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Aus der Stadt Ausstellung zur „Novemberrevolution“
Hannover Aus der Stadt Ausstellung zur „Novemberrevolution“
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15:43 05.10.2018
Staatstragend: Hannovers Arbeiter- und Soldatenrat im „Vier Jahreszeiten“. Quelle: Historisches Museum
Hannover

Das Bild spricht Bände. Staatstragend sitzen die Männer mit ernsten Mienen hinter ihren Papierstapeln. Am Aegi kamen die Mitglieder des „Arbeiter- und Soldatenrates“ vor fast 100 Jahren zusammen – allerdings nicht auf den Barrikaden, sondern im Hotel Vier Jahreszeiten. Echte Revoluzzer sehen anders aus.

Im Herbst 1918, am Ende des Ersten Weltkriegs, krachte das alte Kaiserreich mit Militär und Adelsherrschaft zusammen. Im Zuge der „Novemberrevolution“ übernahmen überall im Land Arbeiter und Soldaten die Macht. Die Revolution erreichte Hannover am 6. November. Rund 60 Marinesoldaten aus Wilhelmshaven kamen am Hauptbahnhof an, verbündeten sich mit anderen Soldaten und zogen schließlich zum Gewerkschaftshaus.

In dem Arbeiter- und Soldatenrat, der sich am 7. November bildete, nahmen statt gewählter Arbeitnehmervertreter jedoch kurzerhand arrivierte SPD-Abgeordnete Platz. „Unter allen Umständen Ruhe und Ordnung!“ forderten sie in einem Aufruf. Während die Räte in Berlin oder Braunschweig gesellschaftliche Umwälzungen zu initiieren suchten, verhandelte der Rat in Hannover mit Militärs und Stadtverwaltung. „Er übernahm die Funktion der Ordnungsmacht“, sagt Peter Schulze.

SPD unterstützte Kriegspolitik

Der Historiker ist Autor der Ausstellung „1918 – Novemberrevolution in Hannover!?“, die DGB, Historisches Museum und Volkshochschule jetzt zum 100. Jahrestag der Ereignisse zeigen. Mit Schautafeln von Fotos und Dokumenten zeichnet die Schau in der VHS die Geschichte der Arbeiterbewegung in Hannover von etwa 1890 bis 1933 nach. Dabei räumt sie teils mit linken Mythen auf – und geht mit SPD und Gewerkschaften kritisch ins Gericht.

„Sie wären die einzige gesellschaftliche Macht gewesen, die der Entfesselung des Ersten Weltkriegs hätten entgegen wirken können“ sagt Schulze, „doch sie unterstützten 1914 die deutsche Kriegspolitik.“ Aus den Wirren im Herbst 1918 ging dann der vermittelnde SPD-Mann Robert Leinert als Oberbürgermeister hervor. Als ein übereifriger Revoluzzer, der Sanitätsfeldwebel Oskar Lünsmann, auf eigene Faust Plünderer exekutierte, schreckten die Genossen auf. Kurzerhand ließ der Arbeiter- und Soldatenrat nun seinerseits Lünsmann standrechtlich an der Waterloosäule erschießen, um Ruhe und Ordnung zu wahren. „In Hannover gab es keine revolutionäre Stimmung unter den Führern von SPD und Gewerkschaften“, urteilt Historiker Schulze.

Beide Organisationen hätten auch versagt, als Rechte 1920 beim „Kapp-Putsch“ die Macht an sich reißen wollten. Die Sozialdemokraten unterstützten 1932 die Wiederwahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten („Wählt Hindenburg, schlagt Hitler!“). Und dem Aufstieg der Nazis seien Gewerkschaften und SPD nur mit pathetischen Reden und Kundgebungen begegnet, sagt Schulze: „Sie haben 1933 keinen Kampf geführt.“ Man kann ahnen, dass es bei den Vorträgen im Rahmenprogramm der Ausstellung reichlich Diskussionsbedarf geben wird.

Ausstellung zu Hannover 1918

Die Ausstellung „1918 – Novemberrevolution in Hannover!?“ ist bis zum 26. Oktober in der VHS, Burgstraße 14, zu sehen.

Kurator Peter Schulze hält im Rahmenprogramm in der VHS drei Vorträge. Am 9. Oktober, 18 Uhr, geht es um die Rolle der hannoverschen Arbeiterbewegung im Ersten Weltkrieg. Über „SPD und Gewerkschaften in Hannover als Ordnungsmacht (1918-1920)“ spricht Schulze am 16. Oktober um 18 Uhr. Und am 23. Oktober, 18 Uhr, geht es um „Politisches Versagen und Zusammenbruch 1930-1933“. be

Von Simon Benne

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