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Aus der Stadt 100 Laiendarsteller wirken bei Performance von Marco Canale mit
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Hannover-Döhren/Bothfeld/Alle Stadtteile: 100 Laiendarsteller wirken bei Performance von Marco Canale mit

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18:19 18.08.2019
Großes Theatererlebnis: Rund 100 Hannoveraner haben bei der Performance „Die Geschwindigkeit des Lichts“ in der Aegidienkirche mitgemacht. Quelle: Andreas Etter
Döhren/Bothfeld/Alle Stadtteile

Sie war einer der heimlichen Stars des Theaterformen-Festivals dieses Sommers. Gerlinde Griepenburg-Burow begeisterte in der Performance „Die Geschwindigkeit des Lichts“ in zahlreichen Aufführungen die Zuschauer. Die 75-jährige Laiendarstellerin aus Döhren wirkte nicht zuletzt so authentisch, weil sie ein gutes Stück weit sich selbst gespielt hat – ebenso wie die rund 100 anderen Darsteller, die aus allen Stadtteilen Hannovers stammen. Wie durch ein Kaleidoskop ließ „Die Geschwindigkeit des Lichts“ das Publikum auf die Menschen blicken, die in dieser Stadt leben.

Rund 100 Laiendarsteller melden sich

Der argentinische Theatermacher Marco Canale hatte die Geschichten seiner Akteure – die meisten von ihnen Senioren – zu einem großen Theatererlebnis zusammengefügt. Am Anfang stand ein Aufruf Canales zur Mitarbeit an seinem Stück, und rund 100 Laiendarsteller aus ganz Hannover hatten sich gemeldet.

Krieg, Flucht und Familienbande

Erstaunlich: Canale wies niemanden ab. Er besuchte jeden seiner Darsteller zu Hause, lernte die Familien kennen, ließ sich viel erzählen. Alle Geschichten fanden Eingang in das große, zeitweise verwirrende Gemälde um Krieg, Flucht, Depressionen, Fußball und Familienbande, das in der Aegidienkirche aufgeführt wurde.

Häuser werden zum Schauplatz

Das Stück war zweigeteilt: Bevor alle Zuschauer zum Finale in der Aegidienkirche zusammenkamen, wurden sie zunächst in kleine Gruppen aufgeteilt und lernten Wohnungen und Geschichten der entsprechenden Darsteller kennen. Auch das Haus von Gerlinde Griepenburg-Burow wurde so zum Schauplatz – Ehemann Torsten spielte ebenfalls mit.

Griepenburg-Burow erzählte eine Geschichte vom Schwimmen im Fluss, als sie ein junges Mädchen war: „Ich musste meine ganze Muskelkraft einsetzen, meine ganze Schwimmkunst aufbieten, um in der Mitte zu bleiben. Ich konnte mich auf meinen Körper und meinen Mut verlassen. Ein gutes Gefühl.“

Fiktive Handlung

Diese Zeilen sind authentisch. Die Akteure trugen Episoden zum Thema „Wo ich ganz bei mir war“ vor. Für das anschließende Stück in der Kirche hat Canale dann reale Erlebnisse seines Ensembles in eine fiktive Handlung eingesponnen. So spielte Griepenburg-Burow eine Frau, die nach Russland reist, um die Gebeine ihres Vaters zu finden, der im Zweiten Weltkrieg gefallen war.

„Mein wirklicher Vater war in meiner Familie ein Tabuthema“, erzählt sie den realen Hintergrund. „Er hatte die Familie verlassen, und als Kind habe ich mir immer vorgestellt, mein beliebter Onkel, der mit 27 Jahren im Krieg gefallen war, wäre mein Vater.“ Und wie die Frau im Stück war auch Griepenburg-Burow vor ihrer Pensionierung Lehrerin.

Vom alternden 96-Fan

Überhaupt hat sich der Regisseur stark von zufälligen Begegnungen oder Gesprächen in seinen Entscheidungen leiten lassen. Aus dieser Inspiration heraus hat er sein Ensemble mit viel Fingerspitzengefühl zusammengestellt. Am Bothfelder Hans-Georg Schürmeyer zum Beispiel müssen ihm das Schalkhafte und die Begeisterungsfähigkeit aufgefallen sein. Aus Schürmeyer wurde in der Performance ein alternder 96-Fan. Zuvor hatte er in einer Wohnung in Linden von seinem ersten Chorerlebnis erzählt: „Vielleicht lernst du dort auch eine Frau kennen.“ Das klappte glatt, und mit dieser Frau ist Schürmeyer seit vielen Jahren verheiratet.

Wieso aber gerade Gerlinde Griepenburg-Burow zur tragenden Figur des Stücks wurde, weiß sie selbst nicht so genau. „Vielleicht lag es an einem alten Foto von mir, das sich Marco Canale lange angesehen hatte“, sagt sie. „Das schien ihn sehr beeindruckt zu haben.“

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