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Aus der Stadt Braucht die Markthalle mehr Qualität? Das sagen die Besucher
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Hannover: Braucht die Markthalle mehr Qualität? Das sagen die Besucher

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15:56 27.07.2019
Maren Lindemann (v.l.), Michael Droldner und Rosemarie Greger haben drei feste Anlaufstationen in "ihrer" Markthalle. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Die Atmosphäre: in Teilen großartig, in Teilen düster. Das gastronomische Angebot: viel Mittelmaß, zu wenig Spezielles, Regionales, Hochwertiges. Das war, kurz zusammengefasst, das Fazit, das HAZ-Restaurantkritiker Hannes Finkbeiner nach seinem Besuch in der hannoverschen Markthalle gezogen hat. Nun wollten wir wissen: Teilen die Besucher die Kritik? Wünschen sie sich mehr Streetfoodstände wie in der Berliner Markthalle Neun oder mehr internationale Vielfalt wie in der Markthalle Rotterdam? Die Antworten bei einer Stippvisite am Sonnabendmorgen gehen meist in die gleiche Richtung – man is(s)t zufrieden, wie es ist.

Besucher lieben das Bodenständige der Markthalle

Sie sind Stammgäste im Bauch von Hannover: Maren Lindemann (72) aus Bornum, Rosemarie Greger (81) aus Wettbergen und Michael Droldner (62) aus der Südstadt. Und sie steuern bei ihren Wochenendbesuchen immer drei Lokalitäten an: Helli, Franky und Joseph. „Und anschließend gehe ich einkaufen, frische Lebensmittel und Kekse bei Bahlsen“, erzählt Droldner. Mehr Schickimicki brauche er nicht in der Markthalle, er liebe das Bodenständige. „Hier kennt jeder jeden“, ergänzt Maren Lindemann. Und wenn die Verwandten aus Nordrhein-Westfalen zu Besuch kommen, werden sie auch immer in die Fünfzigerjahrehalle gelotst.

In Hannover gibt es nicht so viele Regeln wie in anderen Städten

Eine 60-jährige Bankerin aus Frankfurt, die in Hannover aufgewachsen ist und alle zwei Wochen beruflich in der niedersächsischen Landeshauptstadt zu tun hat, sitzt vor der langgestreckten Fensterfront an der Karmarschstraße und liest ein Buch. Sie schätzt an der Markthalle, dass sie sich an einem Stand einen Wein, nebenan ein Brötchen und um die Ecke einen Käseteller holen und dann alles an einem Platz genießen kann. „In Frankfurt ist das total reglementiert“, sagt sie, „da darf ich an meinem Tisch nur das konsumieren, was ich in dem entsprechenden Lokal bestellt habe.“

Antje Weibels und Thomas Bergen aus Lauenau kaufen regelmäßig in der Markthalle ein - oder treffen sich mit Freunden zum Feiern. Quelle: Michael Zgoll

An der Markthalle hängen Kindheitserinnerungen

Thomas Bergen (56) erinnert sich: Als er noch ein kleiner Junge war, nahm ihn seine aus Schlesien stammende Oma gerne mit in die Markthalle, einmal die Woche von Hainholz in die Innenstadt. Damals habe es mehr Verkaufsstände und weniger Cafés gegeben als heute, die Regale, die sich unter der Last der Dosen mit schlesischen Spezialitäten durchbogen, hat er noch heute vor Augen. Inzwischen wohnt er mit Antje Weibels (50) in Lauenau, doch seine Liebe zur Markthalle hat er sich bis heute bewahrt.

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Und gäbe es nichts zu verbessern? Der 56-Jährige könnte sich für das Modell Lissabon erwärmen. Dort sind alle Stände in einem großen Karree aneinandergereiht und in der Mitte der Halle stehen zahllose Tische, wo man sein nach eigenem Gusto zusammengestelltes kulinarisches Angebot verzehren kann und freie Platzwahl hat. Während Berger noch erzählt, beginnt Antje Weibels am Stand von Da Lina schon mal ein paar Tischchen zusammenzuschieben: „Wir sind in einer halben Stunde mit zehn Freunden zu einer Hochzeitsnachfeier verabredet, und hier Plätze zu reservieren ist schwierig.“

Mehr Berlin oder Rotterdam in Hannover? Hans-Valentin Klein meint, das die Markthalle an der Karmarschstraße mit solchen Vergleichen überfordert ist. Quelle: Michael Zgoll

„Das Ding läuft doch, was will man mehr“

Zwei Studentinnen haben es sich draußen an der Leinstraße gemütlich gemacht. Ob sie etwas vermissen in der Markthalle? „Nein, passt schon“, lautet ihr Urteil. Wer mehr Szeneflair wolle, könne sich ja in der Nordstadt oder in Linden umsehen. „Das Ding läuft doch, was will man mehr?“, gibt sich auch Pensionär Hans-Valentin Klein (83) ganz pragmatisch. Der Südstädter, der just den HAZ-Bericht über die Markthalle liest, tätigt fast alle seine Lebensmitteleinkäufe im Bauch von Hannover, schätzt das Einkaufserlebnis, mit dem ein Supermarkt niemals konkurrieren könne. Doch würden ihn mehr ausgefallene Angebote und ein wenig mehr Weltstadtatmosphäre, ähnlich wie in Berlin oder in Rotterdam, nicht zusätzlich reizen? „Quatsch“, meint Klein, „mit solchen Vergleichen ist Hannover doch schlicht überfordert.“

„Die Halle bleibt wie sie ist, wir wollen keine andere.“

Auch auf Facebook und Twitter haben HAZ-Leser die Kritik am Angebot der Markthalle diskutiert. Hier ein paar Reaktionen:

„Also ich liebe meine Markthalle! Wir sitzen immer bei Joseph Schlemmerplatz, es ist so familär und man fühlt sich einfach wohl. Franky Markthalle begrüßt einen immer mit einem offenen Lachen. Es ist immer gemütlich und man hat über die Jahre so viele liebe Menschen kennengelernt.“ Sandra Rosi Hufnagel auf Facebook

„Ansonsten ist die Markthalle stets voll und alle freuen sich! Es musst doch nicht alles immer geändert und verschlimmbessert werden... Meine Meinung: lasst sie so, wie sie ist!“ Christian Andritzky auf Facebook

„Die Markthalle wird doch gut angenommen, also warum etwas ändern?“ Jay Schulz auf Facebook

„Dumm ist nur, dass auf Dauer lediglich die Schickimicki-Orte Zukunft haben. Die bodenständigen nicht. Zumal der Begriff auch nur eine Umschreibung für Drittklassigkeit ist. Klar, das gefällt vielen Leuten hier in der Stadt. Bedeutet es doch, dass man sich nicht so anstrengen muss. Über die ersten 60 Jahre der Bundesrepublik war das auch ein ganz akzeptables Geschäftsmodell. Aber jetzt, wo Deutschland insgesamt auf dem absteigendem Ast ist, wird das nicht mehr reichen.“ Lutz Jansen auf Facebook

Markthalle kein Schickimicki ?!? Häää?“ Jörg Hottenrott auf Facebook

Markthallen waren niemals Tempel der gehobenen ,Esskultur’ sondern ein Ort, wo man MENSCH sein kann und darf.“ WalterSchlotterbeck auf Twitter

„Die Halle bleibt wie sie ist, ich (wir) wollen keine andere.“ Jochen Kubsch auf Facebook

„Von der Galerie sieht es wirklich gruselig auf den Dächern aus.“ CellyToddy auf Twitter

„Im Vergleich mit den Markthallen in Madrid oder Lissabon ist die Markthalle in Hannover nicht attraktiv genug. Ein moderneres und offenes Konzept wäre wünschenswert, um diesen tollen Ort auch zukünftig attraktiv zu halten.“ Andreas Fischer auf Facebook

„Bodenständigjeit ist zeitlos. So wie mehr Schickimicki sich in die Markthalle etablieren würde, könnte man das Aus voraus sehen.“ Nurten Liela auf Facebook

„Ich finde die Halle viel zu klein und viel zu viel Gastronomie. In Spitzenzeiten kommt man kaum durch geschweige an die Stände. Auch ist die Belüftung mehr als schlecht. Da die Behördenhäuser eh abgerissen und neu überbaut werden sollen, könnte man jetzt Nägel mit Köpfen machen und die gesamte Fläche eine einzige Markthalle bauen, teilweise mehrstöckig überbaut für Wohnungen, Büros, etc. Ganz ohne Schnickschnack. Die alte Halle blieb bestehen und würde mit der neuen Halle verbunden. Und zum Köbelinger Markt könnte man teilweise Außenbewirtschaftung machen.“ Gunther Falchner auf Facebook

„Komisch wenn die Markthalle doch so schrecklich sei, warm ist das Teil immer voll? Weil es den Leuten so gefällt wie es ist vielleicht?!“ Sven Nilui auf Facebook

Von Michael Zgoll

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