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Aus der Stadt Fehlende Rettungsgasse kostet wertvolle Minuten
Hannover Aus der Stadt Fehlende Rettungsgasse kostet wertvolle Minuten
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00:18 23.11.2018
So ist es richtig: Bereits vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte haben Autofahrer eine Rettungsgasse gebildet.
So ist es richtig: Bereits vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte haben Autofahrer eine Rettungsgasse gebildet. Quelle: dpa
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Hannover/Berlin

Es sind erschreckende Zahlen, die das Deutsche Rote Kreuz (DRK) präsentiert: In 80 Prozent aller Einsätze verlieren Rettungskräfte wertvolle Minuten, weil die Rettungsgasse nicht ordentlich gebildet wird. Für die Analyse wurden die Antworten von 96 DRK-Rettungsmannschaften aus sechs Bundesländern ausgewertet, darunter auch Niedersachsen. „Diese Zahlen sind erschreckend“, sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt unter der Woche in Berlin. „Gerade, wenn es um Menschenleben geht, zählt jede Sekunde.“

Im Raum Hannover teilen die Einsatzkräfte die Zahlen aus der Studie. „Die 80 Prozent klingen nicht unwahrscheinlich“, sagt etwa Stephan Keil, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Lehrte. Die Ehrenamtler sind häufig bei schweren Unfällen auf der Autobahn 2 im Einsatz, immer wieder stecken sie im Stau fest. Autofahrer seien dabei genauso nachlässig wie Lkw-Fahrer. „Diese Minuten sind für uns die anstrengendsten, weil wir noch nicht wissen, wie es am Einsatzort aussieht“, so Keil.

Problem vor allem auf Autobahnen

Gleiches Bild bei der Berufsfeuerwehr Hannover: Bei „mehr als der Hälfte“ der Einsätze gebe es laut Sprecher Jan Feichtenschlager Probleme mit der Rettungsgasse. Hauptsächlich steckten die Retter auf den Autobahnen fest, im Stadtgebiet sei das Problem nicht so schwerwiegend. „Dort haben wir immer die Möglichkeit, aus mehreren Richtungen anzurücken“, sagt Feichtenschlager. Meist geben die zuerst am Unfallort eintreffenden Einheiten eine Rückmeldung, wie die Verkehrslage ist. Dementsprechend könne reagiert werden.

Laut DRK-Studie gibt es nur in unter 16 Prozent der Einsätze bereits von Beginn an eine Rettungsgasse, in 35 Prozent immerhin beim Vorrücken der Rettungskräfte. „Der durchschnittliche Zeitverlust bei diesen Einsätzen wurde auf bis zu fünf Minuten geschätzt“, sagt DRK-Bundesarzt Peter Sefrin. Immerhin berichten sowohl Keil als auch Feichtenschlager, dass die Autofahrer in der Region in den vergangenen Jahren etwas besser geworden sind: „Die Aufklärungskampagnen zeigen ein wenig Wirkung“, sagt Keil. Früher musste er durchaus häufiger mehrere Hundert Meter zu Fuß weitersprinten, während seine Kameraden in der blockierten Rettungsgasse festhingen.

Strafe: Bis zu ein Monat Fahrverbot

Unter anderem das zu späte Erkennen der Situation, aber auch „Egoismus des schnelleren, persönlichen Vorwärtskommens“ sind laut Polizeisprecherin Martina Stern Gründe für blockierte Rettungsgassen. Das Ahnden für das Nichtbilden bewegt sich zwischen Geldbußen von bis zu 320 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot. Häufig ignorieren laut Polizei Autofahrer die Vorgaben, doch gerade auf dreispurigen Autobahnen wie der A 2 erschweren auch Lkw auf der mittleren Fahrspur das Vorankommen der Einsatzkräfte.

Radiodurchsagen, Hinweisbanner an Brücken oder persönliche Ansprachen haben aber auch laut Polizei zu einer Verbesserung der Situation beigetragen. „Die Problematik ist allerdings nicht behoben“, sagt Stern. Laut Hannovers Feuerwehrsprecher Feichtenschlager dürfe man daher „nicht müde werden, immer und immer wieder auf die Rettungsgasse hinzuweisen“.

Von Peer Hellerling