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Aus der Stadt Bauen wird immer teurer – das gefährdet Großprojekte auch in Hannover
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Hannover: Bauen immer teurer – das gefährdet Großprojekte wie den LKA-Neubau

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06:15 25.06.2019
„Teilweise gibt es keine Skrupel“: Etliche Hersteller von baumaterial haben ihre Preise weit über 10 Prozent angehoben, weil die große Nachfrage in der Bauwirtschaft Engpässe erzeugt. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Die stark steigenden Baukosten machen nicht nur privaten Bauherren zu schaffen, sondern gefährden inzwischen auch große öffentliche Projekte. Im ersten Quartal 2019 sind die Kosten um 4,8 Prozent gestiegen, wie aus dem Baukostenindex des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Im ersten Quartal 2017 waren es 2,8 Prozent, im ersten Quartal 2015 sogar nur 1,5 Prozent. Aktuell könnte der geplante Neubau des Landeskriminalamtes (LKA) am hannoverschen Waterlooplatz in einer abgespeckten Variante kommen, weil die kalkulierten 128 Millionen Euro nicht reichen.

Stadt Hannover: Die 520 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm reichen nicht

Auch der Stadt Hannover machen die Baukosten zu schaffen. Sie hatte 2015 ein Investitionsprogramm von 520 Millionen Euro aufgelegt, um zehn Jahre lang Schulen und Kitas zu sanieren und auszubauen, aber auch Bäder und Verwaltungsgebäude. Inzwischen ist klar: Wegen der steigenden Baukosten fehlen schon jetzt rund 92 Millionen Euro. Insgesamt wird von einem dreistelligen Millionen-Fehlbetrag ausgegangen, weil die Kosten weiter steigen. Allerdings will der Rat keine Projekte streichen. Möglicherweise wird das Programm gestreckt – oder die Stadt muss neue Schulden aufnehmen.

Baugewerbeverband: Schuld sind steigende Lohn- und Materialkosten

Ulf Mosenthin, Syndikus beim Baugewerbeverband Niedersachsen, beteuert, dass die Baufirmen sich nicht die Taschen vollmachten. Im Gegenteil: „Wir hatten im Mai 2018 einen Tarifabschluss für unsere Mitarbeiter von 5,7 Prozent auf 26 Monate zuzüglich Einmalzahlungen.“ Zudem mache der Fachkräftremangel der Branche zu schaffen: Selbst tarifungebundene Unternehmen zahlten vielfach mehr, weil ihnen sonst gute Mitarbeiter wegliefen. Und nicht zuletzt habe die große Nachfrage nach Baumaterial dazu geführt, dass die Hersteller die Preise angehoben hätten. Für Baustahl, Zement und Dämmstoffe seien wegen der Engpässe teilweise 10 bis 20 Prozent mehr verlangt worden.

Gemeindeverband: Niedersachsen muss das Vergaberecht entbürokratisieren

Derweil plädiert Niedersachsens Städte- und Gemeindebund dafür, das aufwendige Vergaberecht zu entschlacken. „Bei vielen Ausschreibungen erhalten die Kommunen kaum noch Angebote von Baufirmen“, sagt Sprecher Thorsten Bullerdiek. „Während es früher mehrere Bewerber auf öffentliche Aufträge gab, ist es inzwischen häufig nur noch einer – oder keiner.“ Für die Kommunen sei der Aufwand erheblich – und auch für die Betriebe.

Baugewerbeverbands-Syndikus Mosenthin bestätigt den Eindruck. „Bestimmte Betriebe nehmen inzwischen gar nicht mehr an öffentlichen Ausschreibungen teil.“ Erstens wegen des stark gestiegenen Aufwands. Zweitens, weil es oft im Nachgang Prozesse gebe: „Da verwendet man eine falsche Schraube und landet vor Gericht.“ Drittens sei die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand oft schlecht. Und viertens erlaube es die enorme Nachfrage den Baufirmen, öffentliche Aufträge zu ignorieren: „Wegen der guten Baukonjunktur sind wir gut mit privaten Bauherren ausgelastet.“

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