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Aus der Stadt Katalysator-Diebe: Banden haben es in der Region Hannover auf VW und Opel abgesehen
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Katalysator-Diebe treiben in der Region ihr Unwesen

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08:10 26.04.2021
Die Täter schneiden die Geräte bevorzugt aus älteren Fahrzeugen und machen die enthaltenen Edelmetalle zu Geld.
Die Täter schneiden die Geräte bevorzugt aus älteren Fahrzeugen und machen die enthaltenen Edelmetalle zu Geld. Quelle: Geisler-Fotopress/Bassam Wehbeh
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Hannover

​Eine spezielle Diebstahlserie hält derzeit die Polizei auf Trab: Unbekannte bauen aus geparkten Autos die Katalysatoren aus. Landesweit schlagen die Täter zu, darunter auch in der Region Hannover. Seit 2020 registrieren die Ermittler eine enorme Zunahme der Fälle. Die Diebe haben es auf die in den Abgasfiltern enthaltenen Rohstoffe abgesehen. Nur gelegentlich werden Verdächtige gefasst.

Betroffen sind meist betagtere Fahrzeuge – dort sind die am Unterboden montierten Geräte leichter zu erreichen. „Es ist eine Präferenz zu älteren Modellen von VW und Opel erkennbar“, sagt Hannovers Polizeisprecherin Janique Bohrmann. Auch in anderen Landesteilen wie etwa dem Kreis Northeim schlagen die Diebe bevorzugt bei älteren Polos und Astras zu – und gehen dabei äußerst professionell vor: In weniger als einer Minute haben sie den Katalysator mit Flex, Rohrschneider oder Akku-Säge herausgetrennt.

Diverse Fälle seit Mitte April

Allein seit Mitte April meldete die Polizei in der Region mehrere Diebstähle. So bemerkte eine Lupo-Fahrerin in Sehnde, dass der Katalysator ihres Wagens fehlte. In einer Laatzener Tiefgarage machten Täter sich an einem alten 3er BMW, einem Opel Astra und einem Fiat Barchetta zu schaffen. In Burgdorf schlugen Katalysator-Diebe in zwei aufeinander folgenden Nächten zu, doch inzwischen wurden alle drei Verdächtigen gefasst. Schon im Januar erbeuteten Unbekannte die Abgasfilter eines Mercedes und VW in Sehnde.

Auf HAZ-Anfrage bestätigt Bohrmann zudem, dass auch in Hannover „nahezu alle Stadtteile“ betroffen sind. „Auffällig ist, dass diejenigen mit guter Verkehrsanbindung bevorzugt werden.“ So können die Täter im Anschluss schnell fliehen. Pro Katalysator liege der Schaden bei 100 bis 4000 Euro. Wie begehrt die Abgasfilter neuerdings sind, zeigt ein Blick in die Statistik: 2018 und 2019 gab es zusammen bloß 27 Fälle, 2020 allein waren es schon 124. Bohrmann: „Auch für die ersten zwei Monate dieses Jahres setzt sich dieser Trend fort.“

Ein Gramm Rhodium bringt 700 Euro

Was die Katalysatoren so begehrt macht, sind die darin enthaltenen Rohstoffe. In dem vermeintlich wertlosen Schrott sind einige Gramm der Edelmetalle Platin, Palladium und Rhodium eingebaut – und die Preise dafür sind in jüngster Zeit stark gestiegen. Besonders kostbar ist  Rhodium, das zur Verringerung der Stickoxide in den Abgasen eingesetzt wird. Dieses Edelmetall kommt in der Natur sehr selten vor und zählt zu den teuersten Metallen überhaupt. Aktuell werden Medienberichten zufolge für ein Gramm Rhodium Ankaufpreise von bis zu 700 Euro gezahlt.

Laut Landeskriminalamt (LKA) werden Katalysatoren vor allem aus Autos entfernt, die am Straßenrand oder auf Schrottplätzen abgestellt sind. In wenigen Fällen begingen die Täter auch Einbrüche in Kfz-Werkstätten oder bei Autovermietungen.

Die überwiegende Zahl werde abgesehen von Hannover in anderen Großstädten wie Braunschweig, Hildesheim und Wolfsburg registriert. In den ersten Wochen 2021 lägen die Zahlen landesweit im unteren dreistelligen Bereich. Über die Täter ist dagegen nicht viel bekannt – nur, dass sie wohl überregional agieren und es mehrere Banden sind. Grund für die Annahme ist laut Bohrmann, „dass nach einer Festnahme die Straftaten weitergehen“.

Von Peer Hellerling und Heidi Niemann