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Aus der Stadt Fenster-Streit in Hannover: Erbe klagt gegen Marktkirchengemeinde
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Hannover: Erbe klagt im Fenster-Streit gegen Marktkirchengemeinde

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16:37 25.07.2019
Umstritten: Das für die Marktkirche geplante Fenster zeigt auch fünf große Fliegen. Quelle: Moritz Frankenberg/Simon Benne (Montage)
Hannover

Der Streit um das geplante Buntglasfenster für die Marktkirche spitzt sich zu. Georg Bissen, der Stiefsohn und Urheberrechtserbe des Nachkriegsarchitekten Dieter Oesterlen, hat jetzt Klage gegen den rund 13 Meter hohen Fensterentwurf des Künstlers Markus Lüpertz eingereicht. Das bestätigte das Landgericht Hannover der HAZ. Bissen will die Installation des viel diskutierten Reformationsfensters verhindern, das neben einer stilisierten Luther-Figur auch fünf übergroße Fliegen zeigt.

Die Marktkirchengemeinde hat die Berliner Anwaltskanzlei Boehmert & Boehmert damit beauftragt, ihre Interessen zu vertreten. Diese ist unter anderem auf Urheberrechtsfragen spezialisiert. Sie wartet nun auf die Zustellung der Anklageschrift, um dazu Stellung nehmen zu können. Wann es dann zu einem Verhandlungstermin vor dem Landgericht kommt, ist noch offen.

Altkanzler als Sponsor

Der Marktkirchenvorstand hatte im März beschlossen, das Fenster trotz der juristischen Zwistigkeiten einbauen zu lassen. Altbundeskanzler Gerhard Schröder will das rund 150.000 Euro teure Kunstwerk der Gemeinde schenken. 

„Wir sehen der Verhandlung optimistisch entgegen“, sagt Reinhard Scheibe, der Vorsitzende des Marktkirchenvorstands. Bissens Argumentation, Schröder habe der Gemeinde das Kunstwerk gleichsam aufgeschwatzt, sei leicht zu widerlegen. Der Altkanzler habe anfangs eher eine Skulptur im Sinn gehabt, erst in gemeinsamen Gesprächen habe sich dann die Idee zu dem Fenster herauskristallisiert: „Diese war aber von der Gemeinde ausgegangen“, sagt Scheibe. Schröder gilt als persönlicher Freund des 78-jährigen Malerstars Lüpertz.

Zerstört das geplante Buntglasfenster das Raumkonzept der Marktkirche? Der Urheberrechtserbe des Nachkriegsarchitekten hat jetzt Klage gegen die Kirchengemeinde eingereicht. Er will den Einbau des Fensters verhindern.

Der in Tokio lebende Rechtsanwalt Georg Bissen beruft sich außerdem darauf, dass das Buntglasfenster die Konzeption des Kirchenraums zerstöre, den sein Stiefvater beim Wiederaufbau nach dem Krieg bewusst schlicht gehalten habe. Auch diesen Einwand will Scheibe nicht gelten lassen. Schließlich sei auch über dem Portal ein Buntglasfenster eingebaut worden: „Und zwar mit Zustimmung Oesterlens.“

Marktkirchenpastorin: „Eine große kulturelle Attraktion“

Der Stadtkirchenverband hatte der Marktkirchengemeinde in dem Streit den Rücken gestärkt und zugesagt, sich an den Kosten eines Rechtsstreits zu beteiligen. Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann verteidigte in den teils vehement geführten Diskussionen die Installation des Fensters als „Jahrhundertprojekt“. Auch Reinhard Scheibe zählt zu den Fürsprechern des Kunstwerks: „Ich denke, dass dieses Fenster eine von Hannovers großen kulturellen Attraktionen sein wird.“

Künstler Markus Lüpertz hatte sich „begeistert“ vom Verhalten der Marktkirchengemeinde gezeigt. „Es ist gut, wenn die Kirche sich hinter meine Arbeit und hinter das Kunstwerk stellt“, sagte er im März der HAZ. Darin liege auch ein Signal gegen die Unterdrückung der Kunst.

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Von Simon Benne

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