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Hannover-Döhren-Wülfel: Mehr Sicherheit durch Rundum-Grün-Ampeln?

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17:44 17.09.2019
Die Verwaltung hat eine Rundum-Grün-Schaltung am Beispiel der Kreuzung von Vahrenwalder Straße, Industrieweg und Kugelfangtrift durchgerechnet. Quelle: Clemens Heidrich
Döhren-Wülfel

Sind Rundum-Grün-Ampelanlagen, die phasenweise für Fußgänger in alle Richtungen gleichzeitig Grün anzeigen, eine Möglichkeit, im Stadtbezirk Döhren-Wülfel die Verkehrssicherheit zu erhöhen? Das wollte der Bezirksrat in Erfahrung bringen, und darum fand in der vergangenen Sitzung des Gremiums eine Anhörung statt, bei der sich mehrere Experten äußerten. Ein Manko war jedoch nach Ansicht einiger Politiker, dass die Stadtverwaltung das Problem der deutlich längeren Wartezeiten mithilfe einer völlig unpassenden Modellkreuzung verdeutlichte: dem viel befahrenen, mehrspurigen Schnittpunkt von Vahrenwalder Straße, Industrieweg und Kugelfangtrift.

Radfahrer in der Schwebe

Zu Beginn skizzierte Dirk Hillbrecht vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) die Funktionsweise einer Rundum-Grün-Ampelanlage: Zunächst haben Autos in Nord-Süd-Richtung freie Fahrt, dann Autos in Ost-West-Richtung und in einem dritten Block Fußgänger in alle Richtungen gleichzeitig. Ob sich Radfahrer jeweils an die Signalisierung für Autos halten müssen oder an die des Fußgängerblocks, gelte es im Einzelfall zu prüfen.

In der niederländischen Stadt Groningen, so Hillbrecht, habe man bereits 30 Kreuzungen so umgebaut, dass Rundum-Grün für Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen gelte. Dort sei ein „unglaubliches Gewusel“ zu beobachten, das aber kaum zu Unfällen führe. „Jeder muss sich beim Überqueren dieser Kreuzungen, auch beim diagonalen, verantwortungsbewusst verhalten. Feste Vorfahrtsregeln gibt es hier nicht.“

Stadtbahn genießt Vorrang

In Hannover existiere eine vergleichbare Ampelschaltung nur vor der Ernst-August-Galerie, sagte der ADFC-Experte, aber dies sei keine vollständige Kreuzung. Wolle man Rundum-Grün-Ampeln an Hauptverkehrsstraßen wie der Hildesheimer Straße einrichten, gebe es wegen der Vorrangschaltung für die Stadtbahn weitergehende Probleme. Die ohnehin schon längeren Wartezeiten für alle Verkehrsteilnehmer würden sich an Kreuzungen mit Schienenverkehr nochmals steigern.

Der ADFC, so Hillbrecht, sehe in Rundum-Grün-Ampelanlagen keine ultimative Lösung, spreche sich aber auch nicht dagegen aus. Es gebe jedoch Maßnahmen, die für Radler sicherheitstechnisch betrachtet mindestens ebenso interessant sein dürften: ein Verschwenken der Radwege vor Kreuzungen nach rechts etwa, damit rechts abbiegende Fahrzeuge dann Radler vor ihrer Windschutzscheibe haben und besser erkennen können. „Man sollte Rundum-Grün in Hannover aber ruhig ausprobieren“, so das Credo des 47-Jährigen.

Fußgänger-Verein sagt Ja

„Wir treten schon seit Jahren für die Schaffung konfliktfreier Kreuzungen mit Rundum-Grün ein“, sagte Krzysztof Mieloch, Ortsgruppensprecher des Fußgänger-Vereins FUSS. Damit könne man die Gefahren für die schwächsten Verkehrsteilnehmer beim Überqueren von Fahrbahnen minimieren. Mieloch wies darauf hin, dass das von Hillbrecht vorgestellte Blockmodell noch variiert werden kann, indem man zwischen die beiden Grünphasen für Autos eine weitere für Fußgänger einbaut. Eine solche Vier-Phasen-Lösung würde die Wartezeiten für den motorisierten Verkehr aber nochmals verlängern.

Eine Modellrechnung anhand der Kreuzung Vahrenwalder Straße/Industrieweg/Kugelfangtrift präsentierte Nicola Lehnhoff, Leiterin des Verkehrsmanagements bei der Stadt Hannover. Die Kreuzung hatte im April 2018, als ein elfjähriger Junge von einem nach rechts abbiegenden Lkw erfasst und tödlich verletzt wurde, für Negativschlagzeilen gesorgt. Vor einigen Monaten wurden die dortigen Radwege in alle Richtungen gut sichtbarmit roter Farbe markiert. „Unsere Berechnungen haben ergeben, dass eine Rundum-Grün-Schaltung eine Einbuße der Leistungsfähigkeit dieser Kreuzung von rund einem Drittel nach sich ziehen würde“, sagte Lehnhoff. Auch die Stadtbahnen müssten dann länger warten, zudem seien negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit zu erwarten. Müssen Fußgänger und Radfahrer lange auf Grün warten, neigen sie dazu, die Fahrbahn bei Rot zu queren.

Weitere Berechnungen gefordert

Bezirksratspolitiker schlugen vor, derartige Berechnungen doch einmal bei deutlich kleineren Kreuzungen in Döhren-Wülfel anzustellen, etwa am Schnittpunkt von Mainzer Straße/Wolfstraße/Adolf-Ey-Straße in Waldhausen oder an der Kreuzung Am Mittelfelde/Karlsruher Straße/Beuthener Straße in Mittelfeld. Nicola Lehnhoff wies darauf hin, dass der Verwaltung kein spezieller Prüfauftrag für Döhren-Wülfel vorgelegen habe – doch sei eine solche Berechnung durchaus möglich.

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Von Michael Zgoll

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