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Aus der Stadt Weiter Ärger um Bauruine am Südschnellweg
Hannover Aus der Stadt Weiter Ärger um Bauruine am Südschnellweg
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12:25 28.03.2019
Das Haus Klinkerfuesstraße 1 ist schon seit Jahren unbewohnbar. Quelle: Michael Zgoll
Döhren

Im Sommer 2017 war ein Bericht im Stadt-Anzeiger mit der Überschrift „Bauruine in Döhren steht vor dem Abriss“ erschienen. Anlass war, dass die Stadt dem Eigentümer des abbruchreifen Gebäudes in der Klinkerfuesstraße 1 eine Baugenehmigung zur Errichtung eines Neubaus erteilt hatte. Doch das marode Einfamilienhaus steht immer noch – und wurde in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel wieder einmal zum Thema. Empört berichteten Anlieger in der Einwohnerfragestunde, die Besitzerin des benachbarten Grundstücks – eine betagte Seniorin – werde von dem neuen Eigentümer der Schrottimmobilie massiv unter Druck gesetzt, Teile ihres Grund und Bodens zu veräußern. Dabei könne die alte Dame gar nicht mehr beurteilen, worum es überhaupt gehe.

Illegale Baumfällung

Zu Wort meldete sich in der Sitzung auch eine frühere Besitzerin der Immobilie, die das Haus neben der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule einst gemeinsam mit dem Bruder von ihrem Vater geerbt hatte. 2010 habe sie dort neu bauen wollen, erzählte sie, doch sei ihr vonseiten der Stadt untersagt worden, eine Reihe hoher Bäume zu fällen. Daraufhin habe sie das leerstehende Haus an eine Familie aus Laatzen verkauft, doch mit dieser habe es nur Ärger gegeben. „So mussten wir sechs Monate auf unser Geld warten“, berichtete die Frau. Inzwischen bereue sie es, die Immobilie veräußert zu haben. Die Laatzener Familie habe sich dann – laut anderen Nachbarn im Jahre 2014 – über die Baumschutzsatzung hinweggesetzt und zwischen 30 und 40 Tannen einfach fällen lassen. „Meiner Kenntnis nach haben die Eigentümer dafür auch eine hohe Strafe zahlen müssen“, berichtete die frühere Besitzerin.

Als sich im Winter 2016/17 ein Obdachloser in dem heruntergekommenen Haus einnistete und ein Feuer zum Aufwärmen entfachte, hatten Nachbarn dem Stadt-Anzeiger vor anderthalb Jahren berichtet, sei der Laatzener Familie von der Stadt die Auflage gemacht worden, die Immobilie unbewohnbar zu machen. Daraufhin hätten Handwerker Zwischenwände herausgerissen, die Dachziegel entfernt und die oberen Fenster zerschlagen, sodass Wind und Wetter freien Zugang ins Innere hatten. Inzwischen, so hieß es in der Bezirksratssitzung, sei die Immobilie an einen ganz neuen Eigentümer weiterverkauft worden, der auf dem Grundstück südlich des Südschnellwegs möglicherweise den Bau von Reihenhäusern plane. Dazu aber brauche er zumindest Teile des Nachbargrundstücks – das der mehr als 80 Jahre alten Seniorin gehört. Ein Kontaktbeamter der Polizei versprach, in der Klinkerfuesstraße vorbeizuschauen und dort einmal nach dem Rechten zu sehen.

Kommentar: Ruine mit ungewisser Zukunft

Das hatte Seltenheitswert in einer Bezirksratssitzung: Eine Zuhörerin meldete sich zu einem Tagesordnungspunkt zu Wort, der sich um eine skandalumwitterte Immobilie in Döhren drehte, und steuerte Informationen aus erster Hand bei – weil sie vor Jahren Vorbesitzerin der Ruine an der Klinkerfuesstraße war. So erfuhren Politiker aus Döhren-Wülfel, Vertreter der Stadt und die übrigen Besucher der Veranstaltung im Freizeitheim, warum sich dieses Einfamilienhaus in einem derart beklagenswerten Zustand befindet, dass es zeitweilig schon als Abenteuerspielplatz genutzt wurde – die Wasserstadt Limmer im Westentaschenformat lässt grüßen.

Deutlich wird an diesem Fall von Wohnraumvernichtung einmal mehr, wie wenig Einflussmöglichkeiten eine Kommune hat, Eigentümer zum Handeln zu bewegen. Zwar kann und muss die Stadt überprüfen, ob eine Immobilie so heruntergekommen ist, dass Gefahr für Leib und Leben droht. Das hat sie bei den beiden Mietshäusern an der Döhrener Querstraße getan, die aufgrund ihres desolaten Zustands nahezu leer stehen, das hat sie bei dem Häuschen an der Klinkerfuesstraße getan, indem sie anordnete, das Bauwerk unbewohnbar zu machen. Doch einen Eigentümer zwingen, seine Immobilie zu sanieren und dem Wohnungsmarkt wieder zur Verfügung zu stellen oder auf seinem Grundstück einen Neubau zu errichten, kann die Verwaltung nicht – das ist Privatsache.

Offenbar haben sich an der Klinkerfuesstraße schon ein paar hochfliegende Pläne zerschlagen: etwa von einer Laatzener Familie mit einem gestörten Verhältnis zur hannoverschen Baumschutzsatzung. Nun soll ein anderer Eigner mit rustikalen Methoden versuchen, das Grundstück plus Erweiterungen möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Man darf gespannt sein, ob in absehbarer Zeit in unmittelbarer Nachbarschaft der Dietrich-Bonhoeffer-Schule Baufahrzeuge anrücken – oder ob der Schandfleck den Döhrenern noch weitere Jahre erhalten bleiben wird.

Von Michael Zgoll

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