. Alleinige Entschuldigungen der Eltern reichten nicht aus, hieß es vonseiten der Landesschulbehörde. Das werde als unentschuldigtes Fehlen gewertet.

Viele Schüler in Hannover wollen das nicht gelten lassen. „Wir müssen unsere Schulpflicht nicht erfüllen, wenn die Erwachsenen ihren Job beim Klimaschutz nicht machen“, sagt eine Gymnasiastin. Viele Jugendlich haben zudem nach eigenen Angaben ihre Demoteilnahme mit Eltern und Lehrern abgesprochen und dafür Zustimmung erhalten. Einige Pädagogen hatten ihre Schüler sogar zur Demonstration begleitet. Einige Kinder berichteten, dass sie die Protestplakate in der Schulzeit gestaltet hätten.

Zehntausende Schüler streiken freitags für Klimaschutz

Die internationale Bewegung „Fridays for Future“ setzt sich vor allem für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und den Ausstieg aus der Kohleenergie ein, sagte die Organisatorin der Proteste in Hannover, Lou Töllner von der Schillerschule. Vorbild für die Streikenden ist die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, die seit Wochen jeden Freitag vor dem Klimaschutzministerium protestiert anstatt zur Schule zu gehen. Anfang August war sie mit ihrem Protest allein, dann schlossen sich ihr Tausende Schüler an, zunächst in Schweden, später in Frankreich, Belgien, Dänemark, aber auch Australien und den USA. Mit ihrer Frage „Warum soll man für eine Zukunft lernen, wenn es die vielleicht gar nicht gibt?“, hat Greta Thunberg vielen auch der hannoverschen Demonstranten aus dem Herzen gesprochen.

Eine Teilnahme an Demonstrationen rechtfertige Grundsätzlich nicht das Schwänzen von Unterrichtsstunden, sagt die Landesschulbehörde. Die Schulleiterin der IGS Kronsberg, Kathleen Fleer, hätte sich von den Organisatoren gewünscht, die Demonstration außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden zu lassen. Grundsätzlich halte sie aber politisches Engagement „für sinnvoll und richtig“. Deshalb enstünden Schüler der IGS Kronsberg keine Nachteile wegen einer Demoteilnahme. An der Schillerschule wird die Zeit der Demonstrationsteilnahme dagegen als „unentschuldigte Fehlstunden“ gewertet, sagte Schulleiterin Beate Günther. „Wem eine Demo wichtig ist, der muss die Konsequenzen tragen“, betonte sie. Versäumter Unterrichtsstoff müsse bis zur nächsten Stunde nachgeholt werden. Unter- und Mittelstufenschüler dürften während der Unterrichtszeit gar nicht an Demonstrationen teilnehmen, sagt sie. Die Schule habe eine Aufsichtspflicht, bei unentschuldigtem Entfernen vom Schulgelände müsse die Schule sofort die Eltern informieren.

Protestaktionen in zwölf Städten

In bundesweit 50 Städten – neben Hannover auch in Göttingen, Oldenburg, Osnabrück, Braunschweig, Hamburg, München, Bremen, Jena und Kiel – gingen Zehntausende Schüler und Studenten auf die Straße. „Wenn unsere Zukunft von den Erwachsenen verspielt wird, müssen wir auch nicht für die Zukunft lernen“, sagt eine Neunklässlerin der Tellkampfschule. „ Wenn es schon nötig ist, dass Schüler streiken, damit man ihnen zuhört, sieht man, wie ernst es uns ist“, betont die 16-jährige Mia: „Wir bleiben nicht leichtfertig der Schule fern.“

Unter den Demonstranten waren Schüler von den Integierten Gesamtschulen Roderbruch, List, Linden,Büssingweg, Bothfeld und Langenhagen, von der Helene-Lange-Schule, der Leibnizschule, der Goetheschule, der Lutherschule, der Ricarda-Huch-Schule, des Kaiser-Wilhelm-und Ratsgymnasiums. Oft sind fast ganze Klassen gekommen. „Bei uns sind nur drei Schüler in der Schule geblieben“, sagte eine Neuntklässlerin aus der Tellkampfschule. Manche haben sich im Sportverein zusammengeschlossen. Mehrere Siebtklässler sind zusammen in einer Zirkusgruppe, jetzt fordern sie mehr Klimaschutz. „Wenn die Politiker von heute nicht mehr da sind, sind wir immer noch da und müssen mit den Folgen leben“, sagt Lena (12).

Zwölfjährige sorgen sich um die Zukunft der Erde

„Wenn das so weitergeht, gibt es bald keine Zukunft mehr“, sagte Omer (17) von der IGS Linden. Ein anderer 17-Jähriger findet, das Thema Klimaschutz sei so wichtig, dass die Schüler dafür auch während der Unterrichtszeit auf die Straße gehen müssten. „Der Klimawandel wartet nicht, bis ich mein Abi fertig habe“, stand auf einem Protestplakat. Er sei eine reale Bedrohung, sagte auch Organisatorin Lou Töllner: „Wir machen deutlich, dass sich etwas ändern muss.“ Einen Planet B. gebe es nicht, sagte Mitorganisatorin Anna Kraeft (17) von der Leibnizschule später bei der Abschlusskundgebung vor dem Landtag: „Wir fordern den sofortigen Kohleausstieg jetzt, wir haben das Jahr 2019.“ Die Industrieländer müssten sich zu ihrer Verantwortung für den Klimawandel bekennen.

„Wir müssen ein Zeichen setzen, dass unsere Welt kaputt geht“, sagt auch Lehramtsstudentein Lena. Als sich die Demonstranten mittags am Kröpcke sammelten, saht man viele 14, 15- und 16-Jährige, manche sind noch jünger, erst zwölf Jahre alt, viele trugen Ranzen oder Rucksäcke auf dem Rücken. In Hannover war es eindeutig eine Schülerdemonstration, weniger eine Aktion von Studenten. „Ich fühle mich fast ein bisschen alt“, sagte die 22-jährige Lena lachend. Dennis (26), angehender Ingenieur, störte das geringe Durchschnittsalter seiner Mitdemonstranten nicht. Er ärgert sich mehr über die Untätigkeit der Politik beim Klimaschutz: „Wir haben die Technik, aber wir setzen sie nicht ein.“

„Klimagerechtigkeit jetzt“

„Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, skandierten viele Demonstranten auf dem Zug durch die Stadt. Ein Redner erinnerte daran, dass eine Million Menschen vor den Folgen des Klimawandels auf der Flucht sei. „Ihr müsst Lärm machen, Ihr seid jung“, sagte eine Passantin, als die rund 2300 Jugendlichen gen Landtag liefen. „Wir fordern Klimagerechtigkeit jetzt“, ruft Lukas (20). Der Student engagiert sich bei der BUND-Jugend. Dass so viele Jugendliche dem Aufruf zum Schulstreik gefolgt sind, hätte er nicht gedacht, sagte er nach dem Streiktag: „Toll.“

Von Saskia Döhner und Mathias Klein

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