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Aus der Stadt Lüttje Lage: Schnaufen am frühen Morgen
Hannover Aus der Stadt

Hannover-Glosse Lüttje Lage: Schnaufen am frühen Morgen

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19:00 20.07.2020
Bernd Haase Quelle: HAZ
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Hannover

Zuletzt bin ich einige Male am frühen Morgen durch ein Schnaufen geweckt worden, das durch das offene Fenster ins Schlafzimmer drang. Es übertönte sogar das Palaver der aufgeregten Amseln, die zu den ganz frühen Vögeln zählen und einander vermutlich erzählen, was sie während ihres kurzen Nachtschlafs geträumt haben. Ich war über die Geräusche erfreut, weil ich dachte, dass wieder Igel bei uns wohnen.

Über lange Zeit waren die Igel bei uns Stammgäste. Wir haben sie spätabends ab und an gesehen, wenn sie im Garten herumstöberten und dabei vernehmlich schnüffelten und grunzten, wie es ihre Art ist. Dann jedoch waren sie verschwunden, obwohl wir es ihnen in jedem Herbst gemütlich gemacht und ihnen an einem verborgenen Platz ein Nest für den Winterschlaf bereitet hatten. Nicht einmal mehr ihre Hinterlassenschaften waren auf dem Rasen oder der Terrasse zu entdecken.

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Zwischenzeitlich hatte ich eine Studie gelesen. Forscher sind zu der Auffassung gekommen, dass es unter den Igeln eine Art Landflucht gibt. Es zieht die Stacheltiere demnach aus Dörfern wie unserer Siedlung Twenge in die Städte, weil dort das Nahrungsangebot in Form von weggeworfenen Essensresten größer ist. Ich wollte deshalb auch bei uns welche in den Garten werfen, aber das hat meine Frau verboten.

Wie ich mittlerweile herausgefunden habe, stammt das Schnaufen auch nicht von Igeln. Es sind frühmorgendliche Jogger, die auf der zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend leeren Ortsdurchfahrt unterwegs sind und manchmal schwer atmen. Selbstverständlich gönne ich ihnen das Vergnügen, denn ich freue mich immer, wenn von Straßen noch ein anderer Lärm ausgeht als der von Motoren. Allerdings wären mir Igel doch lieber gewesen.

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Von Bernd Haase