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Aus der Stadt Nach Angriff in Halle: Hannover solidarisiert sich mit jüdischen Gemeinden
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Juden nach Anschlag in Halle in Sorge

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22:11 09.10.2019
Zeichen der Solidarität: Dutzende Menschen zogen mit Kerzen durch die Stadt – darunter Margot Käßmann, Hanna Kreisel-Liebermann und Stefan Bickhardt. Quelle: Heidrich
Hannover

Als er von den Angriffen in Halle hört, ist Chaijm Scheibe schockiert. „Das zeigt, wie trügerisch die Ruhe ist, in der wir leben“, sagt der 86-Jährige erschüttert. Eigentlich ist der frühere Bühnenbildner, der als Kind von einer tschechischen Familie vor den Nazis versteckt wurde, zum Beten in die Synagoge an der Haeckelstraße gekommen. „Der Yom-Kippur-Tag ist doch für Juden in aller Welt ein Fest der Versöhnung“, sagt er. Nun wird der höchste jüdische Feiertag auch in Hannover von den Ereignissen in Halleüberschattet.

In Sorge: Chaijm Scheibe vor der Synagoge. Quelle: Simon Benne

„Es ist gut, dass die Polizei hier so präsent ist“, sagt Gregorij Kirshtein besorgt und deutet auf den Polizeiwagen, der – wie fast immer – vor der Synagoge steht.

Innenminister Pistorius bietet Hilfe an

Die Sicherheitsmaßnahmen vor jüdischen Einrichtungen seien „umgehend nochmals intensiviert“ worden, obwohl keine konkreten Bedrohungen bekannt seien, sagt Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD). Mit Blick auf Halle spricht er von einem „perfiden Angriff auf unsere gesamte Gesellschaft“. Die niedersächsische Polizei sei bereit, die Beamten in Sachsen-Anhalt zu unterstützen. „Ein niedersächsischer Polizeihubschrauber sowie Kräfte der niedersächsischen Spezialeinheiten sind bereits im Einsatz“, sagte er.

Nach den Schüssen in Halle bewachen Polizisten auch die liberale jüdische Gemeinde in der Fuhsestrasse in Hannover. Quelle: Tim Schaarschmidt

Auch Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) zeigte sich betroffen: Die Ereignisse in Halle seien „erschreckend“, gerade an Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungstag, sagte er. Er hoffe, dass man die Hintergründe aufkläre. Das alles zeige, dass wir noch aufmerksamer sein müssten, was Extremismus und den Schutz von Minderheiten angehe. Es handele sich um einen Angriff „auf unsere gesamte Gesellschaft“, erklärte Weil zudem laut einer Mitteilung der Staatskanzlei.

Verbale Drohungen habe es seit Langem gegeben, sagt Michael Fürst, der Vorsitzende der Gemeinde. „Jetzt aber sind wir dort, wo wir nie hinkommen wollten.“ Er fordert, dass die Justiz antisemitischen Gewalttätern klare Grenzen aufzeigen müsse.

„Solidaritätsweg“ zur Aegidienkirche

Auch Wolfgang Stichnothe zeigt sich in der Synagoge tief beunruhigt. „Jetzt ist die gesamte demokratische Öffentlichkeit gefordert, ein Zeichen zu setzen“, sagt der 69-Jährige.

Unter Polizeischutz: Die Synagoge in der Haeckelstraße am Yom-Kippur-Tag. Quelle: Benne

Die Marktkirchengemeinde hat sich spontan zu einer solchen Aktion entschieden. Im Anschluss an eine Veranstaltung mit der früheren Landesbischöfin Margot Käßmann zur Erinnerung an die Wende in der DDR zogen am Mittwochabend mehrere Dutzend Besucher in einem Solidaritätsweg mit Kerzen in den Händen von der Marktkirche zur Aegidienkirche.

Der Solidaritätsweg zur Aegidienkirche

Ursprünglich sollte dort allein der Opfer des Bombenkriegs gedacht werden – jetzt war auf erschreckende Weise ein weiterer Anlass zum Innehalten dazu gekommen. „Wir sind zornig und wollen so ein Zeichen gegen Antisemitismus und Gewalt setzen“, sagt Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann. Schweigend stellten die Teilnehmer ihre Kerzen auf den Altar der Kirchenruine. Käßmann zeigte sich schockiert: „Christen müssen wissen: Wo man Juden angreift, werden Menschen jeden Glaubens angegriffen.“

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Von Simon Benne und Peer Hellerling

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