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Aus der Stadt Unfälle mit E-Autos werden für Feuerwehren zur Herausforderung
Hannover Aus der Stadt Unfälle mit E-Autos werden für Feuerwehren zur Herausforderung
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00:19 30.12.2018
Der Unfall mit Beteiligung eines Tesla Model S an Heiligabend war der erste Einsatz für die Feuerwehr Hämelerwald, bei dem sie es mit einem Elektroauto zu tun hatte. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Die zunehmende Zahl an Elektroautos stellt auch die Feuerwehr vor neue Herausforderungen. Die Retter müssen mit den Fahrzeugen anders umgehen als mit Wagen mit Verbrennungsmotoren. Jüngstes Beispiel: Der schwere Unfall auf der A 2 bei Hämelerwald, an dem auch ein Tesla beteiligt gewesen ist. Die Freiwillige Feuerwehr holte sich über die Pannenhotline des Herstellers die benötigen Infos, wie das Auto stromlos geschaltet werden konnte. Auf HAZ-Anfrage bestätigen sowohl die Retter in Hannover als auch im Umland, sich auf die Schwierigkeiten vorzubereiten.

„Die Sache ist nicht ganz ungefährlich“, sagt Regionsbrandmeister Karl-Heinz Mensing. Bei den eingebauten Akkus handle es sich um sogenannte Hochvoltsysteme, durch Unfallschäden oder einen Brand könnten sich die Stromspeicher entzünden. Allerdings lassen sie sich nicht so einfach deaktivieren wie bei herkömmlichen Autos – dort klemmen die Retter lediglich die Batterie ab. „Wir leben von den Informationen auf sogenannten Rettungskarten“, sagt Mensing. Auf dieser Art Bauplan seien alle spezifischen Details festgehalten, die die Helfer brauchen.

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Mehrere Menschen sind bei einem Unfall mit drei Autos auf der A 2 bei Lehrte-Hämelerwald verletzt worden, darunter ein Pärchen schwer. Laut Polizei sollen die Frau und der Mann nicht angeschnallt gewesen sein, ihr Polo wurde 100 Meter weit geschleudert.

Diese Sicherheitshinweise seien laut Mensing unter anderem bei der Regionsleitstelle hinterlegt, dort können die Retter im Ernstfall jederzeit nachfragen. „Wichtig ist, dass man schnellstmöglich an die Informationen kommt“, sagt der Regionsbrandmeister. Oft lasse sich sogar anhand des Nummernschildes der exakte Typ bestimmen, mit dem es die Retter zu tun haben. In Hannover wiederum sind die Einsatzleitwagen laut Sprecher Michael Hintz mit Laptops ausgestattet, auf denen die entsprechenden Rettungskarten in einer Datenbank hinterlegt sind. „An der Einsatzstelle können wir dann schnell darauf zurückgreifen“, sagt er.

Bei dem schweren Unfall auf der A 2 waren an Heiligabend drei Autos zusammengestoßen. Nach derzeitigen Erkenntnissen hatte der Tesla Model S von der mittleren auf die linke Spur wechseln wollen, als von hinten ein deutlich schnellerer Mercedes angefahren kam. Beide Autos kollidierten, im weiteren Verlauf wurde ein VW Polo mit einem Pärchen an Bord gerammt. Die beiden Insassen wurden einklemmt und schwer verletzt. Nach dem Rettungseinsatz untersuchte ein Gutachter die Unfallstelle. Laut Polizei Braunschweig prüfe er auch, ob der Tesla möglicherweise mit eingeschaltetem Autopilot unterwegs war. „Derzeit liegen dafür aber keine Hinweise vor“, sagt Sprecherin Carlin Scherf. Derzeit dürfen die Systeme den Fahrer nur unterstützen, „er bleibt verantwortlich“.

Hannovers Feuerwehrsprecher Hintz bezeichnet die zunehmende Zahl an Elektrofahrzeugen als „Herausforderung“ für die Retter: „Wir passen unsere Vorgehensweisen entsprechend an.“ Die Zusammensetzung der Batterien spiele eine Rolle, ebenso der Ort, an dem sie eingebaut sind – jeder Hersteller gehe anders vor. „Unter anderem ist zu berücksichtigen, welches Löschmittel wir benutzen“, so Hintz. Laut Regionsbrandmeister Mensing versorgen die Autohersteller die Retter von sich aus mit entsprechenden Rettungskarten, die dann im Ernstfall abgerufen werden können. „Auch ihnen ist das Thema Sicherheit sehr wichtig.“

Von Peer Hellerling

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