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Aus der Stadt DHL-Mitarbeiter plündert zwei Jahre Pakete
Hannover Aus der Stadt DHL-Mitarbeiter plündert zwei Jahre Pakete
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00:17 26.08.2018
Sven M. (l.) räumte alle Diebstähle freimütig ein. Verteidigt wurde er von Anwalt Bernd Eickelberg . Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Ein Mitarbeiter des DHL-Paketzentrums Anderten ist von einem Schöffengericht am Amtsgericht Hannover wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in 50 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten verurteilt worden. Der 37-jährige Sven M. nahm zwischen Oktober 2015 und September 2017 aus Paketen Gegenstände wie Modelleisenbahn-Zubehör, Schmuck, Parfüm und Briefmarken und bot die entwendeten Dinge großteils auf der Internet-Plattform Ebay zum Verkauf an. Der Erlös lag bei knapp 18.500 Euro, außerdem stahl er ein Mobiltelefon für seinen Sohn im Wert von 900 Euro. Der Familienvater räumte die Taten bereitwillig ein und erklärte: „Ich hätte Zusteller bleiben sollen, da habe ich mir nie etwas zuschulden kommen lassen.“ Der Vorsitzende Richter Björn von Bargen bezeichnete die Tatserie als klassischen Fall von „Gelegenheit macht Diebe“.

Mit Kesselwagen fing alles an

Wie M. vor Gericht erklärte, habe er oft alleine in der Spätschicht des Frachtzentrums gearbeitet. Zunächst hätten ihn aufgerissene Pakete dazu verleitet, Gegenstände herauszunehmen. Es begann mit Kesselwagen von Märklin und Minitrix sowie einem Reisezugwagenset von Fleischmann, auch Tunnelportale oder ein Tütchen Glitzerschnee im Wert von 4,79 Euro reizten den DHL-Innendienstler. Später konzentrierte sich M. auf wertvolle Ringe, Ketten und Münzen, auch Armbanduhren oder Lautsprecher entnahm er den Kartons. Den größten Posten aber stellten Brief- und Paketmarken im Wert von rund 15.700 Euro dar, die sich auf dem Versandwege zu Postfilialen befanden. Im Internet agierte M. unter dem Namen „Sophila“, um das Diebesgut zu verkaufen.

Sven M. flog auf, weil einer der geschädigten Modelleisenbahner von ihm vermisste Gegenstände bei Ebay entdeckte. Daraufhin überprüfte die Polizei alle Aktivitäten des Innendienstlers bei der Verkaufsplattform und stieß auf viele Ungereimtheiten. Der vorab nicht vorbestrafte 37-Jährige räumte bei der ersten Befragung sofort alle Taten ein, lieferte das für seinen Sohn gedachte Handy bei der Polizei ab und gestand später auch Diebstähle, die man ihm nicht hätte nachweisen können. Natürlich habe ihn DHL gefeuert, erklärte M.; seit Anfang dieses Jahres arbeite er als Lkw-Fahrer bei einer Spedition. „Das Ganze tut mir sehr leid, eigentlich bin ich kein Krimineller“, sagte M. vor Gericht. Er habe sich zu den Diebstählen hinreißen lassen, weil er etliche Rechnungen begleichen musste und seiner Familie auch mal einen Urlaub gönnen wollte.

Viel Ärger für Geschädigte

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren, Verteidiger Bernd Eickelberg von anderthalb Jahren. Der Anwalt wies darauf hin, dass sein Mandant nun 18.500 Euro Wertersatz an die Staatsanwaltschaft zurückzahlen müsse und sicher über Jahre gepfändet werde. Geschädigte können ihre Ansprüche bei der Justiz geltend machen und sparen sich damit zivilrechtliche Verfahren.

Richter von Bargen nannte die Diebstähle eine „Riesen-Sauerei“, die den Geschädigten viel Ärger eingebrockt habe. Privatleute und Wirtschaft müssten sich darauf verlassen können, dass Transporte zuverlässig abgewickelt werden; dieses Vertrauen habe M. zerstört. Das Gericht würdigte aber auch das umfassende Geständnis des 37-Jährigen und billigte ihm zu, echte Reue zu empfinden. Weil Verteidiger und Staatsanwaltschaft das Urteil akzeptierten, ist es rechtskräftig.

Von Michael Zgoll

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