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Aus der Stadt Die Polizei Hannover in der Weimarer Republik
Hannover Aus der Stadt Die Polizei Hannover in der Weimarer Republik
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00:25 25.02.2019
Dirk Götting (Leiter des Polizeimuseums Niedersachsen, l.), Maurien Lupke und Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe zeigen die historische Polizeiakte aus der Gründerzeit der Weimarer Republik. Quelle: Christian Elsner
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Hannover

Die Polizeidirektion Hannover ermöglicht ab kommendem Dienstag eine Zeitreise in die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Nazi-Zeit. Die Wanderausstellung „Freunde – Helfer – Straßenkämpfer. Die Polizei in der Weimarer Republik“ beschäftigt sich mit der Arbeit und dem Leben der Ordnungshüter zwischen 1918 und 1933, darunter sind auch zahlreiche Exponate aus Hannover. „Wir sind sehr erfreut, die erste Station nach dem Landtag zu sein“, sagt Polizeipräsident Volker Kluwe. Anlass der Ausstellung ist der 100. Geburtstag der Weimarer Republik.

Die Wanderausstellung „Freunde – Helfer – Straßenkämpfer. Die Polizei in der Weimarer Republik“ gastiert ab kommender Woche einen Monat lang in der Polizeidirektion Hannover. Die Schau mit Exponaten aus Hannover zeigt die Arbeit der Ordnungshüter zwischen Erstem Weltkrieg und Nazi-Zeit.

„In der jungen Demokratie entstand die Idee einer bürgernahen, demokratischen Polizei“, sagte Kluwe, „mit Grundwerten, wie wir sie noch heute leben.“ Deshalb sei die Ausstellung auch für seine Kollegen wichtig. Sie sollen sich mit ihrer eigenen Geschichte befassen, „um ihre Rolle und ihr Selbstverständnis in der Gegenwart besser zu verstehen“. Im Kaiserreich seien die Ordnungshüter oft noch als Feinde wahrgenommen worden. Beste Beispiel laut Dirk Götting, dem Leiter des niedersächsischen Polizeimuseums: „Im Kaiserreich sucht man vergeblich nach Fotos mit lächelnden Polizisten.“ In der jungen Republik traten die Beamten dagegen fröhlich und bürgernah auf. Außerdem durften erstmals Frauen mitmachen, 1930 waren schon drei in Hannover aktiv.

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Historische Aufnahmen und Fotoalben

Besonders stolz sind Hannovers Ermittler über die die zahlreichen Exponate, die Menschen nach dem Aufruf in der HAZ beigesteuert haben. „Der hat gefruchtet“, sagt Kluwe. Darunter sind Gruppenfotos der damaligen Reiterstaffel und eine historische Aufnahme eines Polizisten auf dem Kröpcke. Eine Familie lieh sogar das Fotoalbum ihres Vorfahren Rudolph Fette aus. Es beginnt 1911/1912, als Fette als Soldat im Kaiserreich anfängt, in der Weimarer Republik als Polizist arbeitet, unter den Nazis rausgeworfen und nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der Bundesrepublik wieder als Ermittler eingestellt wird.

Ähnlich beeindruckend: eine dicke Akte von 1919/1920, die Maurien Lupke dem Polizeimuseum übergeben hat. Ihr Opa und Vater waren schon Ordnungshüter, auch die 19-Jährige ist inzwischen Polizeikommissaranwärterin in Hannover. In der Grundsatzakte ist detailliert nachzulesen, wie sich die Ermittler nach dem Ersten Weltkrieg neu aufstellen mussten. Auch von der Bildung einer neuen Sicherheitspolizei ist die Rede – dem Vorgänger der heutigen Bereitschaftspolizei. „Wir haben die Akte einfach beim Ausmisten gefunden“, sagt Lupke. Die Übergabe der Dokumente an das Museum hätten ihren inzwischen verstorbenen Großvater „sicher erfreut“.

Eintritt und Führungen kostenlos

Besucher können die Ausstellung bis zum 31. März dienstags, mittwochs und sonntags von 15 bis 18 Uhr kostenlos besichtigen. Interessierte melden sich beim Pförtner der Polizeidirektion, Waterloostraße 9, und werden zur Ausstellung in der Alten Kantine geleitet. Kostenlose Gruppenführungen sind ebenfalls möglich und können unter Telefon (0511) 109 10 52 organisiert werden.

Vorträge zur Ausstellung

Während der Wanderausstellung zur Polizei in der Weimarer Republik finden jeweils donnerstags verschiedene Vorträge statt. Treffpunkt ist stets an der Pforte der Polizeidirektion Hannover.

28. Februar, 18 Uhr: „Zwischen Reform und Holocaust – Die Polizei und das Scheitern der Weimarer Republik“ mit Dirk Götting;

7. März, 18 Uhr: „SPD und Gewerkschaften in Hannover zwischen 1918 und 1933. Fragen an die Geschichte der hannoverschen Arbeiterbewegung“ mit Peter Schulze;

14. März, 18 Uhr: „Haarmann und die Gesundung der Altstadt – Leben und Tod zwischen den Weltkriegen. Oder wie die Sanierung des Ballhof-Viertels 1936-41 Nepper, Strezer und Schoresmacher vertrieb“ mit Sid Auffarth;

21. März, 18 Uhr: „Sicherheit im Stadion am Beispiel von Hannover 96 – Eine Bestandsaufnahme mit einer historischen Komponente bis zurück in die 20er Jahre“ mit Sebastian Kurbach;

28. März, 15 Uhr: Kuratorenführung mit Dirk Götting.

Weil die Anzahl der Plätze begrenzt ist, ist eine Anmeldung erforderlich. Diese nimmt das Organisationsteam um Edda Wolff unter der Telefon (0511) 109 10 52 oder per E-Mail an oea@pd-h.polizei.niedersachsen.de entgegen. Die Teilnahme an den Vorträgen ist kostenlos. Da Ausstellung und Vorträge in einem historischen Gebäude untergebracht sind, ist der Zugang nicht barrierefrei.

Von Peer Hellerling