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Aus der Stadt Endet der Radschnellweg im Nirgendwo?
Hannover Aus der Stadt Endet der Radschnellweg im Nirgendwo?
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00:16 26.08.2018
Die Kleefelder Straße ist relativ eng - und wird es auch als Schnellwegtrasse bleiben. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Hannover wird, sollte die Politik ihr Plazet geben, einen ersten Radschnellweg (RSW) bekommen. Eigentlich soll dieser vom hannoverschen Zentrum bis nach Lehrte führen – doch die Lehrter wollen nicht. 3,8 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt, der über 6,7 Kilometer vom Gutenberghof (nahe der Berliner Allee) bis zum Eisteichweg in Anderten reicht, sind bereits in den Haushalt eingestellt worden. Im Bezirksrat Mitte stellte Kai Kaminiski, Bereichsleiter Koordinierung und Verkehr im Fachbereich Tiefbau, am Montag einige der 38 geplanten Baumaßnahmen entlang dieser innerstädtischen Trasse vor.

So soll es beispielsweise eine neue Querung über die Berliner Allee geben, die Kestnerstraße wird Fahrradstraße und die Stadtstraße asphaltiert. Die Plathnerstraße sollen Radler künftig mithilfe einer Ampel überqueren, im weiteren Verlauf – großteils parallel zu den Bahngleisen Richtung Berlin – werden Radwege verbreitert oder Fahrbahnen neu asphaltiert. Ein Votum gab der Bezirksrat noch nicht ab, da die Beschlussdrucksache in die Fraktionen gezogen wurde.

Stadt plant Radschnellweg Richtung Lehrte

Laut Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) ist das Vorhaben ein Beispiel dafür, „dass wir es mit der Verkehrswende ernst meinen", wie er jüngst im Rat sagte. Berufspendler sollen ermuntert werden, auf das Fahrrad umzusteigen. Doch Lehrte ist nicht interessiert. „Für uns hat der Radschnellweg keine Priorität, unser Fokus liegt auf der Erneuerung des stadteigenen Radwegenetzes", sagte Stadtsprecher Fabian Nolting. Zudem sei der Schotterweg, der von Lehrte nach Hannover führt, noch recht gut befahrbar – wenn auch für Rennräder ungeeignet. Der komplette RSW wäre 18 Kilometer lang, wovon 65 Prozent auf hannoverschem Terrain lägen.

Bei einigen Politikern löst das Vorhaben der Stadt Kopfschütteln aus. „Das Ganze ist ein Flop", sagt CDU-Baupolitiker Felix Semper. Hannover hätte sich mit Lehrte abstimmen müssen. Auch die Grünen, größte Befürworter eines Radschnellwegs, sind unzufrieden. „Es bleibt unverständlich, warum sich Lehrte nicht für die Verbindung engagiert, schließlich profitiert die Kommune davon", sagt Grünen-Umweltpolitiker Patrick Drenske. Er hofft, dass der Anschluss mittelfristig doch noch realisiert wird. Die FDP warnt davor, dass die schnelle Radwegverbindung am Rande Hannovers im Kornfeld endet. Die Verwaltung hält dagegen: Wegen des hohen Radverkehrsanteils in Hannover und der direkten Streckenführung habe dieser erste Abschnitt auch isoliert für die Stadt Hannover eine hohe Bedeutung.

Schmale Wege

Auf Nachfragen von Politikern aus dem Bezirksrat Mitte musste Kai Kaminski zugeben, dass es im Stadtgebiet auch nach dem Ausbau des RSW Engstellen geben wird. So ist die Brücke über den Messeschnellweg, die viel genutzt wird, ein Nadelöhr. „Wir haben aber weder die Zeit noch das Geld, diese Brücke zu erweitern“, sagte der Verwaltungsexperte. Auch die Kleefelder Straße (Zooviertel), wo auf einer Straßenseite weiterhin Autos parken sollen, sei relativ schmal. Zudem sind Abschnitte, die von Fußgängern und Radlern gemeinsam genutzt werden, nicht optimal für den schnellen Radverkehr. Problematisiert wurde von den Bezirksräten auch der Überweg Clausewitzstraße; diese Straße wird nach Fertigstellung der geplanten Conti-Zentrale noch mehr Autoverkehr verkraften müssen als bisher. Die mittleren Zeitverluste eines Radfahrers durch Anhalten und Warten, so die Vorgaben für einen idealtypischen RSW, sollen innerorts keine 30 Sekunden pro Kilometer überschreiten – was zumindest zwischen City und Kleefeld schwer zu schaffen sein dürfte.

Ausgebaut werden soll der Radschnellweg zwischen Gutenberghof und Eisteichweg in den Jahren 2019 und 2020. 70 Prozent der Kosten von 3,8 Millionen Euro sollen aus dem Fördertopf des Landes kommen. Ein Gutachter hatte vor zwei Jahren die Kosten für den Radwegebau auf dem Gebiet Lehrtes mit 1,6 Millionen Euro veranschlagt; die Kommune dürfte mit hohen Zuschüssen rechnen, sodass der Eigenanteil gering bliebe. Dennoch stellt die Regionsverwaltung fest: „Für den Abschnitt Anderten - Lehrte gibt es derzeit keinen Realisierungszeitpunkt."

Grundsätzlich begrüßt Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz (SPD) den Bau von Radschnellwegen. „Wir sind im Gespräch mit der Stadt Garbsen über eine Verbindung entlang der künftigen Wasserstadt nach Hannover“, sagt er. Der Weg führe aber durch Landschaftsschutzgebiete – das sei schwierig zu planen.

Von Andreas Schinkel und Michael Zgoll

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