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Aus der Stadt Bau von Hochbahnsteigen in Hannover dauert bis 2030 – oder länger
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Bau von Hochbahnsteigen in Hannover dauert bis 2030 – oder länger

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10:00 07.06.2019
Der wenigstens ist fertig: Am Steintor wurde der neue Hochbahnsteig 2019 eröffnet. Quelle: Christian Behrens (Archiv)
Hannover

Die Gesetze auf Europa- und Bundesebene fordern, dass der Nahverkehr in Deutschland bis 2022 barrierefrei sein soll. Doch allein der Bau der Hochbahnsteige in Hannover und im Umland könne wohl bis 2030 dauern, „vielleicht auch zwei Jahre länger – oder auch zwei Jahre schneller“, sagte der für den Ausbau zuständige Infra-Chef Christian Weske bei einer Anhörung zur Barrierefreiheit im Rathaus. Vor allem in Bothfeld, Vahrenwald, Linden und Richtung Sarstedt gibt es noch zahlreiche Trassen, an denen Menschen mit Gehbehinderung, Kinderwagen oder Gepäck nur mit großen Schwierigkeiten haben, Stadtbahnen zu erklimmen. Und ein Sonderproblem gibt es am Bahnhof Nordstadt.

Am Bahnhof Nordstadt hat die Planung noch nicht einmal angefangen

Während die meisten Hochbahnsteigbaustellen für die nächsten Jahre zumindest schon terminiert sind, ist am Bahnhof Nordstadt beim Umsteigepunkt von Stadtbahn zur Deutschen Bahn noch gar kein Zeitpunkt für einen Baubeginn absehbar. „Wir sind dort abhängig von einem Großprojekt der Bahn“, sagt Weske. Die wolle die „Überführung der Schulenburger Landstraße über die Gleise“ erneuern, also die Brücke neu bauen wie derzeit an der Königstraße. Man sei im Gespräch, „aber wir hängen an deren Zeitschiene“, sagt Weske. Es werde wohl „noch zwei bis drei Jahre dauern“, bis überhaupt Klarheit herrsche.

Infra: 30 Jahre gebraucht für 136 Hochbahnsteige

Insgesamt schaffe man zwei bis vier Hochbahnsteige im Jahr. Von 196 Haltestellen und Stationen seien 41 noch nicht barrierefrei – und allein um 136 Hochbahnsteige zu bauen, „haben wir 30 Jahre gebraucht“. SPD-Ratsherr Lars Kelich räumte mit Blick auf die lange Hochbahnsteigdebatte in der Limmerstraße ein: „Manchmal bekleckern sich die politischen Gremien auch nicht mit Ruhm, was Zeitpläne angeht“ – ein Seitenhieb auf den Bezirksrat Linden.

Bei der Anhörung formulierten zahlreiche Verbände Anforderungen an Barrierefreiheit im Städtebau. Wobei fast alle betonten, dass es nicht nur um Menschen mit Handikap gehe, sondern auch um Senioren, Eltern mit Kinderwagen oder Reisende mit Gepäck. Zuweilen sei es schwierig, das richtige Mittel zu finden, sagte etwa Krzystof Mieloch vom Fuß-Verein: „Während Menschen mit Rollstuhl an Bordsteinkanten möglichst null Zentimeter Barriere wollen, kann das für Blinde tödlich sein, weil sie dann plötzlich auf der Straße stehen.“ Er zeigte kuriose Fotos, wo die Verwaltung korrekt handeln wollte, aber unwegsame Situationen geschaffen hat, etwa am Pferdeturm oder bei den Radwegen am Steintor. Insgesamt aber, da waren sich fast alle Vortragenden einig, sei Hannover auf einem guten Weg beim barrierearmen Städtebau.

Wobei etwa Ingeborg Saffe vom Sozialverband forderte, Gehwege für Fußgänger freizuhalten statt für Gastronomie und bei Bussen und Bahnen längere Einstiegsphasen zu gewähren. Hans Joachim Hoffmann vom Blinden- und Sehbehindertenverband wies darauf hin, dass Blinde die farblichen Trennlinien zwischen Geh- und Radwegen nicht sehen. Monika Stadtmüller vom Seniorenbeirat forderte, dass Wohnungen „barrierefrei und bezahlbar“ sein müssten: „Es ist auch menschenunwürdig, wenn jemand sich keine Wohnung mehr leisten kann.“ Thomas Bade vom Institut für Universal-Design forderte einheitliche Piktogramme, er hat in Herrenhausen Rollstuhlfahrersymbole in verschiedenen Farben ausgemacht. Und Karin Kellner von der Architektenkammer forderte beim Städtebau „klotzen statt kleckern“: Städte müssten mit dichten Schwerpunkten bebaut werden, damit mehr Teilhabe und möglich ist und Einrichtungen besser genutzt werden.

Kein Schild weist vom Kröpcke zum Flughafen

Manchmal sind es aber auch ganz banale Dinge. „Am Kröpcke gibt es keinen Hinweis, wie man zum Flughafen kommt“, lästerte Stadtmüller. „Ich kenne keine Großstadt, in der es so etwas gibt. Aber eine klare Ausschilderung gehört auch zur Barrierefreiheit.“

Diese Haltestellen sind noch nicht barrierefrei

Auf diesem Übersichtsplan hat die Üstra die Haltestellen markiert, die bereits barrierefrei sind – und die, bei denen der Umbau noch dauert (PDF).

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Welche Hochbahnsteige werden als nächste fertig?

Zwei bis vier Hochbahnsteige im Jahr – das ist das Pensum, das die Infra bewältigt. Weil zunächst vielfach problemlose Standorte angegangen wurden, entsprechend nun also die problematischeren Standorte anstehen wie Linden oder an Hauptverkehrsstraßen, ist kaum zu erwarten, dass die 41 fehlenden Hochbahnsteige in zehn Jahren fertig sein werden. Infra-Chef Christian Weske sprach denn auch davon, 2030 „könne aus derzeitiger Sicht ein realistisches Datum sein“ für die Herstellung einer vollständigen Barrierefreiheit an Stadtbahnen. An Bushaltestellen, für die die Infra in der Regel nicht zuständig ist, geht der Ausbau noch langsamer voran.

Die nächsten Bahnsteige, die momentan in der Planung sind und ab 2020 realisiert werden sollen, sind Rethen/Galgenbergweg, Humboldtstraße, HCC, Kurze-Kamp-Straße, Hermann-Ehlers-Allee, Bothfeld, Rethen/Pattenser Str. (heute Rethen/Nord und Rethen), Rethen/Steinfeld, Riechersstraße (heute: Eichenfeldstr.), Safariweg, Glocksee, Ungerstraße, Gleidingen/Orpheusweg, Am Küchengarten, Leinaustraße, Alter Flughafen, Wiesenau, Bahnhof Nordstadt sowie die sechs Haltestellen der Verlängerung nach Hemmingen.

Von Conrad von Meding

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