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Aus der Stadt So klingt das alte Hannöversch
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Hannover: Historiker Hauptmeyer bringt Hannovers alten Dialekt zum Klingen

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14:50 21.11.2019
„Kucht, die Gachtenpforte knacht“: Geschichtsprofessor Carl-Hans Hauptmeyer vor der Bismarckschule in der Südstadt – hier hat er einst das Abitur gemacht. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Prof. Hauptmeyer, Sie sprechen demnächst im Historischen Museum über den alten hannöverschen Dialekt

Ich häöbe aagentlich goch kaane Äöhnung davon, ich bin jäö kaan Ssbrachwissenschaftler. Aber ich bin selbst sozusagen zweisprachig aufgewachsen: Als Kind habe ich in Döhren viel Hannöversch aufgeschnappt. So sprach man beim Kaufmann und beim Schützenfest. Hannöversch war auch die Sprache der Handwerker. Im Museum geht es vor allem um Hannovers Stadtgeschichte – nur eben auf Hannöversch.

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Heißt es nicht immer, in Hannover werde das reinste Hochdeutsch gesprochen?

Das raanssde Hochdeutsch? Bis ins 16. Jahrhundert sprach man hier hier Mittelniederdeutsch, nach der Reformation setzte sich bei der Oberschicht Hochdeutsch durch. Doch die einfachen Menschen sprachen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein weiter Platt. Wie dann der hannöversche Dialekt entstand, ist nicht genau erforscht. Mit der Industrialisierung zogen Arbeitskräfte aus dem Harzvorland und dem Eichsfeld nach Hannover. Sie arbeiteten bei Betrieben wie der Döhrener „Wolle“. Vermutlich vermischte sich die Klangfärbung ihrer sachsen-anhaltinischen und südniedersächsischen Sprache mit dem Deutsch der Alteingesessenen zum Hanöverschen.

Was kennzeichnet denn das Hannöversche?

Schweer zu beschraaben. Ein „st“ wird jedenfalls zu „ssd“, wie in „Ssdraße“. Das „sp“ verwandelt sich in ein „ssb“, wie in „Ssbitze“.Außerdem wird ein „ei“ wird zu „aa“, und ein „a“ wird zu „äö“. Beine und Bananen werden also zu Baanen und Bäönäönen. Besonders schön klingt das dann, wenn es um den berühmten Bäönäönenläöden auf der Läövesssdraße geht. Ganz wichtig: Ein „rt“ ist für alte Hannoveraner praktisch unaussprechbar. Die Frau sagt zu ihrem Mann Kurt: „Kucht, die Gachtenpforte knacht“. Und wenn ein Kind etwas sein lassen soll, ruft man: „Blaabe man von wech!“

Berühmt sind die Missverständnisse, die sich daraus ergaben…

Immerhin kann man ein banales Schwein mit einem prächtigen Schwan verwechseln. Und es gibt den Witz von der Kundin, die die Marktfrau fragt: „Haben Sie Aale?“, und die Marktfrau antwortet: „Ich häöbe kaane Aale, ich häöbe Zaat!“.

Warum wärmt der Klang dieses aussterbenden Dialektes so vielen Menschen das Herz?

Vielen Älteren ist es aus ihrer Kindheit vertraut und mit nostalgischen Erinnerungen verbunden. Außerdem klingt die singende Sprache einfach gemütlich. Ähnlich wie im Plattdeutschen kann man mit ihr alles sehr direkt sagen, ohne jemanden zu verletzen. Hannöversch gilt vielen als Idiom einfacher, ehrlicher Menschen. Da spielt auch eine Romantisierung der Schlichtheit eine Rolle. Versdehste?

Zur Person: Carl-Hans Hauptmeyer

Carl-Hans Hauptmeyer, geboren 1948, wuchs in Döhren auf. Als Geschichtsprofessor lehrte er von 1981 an an der Leibniz-Uni. Im Jahr 2013 wurde er emeritiert. Am 3. Dezember, 17.30 Uhr, spricht er im Historischen Museum Hannover mit dem Journalisten Michael Krische über hannoversche Geschichte auf Hannöversch.

Von Simon Benne

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