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Aus der Stadt Hier sollen Hannovers Schüler etwas über die NS-Zeit lernen
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Hannover: Im Zeitzentrum Zivilcourage sollen Schüler etwas über die NS-Zeit lernen

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00:23 21.06.2019
Der Vergangenheit auf der Spur: Historiker Karljosef Kreter, Gitta Weymann vom Fachbereich Kultur und Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf im Zeitzentrum Zivilcourage. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Von der Decke baumeln bunte Lampen. Licht flutet durch die großen Fenster herein, ein Stück der mittelalterlichen Stadtmauer begrenzt den Raum: Noch sind die Wände im früheren VHS-Gebäude am Friedrichswall kahl, doch im Frühjahr soll hier das „Zeitzentrum Zivilcourage“ eröffnen. Bis zu 10.000 Schüler pro Jahr soll hier etwas über die NS-Zeit erfahren.

Das Projekt war umstritten, die Kosten für den Umbau waren immer wieder gestiegen. Zählt man die Kosten für Planung und Einrichtung hinzu, liegen diese nun bei 2,12 Millionen Euro. Kritiker fürchteten zudem, der Lernort könnte der Gedenkstätte Ahlem Konkurrenz machen. „Dazu ist das Profil der Einrichtungen aber zu unterschiedlich“, sagt Karljosef Kreter, Leiter des städtischen Teams Erinnerungskultur, der jetzt das Ausstellungskonzept präsentiert hat.

So sieht es im Zeitzentrum Zivilcourage aus

Am Eingang erhält jeder Besucher eine Karte mit dem Porträt einer Persönlichkeit, die in Hannover gelebt hat. Unter den 45 Personen sind NS-Opfer, Widerständler, Mitläufer und Täter. An mehreren Stationen erfahren Besucher dann Stück für Stück mehr über deren Schicksal. So entdecken sie historische Relikte wie den Werksausweis eines Zwangsarbeiters oder den Koffer eines deportierten Juden.

Ausgeklügeltes Konzept

Historiker und Erziehungswissenschaftler haben für das Zeitzentrum ein ausgeklügeltes pädagogisches Konzept erarbeitet. Die Texte wurden in Zusammenarbeit mit Schülern formuliert: „Wir möchten der Lebenswelt der Jugendlichen möglichst nahe kommen“, sagt Kreter. Es gehe darum zu zeigen, dass Menschen sich in kritischen Situationen fürs Mitmachen oder für den Widerstand entscheiden könnten.

Das Zentrum erstreckt sich auf rund 600 Quadratmetern über zwei Etagen. Jeweils zwei Schulklassen können parallel an den gut dreistündigen Workshops teilnehmen. An Wochenenden soll das Zentrum allen Interessierten offen stehen. Im Untergeschoss dürfen diese unter anderem einen Raum durchstöbern, den Theaterkulissenbauer wie ein modernes Jugendzimmer eingerichtet haben. „Sie stoßen dort auf eine Geschichte, die sie in die Vergangenheit zurückführt“, sagt Kreter. Ein Besuch vermittelt die NS-Zeit aus lokaler und biografischer Perspektive; das Ganze ist eine Mischung aus Geschichtswerkstatt und Schnitzeljagd.

Gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit

An einer „Wand der Verbote“ soll aufgelistet sein, was in der NS-Zeit untersagt war. Auf einem großen Foto ist die Bahnhofstraße zu sehen – je nach Perspektive im Jahr 1933 oder heute. Und in einem riesigen Üstra-Netzplan sind die einzelnen Haltestellen Audiobuchsen. An diesen Hörstationen werden die Schüler mehr über den Alltag der 45 Personen im Hannover der NS-Zeit erfahren. Auf diese Weise soll das Zeitzentrum Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken. „Wir sind froh“, sagt Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf, „dass wir diesen pädagogischen Lernort im Herzen der Stadt haben werden.“

Am Donnerstag, 20. Juni, gibt es zum Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung die erste Veranstaltung im Zeitzentrum Zivilcourage. Die Podiumsdiskussion beginnt um 17 Uhr.

Von Simon Benne

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