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Aus der Stadt Ausstellung zur Revolte von 1968
Hannover Aus der Stadt Ausstellung zur Revolte von 1968
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00:17 08.07.2018
Zeigen, was war: Die Kuratoren Wolf-Dieter Mechler, Serge von Arx und Gerd Weiberg (v.l.) in der Ausstellung "Ansichten der Revolte". Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Jeder Slogan, jedes Bild schließt ganze Welten der Erinnerung auf: „Vietnam den Vietnamesen“ steht auf großen Plakaten, „Ho Ho Ho Chi Minh“ und „Bild hat mitgeschossen“. Dazwischen prangen die Konterfeis von Che Guevara und Rudi Dutschke, von Mao und Marx. Jenen, die dabeigewesen sind, muss diese Ausstellung wie ein begehbarer Teil ihrer eigenen Biografie erscheinen. Auf rund 300 Quadratmetern zeichnet die Schau „Ansichten der Revolte“ in der Volkshochschule jetzt nach, was zwischen 1967 und 1969 in Hannover geschah.

So ist die Ausstellung zu ’68

„Für uns war diese Ausstellung auch eine der letzten Gelegenheiten, noch einmal Akteure der Zeit zu befragen“, sagt Gerd Weiberg, der die Schau zusammen mit dem Historiker Wolf-Dieter Mechler und dem Gestalter Serge von Arx in monatelanger Arbeit auf die Beine gestellt hat. In einem Filmraum werden Interviews mit Revoluzzern von damals gezeigt. Es geht um jene Bewegung, die Konservativen bis heute als Feindbild dient; um Vietnam-Demos und um Weltrevolution und um linkes Leben in Hannover. Um das, was Prof. Alfred Krovoza bei der Eröffnung vor rund 200 Gästen am Donnerstag eine „Kulturrevolution des Alltags“ nannte.

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„Internationale Solidarität“

Zu den Exponaten zählen eine rote Fahne, die in den bewegten Zeiten sichtlich gelitten hat, und Rote Punkte von der Rote-Punkt-Aktion. Da ist jene Voltaire-Büste, die in der Nikolaistraße seinerzeit im aufklärerischen Club Voltaire ihren Platz hatte. Eine lebensgroße Puppe trägt eine Polizeiuniform, in der Ordnungshüter damals bei Demos aufliefen – inklusive Schlagstock und Schild.

Aus kleinen Lautsprechern klingen Parolen wie „Hoch die internationale Solidarität“. Ein „Pardon“-Titelbild zeigt den Schah mit Vampirzähnen, in einem Bücherschrank sind Werke von Lenin und Adorno versammelt. Überhaupt dominiert das, was Museumsmacher „Flachware“ nennen: Bücher und Fotos, Plakate und Dokumente. Intellektuelle und Theoretiker waren in der Bewegung eben nicht unterrepräsentiert.

Die Ausstellung will weder entzaubern noch verklären, sondern zeigen, was war. Freilich fällt ihr Blick auf ’68 dabei durchaus wohlwollend aus. Bei alten Aktivisten muss die Rückschau nostalgische Gefühle wecken. Und dennoch versammelt die Ausstellung viele Quellen aus einer Zeit, die oft leidenschaftlich kommentiert, aber selten wissenschaftlich erforscht wird.

Die Ausstellung ist in der VHS, Burgstraße 14, bis zum 22. August täglich außer sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Von Simon Benne