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Aus der Stadt Geplatzter Marienburg-Deal: Was wird nun aus dem Welfenschloss?
Hannover Aus der Stadt Geplatzter Marienburg-Deal: Was wird nun aus dem Welfenschloss?
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00:17 07.03.2019
Nächtlicher Blick durch einen Wald auf das Schloss Marienburg. Quelle: Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Der Verkauf der Marienburg an das Land Niedersachsen ist vorerst gescheitert. Wie geht es nun weiter mit dem Schloss der Welfen? Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Fall.

 Was wird nun aus dem Plan des Landes, die Marienburg für einen Euro zu übernehmen?

Dieser ist definitiv gescheitert. Ernst August Erbprinz von Hannover sagt, er habe sich „nach reiflicher Überlegung dazu entschieden, so lange Eigentümer der Marienburg zu bleiben, bis eine für alle Parteien rechtssichere und gangbare, abschließende Lösung umsetzreif ist“. Bislang wollte er das Schloss abstoßen, da dessen Unterhalt seine finanziellen Mittel weit übersteige.

Warum der Sinneswandel?

Der Vater des Erbprinzen, Ernst August senior, hatte den Plan torpediert und behauptet, der Junior sei nicht berechtigt, die Burg zu veräußern. Nach einem Rechtsgutachten, das Peter Götz von Olenhusen verfasst hat, der frühere Präsident des Oberlandesgerichts Celle, ist der Erbprinz zwar der rechtmäßige Eigentümer der Marienburg. Allerdings enthalte sein rechtlicher Status als „befreiter Vorerbe“ auch einige Beschränkungen, die einen vorzeitigen Verkauf des Schlosses berühren – unter anderem sei es problematisch, dieses zum Preis von einem Euro zu veräußern. Die Einwände seines Vaters entbehrten jeder Grundlage, sagt der Sohn noch immer, sie dürften aber „zeitnahen Schritten zum Erhalt der Marienburg und ihrer Arbeitsplätze nicht im Wege stehen“.

Was ist der neue Plan für das Schloss?

„Es ist jetzt das Ziel, Schloss und Inventar so bald wie möglich in eine gemeinnützige Stiftung zu überführen“, sagt Ernst August junior. Er stehe dazu in engem Austausch mit der Landesregierung: Der Plan, eine Tochter der Klosterkammer als Käufer zu installieren, ist damit vom Tisch: „Ein Erwerb der Marienburg durch die Liemak GmbH ist nicht länger erforderlich für eine Zukunftslösung“, sagt Ernst August junior jetzt.

Warum ist auch das Land vom Kauf der Burg durch die Grundstücksgesellschaft der Klosterkammer abgerückt?

Offiiziell gaben sowohl Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) als auch Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) die rechtlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Welfenfamilie als Grund dafür an. Doch beiden ist nicht der Unmut entgangen, den der geplante Deal sowohl in den Reihen von SPD- und CDU-Landtagsfraktion ausgelöst hatte. So bot der Protestbrief, den Ernst August Senior an die Staatskanzlei schrieb, eine gute Gelegenheit, das Geschäft auf Eis zu legen.

Was sagt Ernst August senior zu den neuen Plänen?

Eine Anfrage der HAZ an seine Anwälte werde „derzeit geprüft“, heißt es.

Wie soll die neue Stiftung konstruiert sein?

Wie das Wissenschaftsministerium mitteilt, wird Ernst August junior den Vorsitz der Stiftung übernehmen. Er will in diese auch rund 1700 Kunstwerke des Schlosses im Wert von etwa 6 Millionen Euro einbringen. Die Welfen behalten auf der Marienburg also einen Fuß in der Tür. Bereits im November war mitgeteilt worden, dass auch das Land im Stiftungsrat vertreten sein soll. Das Wissenschaftsministerium erklärte gestern, dass für die Ausstattung der Stiftung mit Kapital kein Geld aus dem Haushalt verwendet werde.

Was will die Landesregierung mit der Stiftungslösung erreichen?

Minister Thümler erklärte am Montag in einer Sitzung des Wissenschaftsausschusses, das Land halte am Ziel fest, die Burg als nationales Kulturdenkmal für die Öffentlichkeit zu erhalten. Sie sei ein kulturelles Highlight in Niedersachsen, eine „Höhenburg vom Range Neuschwansteins“. Die Kunstschätze, die dort gezeigt werden, blieben bei der gefundenen Lösung am angestammten Ort erhalten.

Wie reagiert die Politik auf die neuen Pläne?

Vertreter der Regierungskoalition zeigten sich zufrieden. „Ich bin sehr froh, dass wir jetzt einen Schritt weiter sind“, sagte Wissenschaftssprecher Jörg Hillmer. Er wie auch SPD-Kollegin Silke Lesemann unterstrichen, dass es sich bei der Burg um ein erhaltenswertes Denkmal handele. Lesemann erklärte, sie sei froh, dass sich kurzfristig eine Lösung zum Erhalt der Burg ergebe. Die FDP-Abgeordnete Susanne Schütz bezeichnete Lösung als einen „Silberstreif am Horizont“. Ob der Zukunftsplan tragfähig sei, müsse sich zeigen. Die Grüne Eva Viehoff hingegen sagt, es gebe überhaupt keinen Grund, warum der Staat den Eigentümer der Burg von seiner Pflicht freistellen solle, das Denkmal zu erhalten. Ernst August könne Zuschüsse beantragen, wenn er sich wirtschaftlich überfordert sehe.

Wer bezahlt die fällige Sanierung der Marienburg?

Bund und Land haben dafür insgesamt 27 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Das Geld steht unabhängig von den Besitzverhältnissen zur Verfügung; es war also nicht an einen Eigentümerwechsel gebunden.

Bekommt das Landesmuseum, wie geplant, Kunstwerke für 2 Millionen Euro aus Welfenbesitz?

Es geht dabei um 143 Objekte, insbesondere Gemälde, von der Marienburg. Ernst August junior will sie für 2 Millionen Euro verkaufen, sie sollen aber auf dem Schloss bleiben und dort vom Landesmuseum Hannover restauratorisch betreut werden. Allerdings stockt das Vorhaben. Denn um diese zu kaufen, müssen Geldgeber gefunden werden. Vor allem die Kulturstiftung der Länder ist im Gespräch. „Der Kauf ist aber erst möglich, wenn zweifelsfrei geklärt ist, wem die Objekte gehören - dem Vater oder dem Sohn“, sagt Museumsdirektorin Katja Lembke. Es gibt bei den Kunstwerken also ähnliche Probleme wie bei der Burg selbst.

Wer soll die Burg künftig betreiben?

Wie Ernst August junior am Montag erklärte, soll den Betrieb von Gastronomie, Veranstaltungen und Führungen so schnell wie möglich die Schloss Marienburg GmbH übernehmen. Diese gehört den Gastronomen Carl Graf von Hardenberg und Nicolaus von Schöning. „Die Gespräche für den Betriebsübergang laufen derzeit“, sagt Ernst August. Damit würden auch die rund 60 Arbeitsplätze auf dem Schloss gesichert.

Lesen Sie auch: Kommentar zur Marienburg: Die Welfen bleiben in der Pflicht

Von Simon Benne und Michael B. Berger

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