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Aus der Stadt Warum Herr Weimer Tankwart wurde
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Herr Weimer ist als Tankwart einer der letzten seiner Zunft

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19:09 14.07.2019
„Ich mache das hier wie früher“: Martin Thomas Weimer findet beim Dienst an der Zapfsäule noch Zeit für einen Plausch mit seinen Kunden. Quelle: Villegas

Was machen Sie da, Herr Weimer?

Na, ich tanke Ihren Wagen auf. Das gehört zu meinem Beruf. Aber ich bin es schon gewohnt, dass Kunden mich erst einmal komisch angucken. Meist tanken sie heute ja selbst. Als gelernter Tankwart mit dreijähriger Ausbildung bin ich einer der letzten meiner Zunft. Ich mache das hier wie früher, wie in den nostalgischen Werbefilmen, nur dass Tankwarte da noch Uniform und Mütze tragen und einen Lappen am Gürtel hängen haben.

Tankwart Weimer im Einsatz

Sie haben eine dreijährige Tankwart-Ausbildung gemacht? Was lernt man denn da?

Dass das ein richtiger Lehrberuf ist, wissen die wenigsten. Natürlich lernt man in den drei Jahren nicht nur, wie man ein Auto auftankt. Es geht um Sicherheitsvorschriften, um die Politur von Lacken, um kleine Reparaturen, DIN-Normen von Schmierstoffen, Reifenprofile und so weiter. Wussten Sie, dass die Verbrennungstemperatur von Diesel mehrere Hundert Grad höher ist als der Schmelzpunkt von Stahl? Wenn der Motor nicht gekühlt würde, würde er förmlich wegfließen.

Wusste ich nicht. Wollten Sie schon immer Tankwart werden?

Früher wusste ich von Autos nur, dass sie vier Räder haben. Eine kaufmännische Ausbildung habe ich abgebrochen, eine Elektro-Ausbildung auch. Später habe ich dann im Lager und am Fließband gearbeitet. Ein ziemlich bewegtes Berufsleben. Als Pizzafahrer sah ich dann beim Ausliefern an einer Tankstelle einen Aushang: „Lehrling gesucht“. Da wusste ich: Das ist mein Job. Handwerkliches liegt mir, die Ausbildung habe ich mit der Note 2 abgeschlossen. Übrigens: Ihre Bremsleuchte ist defekt. Ich kann das gleich machen, wenn Sie wollen. Sie müssten die Birne drüben im Shop selber kaufen, als selbstständiger Tankwart darf ich damit nicht Handel treiben. Aber ich baue sie Ihnen sofort ein.

Gerne, das machen wir. Wie sieht denn Ihr Berufsalltag so aus?

Abwechslungsreich. Morgens hole ich die Münzen aus den Staubsaugerautomaten. Nach Absprache mit meinen Kunden mache ich Innenreinigungen von Autos oder Ölwechsel. Dafür miete ich stundenweise eine Hebebühne in einer nahen Werkstatt. Tankwarte gelten als Kaufleute, ich darf nicht alle Reparaturen machen. Bremsen zum Beispiel darf ich kontrollieren, aber nicht reparieren. Und Bleche darf ich nur dann ausbeulen, wenn man sie dafür nicht ausbauen muss. Viel Spaß macht auch der Kundendienst an der Zapfsäule. Viele Fahrer kenne ich namentlich, man plaudert dann – oft natürlich über Mineralölsteuer oder Dieselfahrverbote.

Und wie reagieren Leute, wenn Sie ihnen zum ersten Mal beim Tanken zur Hand gehen?

Besonders ältere Menschen sind sehr dankbar, ebenso wie Kunden, die es eilig haben. Reisenden aus Südeuropa und Asien ist das aus ihrer Heimat vertraut. Man muss aber behutsam vorgehen, sonst fühlen sich insbesondere Frauen rasch bevormundet, als würde man ihnen nicht zutrauen, selbst zu tanken.

Warum gibt es heute kaum noch Tankwarte?

Früher waren wir meist fest bei Tankstellen angestellt. Heute verdienen Tankstellenpächter am verkauften Liter Benzin nur noch wenige Cent. Sie mussten sparen. Und da hat man den Kunden eingeredet, dass sie ohne Tankwart selbstbestimmt tanken könnten. Man hat es ihnen als Freiheit verkauft, dass am Service gespart wurde. Die Wirtschaft will aber nicht, dass es den Kunden gut geht. Die Wirtschaft will, dass es der Wirtschaft gut geht. Mir macht mein Beruf jedenfalls Spaß. Und Ihr Bremslicht geht jetzt auch wieder. Gute Fahrt!

Interview: Simon Benne

Zur Person

Martin Thomas Weimer stammt aus Ibbenbüren und lebt in Sarstedt. In seiner Freizeit spielt der 35-Jährige am PC und macht christliche Popmusik auf dem Keyboard. Seit Januar 2018 arbeitet Weimer als selbstständiger Tankwart an den Team-Tankstellen in Badenstedt und Sarstedt. Tankwart ist seit 1952 ein Lehrberuf, doch im gesamten IHK-Bezirk Hannover, der etwa 40 Prozent von Niedersachsen umfasst, gibt es derzeit nur einen einzigen Azubi. Tankstellen ähneln heute oft Supermärkten – und bilden deutlich häufiger Einzelhandelskaufleute aus.

Von Simon Benne

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