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Aus der Stadt Kanusportler wehren sich gegen Fahrverbot auf der Leine
Hannover Aus der Stadt

Hannover-Döhren-Wülfel: Kanusportler wehren sich gegen Fahrverbot auf der Leine

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08:30 30.08.2019
Bei Kanuwanderern ist die Leine sehr beliebt. Quelle: Daniel Junker
Döhren-Wülfel

Die Einschränkungen, die Wassersportlern aufgrund der von der Region Hannover geplanten Neuausweisung eines Naturschutzgebiets (NSG) zwischen Hannover und Ruthe drohen, haben in der vergangenen Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel hohe Wellen geschlagen. Sollten die Pläne in der ursprünglichen Form umgesetzt werden, so Kai Rohland vom Paddelklub Niedersachsen (PKN), sei aufgrund eines ganzjährigen Befahrungsverbots der Leine zwischen Koldingen und Ruthe generell keine durchgehende Passage für Wassersportler Richtung Süden mehr möglich. „Das geht gar nicht.“ Die Bezirksratspolitiker billigten einmütig eine Stellungnahme der Stadt Hannover, die sich in Teilen sehr kritisch mit den Regionsplänen auseinandersetzt.

Schutz von Tieren und Pflanzen

Das Flora-Fauna-Habitat südlich von Hannover soll unter verstärkten Schutz gestellt werden, um die Lebensbedingungen für Wasser- und Wiesenvögel, Fledermäuse, Frösche und einzelne Käferarten zu verbessern. Auch will man den Erhalt von Flut- und Magerrasen, Schilf, Röhricht sowie Eichen und Hainbuchen gewährleisten. Ursächlich für die Pläne sind Maßgaben der Europäischen Union, die von ihren Mitgliedsstaaten die Ausweisung solcher Schutzgebiete fordert.

Das Jugendgästehaus soll nach dem Willen der Stadt aus dem Naturschutzgebiet herausgenommen werden. Quelle: Michael Zgoll

Die Region hatte die Stadt Hannover im Juni über die beabsichtigte Neuausweisung des NSG informiert, die Frist zur Einreichung einer Stellungnahme läuft am 16. September ab. Neben der Leine-Vollsperrung im Bereich Koldingen-Ruthe soll für den Streckenabschnitt zwischen der Wilkenburger Straße und der Brücke der Bundesstraße 443 in Rethen ein temporäres Fahrverbot gelten: jeweils in der Brut- und Aufzuchtzeit zwischen dem 1. Januar und dem 14. Juli.

Ausgewiesene Sportflächen

Grundsätzlich, so der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün, begrüße man die Ausweisung des neuen Naturschutzgebiets. Doch müsse die Region an einigen Stellen nachbessern. Klarzustellen sei beispielsweise, dass das Gelände von Jugendgästehaus und Paddelklub Niedersachsen an der Wilkenburger Straße nicht zum NSG gehören könne, da es laut Flächennutzungsplan als Sportfläche ausgewiesen ist. Außerdem gibt es Zufahrten, die als Verkehrsflächen gelten.

Diesen Teich nahe der Wilkenburger Straße hat die Stadt an Sportangler verpachtet - und möchte es auch dabei belassen. Quelle: Michael Zgoll

Südlich der Wilkenburger Straße existieren zwei Teiche, die der Stadt Hannover gehören und an den Sportangler-Verein verpachtet sind. Würde man diese Teiche in das NSG einbeziehen, beinhaltete dies nach Auffassung der Verwaltung einen Eingriff in die bestehenden Pachtverhältnisse, denn damit müsste man das Sportangeln an diesen Gewässern verbieten. Die Stadt äußert in der Stellungnahme ihr Unverständnis, dass einige Angelteiche in der Region aus dem Schutzgebiet herausgenommen wurden und andere – wie die zwei städtischen Gewässer in Wülfel – nicht.

Stadt sieht Existenzbedrohung

Deutliche Kritik übt der Fachbereich Umwelt auch an der geplanten Sperrung bzw. Teilsperrung der Leine für Kanuten. Aufgrund der geplanten Verordnung würden „nicht nur der informelle Wassersport und Wassertourismus, sondern insbesondere die sportlichen Nutzungsmöglichkeiten der ansässigen Wassersportvereine massiv eingeschränkt“. Eine derartige Existenzbedrohung der Vereine sei „nicht tolerierbar“, dies sehe der Stadtsportbund genauso. Als „bewegungsfreundliche“ Landeshauptstadt gelte es, solche innerstädtischen Sport- und Erholungsräume für die Einwohner zu erhalten. Vereinsmitglieder des Paddelklubs und Besucher des Jugendgästehauses müssten die Leine sowie die zugehörigen Uferbereiche zum Einsetzen kleiner Wasserfahrzeuge daher weiterhin ganzjährig nutzen dürfen.

Das Areal des Paddelklubs Niedersachsen ist nahe der Wilkenburger Straße zu finden. Quelle: Michael Zgoll

Dem Vernehmen nach wären von Fahrverboten auf der Leine sechs hannoversche Vereine betroffen, darunter etwa der Hannoversche Kanu-Club oder der Döhrener Paddel-Klub Hannover – allerdings nicht in gleichem Maße wie der Paddelklub Niedersachsen aus Wülfel, dessen Areal direkt im geplanten Naturschutzgebiet liegt. „Der Boots-Club Laatzen könnte aber dichtmachen, wenn die Pläne so umgesetzt werden“, sagte PKN-Vorstandsmitglied Kai Rohland.

Angler können stören

Rohland wies darauf hin, dass in Vereinen organisierte Kanuten generell sehr pfleglich mit der Natur umgehen. Sie würden nicht – wie manche Touristen – in geschützte Uferzonen hineinfahren, würden die an der Leine lebenden Tiere in Ruhe lassen und sich regelmäßig an Müllsammelaktionen beteiligen. Störenfriede seien eher Angler, die Uferböschungen niedertrampeln und – wenn sie nächtelang an der Leine sitzen – das Leben der Vogelwelt viel stärker beeinträchtigen würden als verantwortungsbewusste Kanuwanderer.

Am Ufer der Leine südlich der Wilkenburger Straße trifft man an vielen Stellen auf Angler. Quelle: Michael Zgoll

Nach Auskunft von Bezirksratsbetreuerin Gundula Ohlhorst will die Region die Frist bis zum 15. September und den Eingang aller Stellungnahmen abwarten, bis sie Gespräche mit den Betroffenen führt. Nach einem Treffen von Landes-Kanuverband und mehreren betroffenen Clubs am 21. August hatte es allerdings geheißen, dass es bereits in der ersten Septemberwoche eine Unterredung mit der Leiterin des Fachbereichs Umwelt der Region geben soll.

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