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Aus der Stadt Dachdecker im Sturm: „Unfälle haben bei uns besonders schwere Folgen“
Hannover Aus der Stadt Dachdecker im Sturm: „Unfälle haben bei uns besonders schwere Folgen“
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00:20 17.03.2019
Alle Hände voll zu tun: Dachdecker Heintje Weiner. Quelle: Samantha Franson

Was machen Sie da, Herr Weiner?

Ich fahre mit dem Aufzug Tonfalz-Ziegel aufs Dach, damit wir die Doppelhaushälfte hier in Ricklingen neu eindecken können. Früher sahen Dachziegel anders aus, das waren Hohlpfannen mit einer Nase zum Einhängen dran. Diese hier haben zwei Nuten, die ineinander greifen – dann werden sie bei Wind nicht so schnell vom Dach geweht. Wir sichern sie oben aber zusätzlich noch mit Sturmklammern.

In der letzten Zeit war das Wetter oft stürmisch. Haben Dachdecker wie Sie jetzt viel zu tun?

Das kann man wohl sagen. Durch die Böen fallen immer wieder Ziegel von den Dächern oder bleiben oben auf halb Acht hängen. Da haben wir alle Hände voll zu tun. Die Auftragsbücher der meisten Dachdeckerbetriebe sind voll, viele Firmen haben Notdienste für die Sturmschäden eingerichtet. Wenn extremer Wind herrscht, können wir selbst nicht auf die Dächer gehen – dann ist erst mal die Feuerwehr dran. Vorige Woche wurden wir selbst zu Opfern des Sturms: Da ist in der Posthornstraße ein riesiger, abgeknickter Baum auf unseren Transporter gekracht. Totalschaden.

Hat die Zahl der Stürme aus Ihrer Sicht zugenommen?

Ich bin seit mehr als 30 Jahren im Beruf, und ich kann sagen, dass es mehr Wetterextreme gibt als früher. Wenn man immer draußen arbeitet, achtet man ja auf so etwas. Die Hitze im vergangenen Sommer zum Beispiel konnte man kaum aushalten, wenn man mit einem Brenner auf einem Bungalow-Flachdach stand. Und auch Stürme und Starkregen werden häufiger.

So gesehen macht der Klimawandel ihren Job krisenfest ...

Ich sage mal so: Der Herrgott sieht schon zu, dass wir in Lohn und Brot bleiben. Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen, dass der Arbeitsfluss abreißen könnte. Auch abgesehen von Sturmschäden ist die Auftragslage in der Branche ja gut. Es wird viel gebaut, und bei vielen Gebäuden aus der Nachkriegszeit sind jetzt Sanierungen fällig. Wie überall im Handwerk fehlt leider auch bei Dachdeckern der Nachwuchs bei den Fachkräften.

Können Sie den Beruf Dachdecker denn guten Gewissens empfehlen?

Absolut! Ich habe sechs Geschwister, die ihrerseits schon erwachsene Kinder haben – und in unserer großen Familie gibt es fünf Dachdecker. Der Beruf ist ja auch sehr abwechslungsreich. Ständig sieht man andere Baustellen, und jedes Dach ist anders. Langweilig wird es nie. Und Dachdecker sehen die Welt ganz buchstäblich aus einer anderen Perspektive. Mir macht der Beruf jedenfalls noch genauso viel Spaß wie vor 30 Jahren.

Hat sich seither nicht vieles verändert?

Es gibt natürlich technische Neuerungen, zum Beispiel bei der Wärmedämmung. Der Beruf ist anspruchsvoller geworden. Und heute wird viel mehr Wert auf Sicherheit gelegt als früher. Mir selbst ist noch nie etwas passiert, aber erst vor Kurzem hat sich ein Dachdecker an der Vahrenwalder Straße bei einem Sturz schwere Verletzungen zugezogen. Jeder Beruf hat eigene Risiken – und bei uns ist es so, dass Unfälle wegen der großen Höhe oft besonders schwere Folgen haben.

Bald ist Feierabend. Was machen Sie dann?

Heimfahren, Abendbrot essen. Einen Ausgleichssport brauche ich nicht. Die Tonfalz-Ziegel sorgen schon dafür, dass ich körperlich ausgelastet bin.

Interview: Simon Benne

Zur Person

Heintje Weiner ist 50 Jahre alt und arbeitet seit 32 Jahren als Dachdecker. Seit vergangenem Jahr ist der Geselle bei der Firma Friedrich Bedachungen beschäftigt. Weiner ist verheiratet, Vater einer erwachsenen Tochter und lebt in Laatzen-Grasdorf. be

Von Simon Benne

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