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Aus der Stadt Ein Zoobesuch gegen Heimweh
Hannover Aus der Stadt Ein Zoobesuch gegen Heimweh
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06:00 20.12.2018
Fröhlich frösteln: dIe GOP-Artisten der "Vietnam Circus Federation" im Zoo. Quelle: Lam Nguyen Tien
Hannover

Ben hat Spaß. Es ist ziemlich kalt, aber der Fünfjährige hüpft fröhlich auf dem fahrenden Kinderkarussell im Mullewapp herum. Das Polizeimotorrad hat sogar eine Hupe, was alle Umstehenden dauerhaft zu hören bekommen. In solchen Momenten, sagt Bens Mutter Ngoc Anh Nguyen, gehe es ihm und den anderen Kindern gut. Nur in Momenten, in denen mal nichts passiere, hätten sie ein bisschen Heimweh. Nach Hanoi.

Ben und seine Mutter gehören zur Artistentruppe der Vietnam Circus Federation aus der Hauptstadt des südostasiatischen Landes, die das GOP für sein diesjähriges Wintervarieté engagiert hat. 13 Künstler, drei Kinder plus zwei in Frankreich lebende Landsleute, die zusammen mit GOP-Regisseur Knut Gminder die Show „Song Trang“ konzipiert haben. Seit anderthalb Monaten sind sie nun in Hannover und wohnen alle zusammen in einem Jugendgästehaus an der Wilkenburger Straße in Wülfel. Auch dies eine wichtige Maßnahme gegen Heimweh. „Wir verbringen viel Zeit gemeinsam, wir kochen und essen zusammen, das ist uns wichtig“, sagt Nguyen. Mittlerweile hat sich das Gastspiel bei in Hannover lebenden Landsleuten herumgesprochen. „Die Menschen kommen in die Show, bringen Essen mit, laden uns sogar nach Hause ein, um für uns zu kochen, oder sie zeigen uns die Stadt.“

Ein Besuch im Zoo oder auf dem Weihnachtsmarkt ist eine schöne Ablenkung zum Artistenalltag zwischen Wohnheim und ihrem Spielort, der Orangerie in Herrenhausen. Bis zum 13. Januar spielen sie noch hier, doch ihre Reise fängt gerade erst an. Die Produktion tourt anschließend durch das gesamte GOP-Universum, als nächstes nach Essen, dann Bad Oeynhausen und Bremen. Im Juli fährt die gesamte Mannschaft für zehn Tage nach Hause, danach geht es bis zum Frühjahr 2020 weiter in München, Bonn und Münster. Die spärliche Zeit in der Heimat werden die meisten im Kreise der Familie verbringen, „der anderen Familie. Dies hier ist auch eine Familie. Wir gehören alle zu diesem Zirkus, seit wir zehn Jahre alt sind“, sagt die Antipoden-Artistin.

Im herbstwinterlichen Hannover mussten sie sich erst an die Temperaturen gewöhnen. Mit der deutschen Mentalität haben sie hingegen weniger Schwierigkeiten. „In Vietnam hat man uns erzählt: Die Deutschen arbeiten wie Maschinen und sind irgendwie anstrengend“, sagt Strapatenkünstler Van Thai Nguyen, „aber schon der erste Eindruck war ganz anders. Dafür sind wir sehr dankbar.“ Allgemeine Verwunderung herrsche dagegen über die deutsche Gepflogenheit, sich nicht vorzeitig zum Geburtstag zu gratulieren, weil es Unglück bringe. „Bei uns ist es umgekehrt. Es zeigt, dass man aufmerksam ist.“ Und was werden sie aus Deutschland mitnehmen? Ngoc Anh Nguyen hat schon was gefunden: „Ein hölzernes Lesezeichen. Das finde ich toll!“

Karten und Infos zu „Song Trang“ gibt es unter variete.de.

Von Uwe Janssen

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