Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Mit 90 in den Ruhestand: Dieser Mann arbeitete seit 1948 bei Pelikan
Hannover Aus der Stadt Mit 90 in den Ruhestand: Dieser Mann arbeitete seit 1948 bei Pelikan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 04.02.2019
Stabübergabe: Jürgen Dittmer (l.) hat Wilfried Leuthold eingearbeitet - der 63-Jährige hütet künftig die Schätze des Pelikan-Archivs. Quelle: Benne
Hannover

Die Maschinen auf dem alten Schwarzweißfoto würden jedem Technikmuseum Ehre machen. „Das ist die Füllhalterfabrikation, in der ich 1948 als Lehrling angefangen habe“, sagt Jürgen Dittmer. „Man musste damals Arbeit haben, um eine Lebensmittelkarte zu bekommen.“ Adenauer war noch nicht Bundeskanzler, als Dittmer an Kriegstrümmern vorbei zu seiner Arbeitsstelle radelte. Fast 71 Jahre lang war er bei Pelikan beschäftigt. Bis jetzt.

Am 1. Februar wird Dittmer 90 Jahre alt – und geht endgültig in Ruhestand. Es gibt noch eine Kaffeetafel mit Kollegen, ein paar warme Worte – und dann ist Schluss. „Dann bin ich weg und nicht mehr da“, sagt er selbst noch etwas ungläubig. „Das ist der Dexit –der Dittmer-Exit.“

Ein Leben als Archivar

Zum ersten Mal war er schon 1993 verabschiedet worden, als er offiziell in Rente ging. Doch damals bekam er nahtlos einen Arbeitsvertrag als Firmenarchivar, mit einem Arbeitstag pro Woche. Seither ordnete der ebenso agile wie knorrige Herr alte Dokumente, er digitalisierte Fotos, hütete historische Plakate – und wurde irgendwann selbst ein Stück Firmengeschichte.

Seine Arbeit habe er nie als Last empfunden, sagt Dittmer. Pelikan war immer Teil seines Lebens. „Trotzdem glaube ich nicht, dass ich künftig etwas vermissen werde“, sagt er jetzt. „Einerseits ist es ja gut, etwas um die Ohren zu haben. Andererseits gibt es auch einen Haufen Bücher, die ich noch nicht gelesen habe.“ Außerdem will er mit seiner Frau Josefine ein paar Städtereisen machen. Er hatte sie 1953 im Auslieferungslager kennengelernt. Er hatte einen Knopf verloren, sie nähte ihn wieder an.

Seinen Nachfolger hat Dittmer bereits eingearbeitet. Künftig betreut Wilfried Leuthold das Archiv. Der Burgdorfer war im Werk in Vöhrum bislang Leiter der Produktentwicklung, obwohl man das heute „Head of Product Development“ nennt. Bei Pelikan hat er 1972 angefangen; schon seine Eltern arbeiteten dort: „In jeder Abteilung hatte ich Onkel und Tanten“, sagt er. Pelikan war eben ein Familienbetrieb. Jetzt ist Leuthold in Ruhestand gegangen; der junge Mann ist 63 Jahre alt. „Ein gutes Alter, um im Archiv anzufangen“, sagt Dittmer, der da aus Erfahrung spricht.

Ausstellung zum Abschied

Ehrenamtlich wird der 90-Jährige hin und wieder noch Führungen durchs Pelikan-Archiv machen. „Ich bleibe der Firma weiterhin verbunden“, sagt er trocken, „schon weil ich ja jeden Monat meine Betriebsrente bekomme.“ Zum Abschied hat er noch eine kleine Ausstellung im „Tintenturm“ organisiert: ein Rundgang durch die Geschichte des Pelikan-Viertels in 30 Bildern.

Die Aufnahmen zeigen das Preisverzeichnis des Chemikers Carl Hornemann für „farbige Dinten in Fläschchen“ vom 28. April 1838, das am Anfang der Pelikan-Geschichte steht. Und den Aufbau der Fabrikgebäude, die der Architekt Paul Johann später an der Podbi entwarf. Und eben die Füllhalterfabrikation, in der Dittmer 1948 anfing. Die hier produzierten Schreibgeräte hatten eine „Kolbenmechanik mit Differentialschraubgewinde“, erzählt Dittmer. Eine Wortschöpfung wie von Loriot. Der angehende Rentner lächelt, als er davon erzählt. „Alles in allem war das Berufsleben schon eine schöne Zeit.“

Die kleine Pelikan-Ausstellung ist im Tintenturm, Pelikanplatz 21, montags bis donnerstags von 12 bis 17 Uhr sowie freitags von 10 bis 14 Uhr zu sehen.

Von Simon Benne

Lust auf gute Musik, aber keinen Bock auf große Bühne? Hier sind neun Video-Tipps für die besten Februar-Shows auf den Club-Stages vom Lux bis zu Feinkost Lampe – von Me + Marie über YY bis zum Heimspiel von Rabea.

26.02.2019

Die Volkswagen-Tochter weitet ihr Geschäftsgebiet aus. Sie will nun verstärkt Pendler ansprechen, die täglich mit dem Auto vom Stadtrand ins Zentrum fahren. Anfangs soll ein Sonderangebot dabei helfen. Aber das Taxigewerbe hat Anzeige erstattet.

01.02.2019
Aus der Stadt Spielplatz Pastor-Jäckel-Weg - Bäume sollen für Spielplatz weichen

Gegen den Bau eines neuen Spielplatzes regt sich selten Protest, anders bei der geplanten Spielfläche am Pastor-Jaeckel-Weg in der List.

01.02.2019