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Aus der Stadt Drogen- und Gewaltproblem: Polizei Hannover verstärkt Präsenz am Steintor
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Hannover: Drogen- und Gewaltproblem: Polizei verstärkt Präsenz am Steintor

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00:19 28.06.2019
Die Polizei bezeichnet das Steintorviertel und den Marstall seit Jahren als Kriminalitätsschwerpunkt. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Die Polizei Hannover reagiert auf die anhaltenden Drogen- und Gewaltprobleme am Steintor und Marstall: Künftig sind mehr Beamte im Einsatz, um die Sicherheit zu erhöhen. Vor allem zwischen Mittwoch und Sonnabend soll die Präsenz in den Abend- und Nachtstunden deutlich gesteigert werden. „Wir werden mehr Personal auf die Straße bringen, um an Schwerpunkten präsenter zu sein“, sagt Polizeivizepräsident Jörg Müller. Wie auch schon am Hauptbahnhof soll zudem eine Kontrollzone eingerichtet werden.

Betroffen sind der neu gestaltete Marstall, der Steintorplatz und das Wohngebiet an der Kreuzkirche. Die zusätzlichen Beamten sollen in den regulären Streifendienst integriert werden, so dass im Schnitt jeweils „mindestens ein Streifenwagen mehr auf die Straße geschickt werden kann“, sagt Cord Stünkel, Einsatzleiter der Polizeiinspektion Mitte. Vorerst ist die Verstärkung auf die drei Sommermonate angelegt. In der neuen Kontrollzone, die bis zum Ballhof reicht, dürfen die Polizisten zudem anlasslos Personen kontrollieren. Ein Verbot gefährlicher Gegenstände wie am Hauptbahnhof ist derzeit aber nicht geplant. Anhand der gewonnenen Erfahrungen soll das weitere Vorgehen über den September hinaus geprüft werden.

Reaktion auf Drogen- und Gewaltproblem

Laut Polizei sind Steintor und Marstall seit Jahren ein Kriminalitätsschwerpunkt. 2018 gab es dort 454 Rauschgiftdelikte – ein Plus von 75 Taten im Vergleich zum Vorjahr. Unter anderem albanische und afrikanische Drogenbanden verkaufen am Steintor Kokain und Marihuana. Deshalb finden beispielsweise vor allem in Partynächten und vor langen Wochenenden gezielte Drogenrazzien statt. Auch Körperverletzungen nahmen 2018 um 130 Taten auf 782 zu.

Auch seitens der Stadt wird das Quartier als Problemviertel angesehen. Einer Kneipe am Marstall droht wegen wiederholter Lärmbelästigung die Schließung. Seit September gehen Ordnungsdienst und Ermittler abends gemeinsam auf Streife. Die nun gesteigerte Polizeipräsenz soll laut Stünkel weiter dazu beitragen, „dass sich die Bürger zu jeder Zeit in ihrem Quartier sicher fühlen können“. Eine richtige Polizeistation am Steintor sei allerdings nicht geplant, dies würde Personal binden und die Mobilität einschränken.

Öffentliche Toilette als Bordell genutzt

In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Mitte wurden dagegen zwei ähnlich lautende Anträge von CDU und SPD zur Einrichtung einer Polizeiwache jeweils mit großer Mehrheit verabschiedet. Die Stadt solle mit dem Innenministerium Kontakt aufnehmen, um solch eine dringend erforderliche Station auf den Weg zu bringen. 2013 wurde die feste Wache am Steintor geschlossen.

Anwohner präsentierten den Politikern zum wiederholten Male etliche Beispiele von Belästigungen. Die Bürgerinitiative garnierte ihre Ausführungen mit 80 teilweise sehr drastischen Fotos – darunter Falschparker, auf Hochbeeten schlafende Obdachlose, Drogensüchtige in vermüllten Ecken oder Männer und Frauen, die ihre Notdurft am Straßenrand verrichten. Das Toilettenhäuschen am Marstall sei zudem zu einem Bordell geworden. Die Musik aus den Lautsprechern einiger Bars würden die Anwohner ständig um den Schlaf bringen und Autoposer mit ihren aufgemotzten Wagen manchmal 20-mal um dem Marstall brausen, um sich wichtig zu machen.

Neues Konzept auch am Hauptbahnhof

Das neue Konzept für das Steintor ist laut Polizeipräsident Volker Kluwe Teil der im März verkündeten Umstrukturierung der gesamten Direktion. Damals hatte er darauf hingewiesen, das subjektive Sicherheitsempfinden der Hannoveraner stärker in den Fokus zu rücken. Durch die neuen Strukturen soll es künftig möglich sein, mehr Präsenz zeigen zu können. Die Behörde habe erkannt, dass die seit Jahren rückläufigen Kriminalitätszahlen in der Landeshauptstadt allein nicht zum gesteigerten Sicherheitsgefühl beitragen.

Vor zwei Wochen haben Polizei, Ordnungsdienst, Bahn-Sicherheit sowie Protec bereits das neue Konzept „Bahnhof.sicher“ für den Hauptbahnhof ins Leben gerufen. 2018 ereignen sich dort und am Raschplatz insgesamt 3000 Straftaten. Die Institutionen gehen ab sofort gemeinsam Streife und treffen einheitliche Maßnahmen gegen Mitglieder der dortigen Drogen- sowie Trinkerszene. Gleichzeitig gibt es dort Hannovers erste Kontrollzone, in der Personen anlasslos überprüft werden dürfen. Darüber hinaus plant die Stadt in dem Bereich eine Allgemeinverfügung, die das Tragen von gefährlichen Gegenständen wie Baseballschlägern verbietet.

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Von Peer Hellerling und Michael Zgoll

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