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Aus der Stadt Skrupellose Dealer in Hannover: Braucht die Drogenpolitik neue Wege?
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Hannover: Kommentar zur Dominanz der Dealer: Braucht die Drogenpolitik neue Wege?

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00:16 04.06.2019
Die Zahl der Drogenhändler am Vahrenwalder Platz ist in den vergangenen Wochen stark angestiegen, sagen die Geschäftsleute. Quelle: privat
Hannover

Die Befürchtungen der Händler rund um den Vahrenwalder Platz sind tatsächlich eingetroffen. Nach dem Bericht über die Dominanz der Dealer, die am helllichten Tag skrupellos auch vor den Augen von Kindern Drogen verkaufen, und den Versprechungen der Polizei, die Szene besser im Auge zu haben, hat sich kaum etwas verändert: Die Rauschgifthändler sind eine Straßenecke weiter gezogen, sie stehen jetzt an der Ecke Vahrenwalder Straße/Grabbestraße auf beiden Seiten und gehen dort weiterhin ihren Geschäften nach.

Dazu passt, was die hannoversche Polizei zu ihren Bemühungen im Kampf gegen die Drogen sagt: Es sei ein Kampf gegen Windmühlen. Die Dealer, sei es in Vahrenwald, am Raschplatz oder am Steintor, würden alle drei Monate durch neues Personal ersetzt. Dann nämlich, wenn das Visum der zumeist ausländischen Drogenhändler abgelaufen ist und sie vorerst in ihre Heimatländer zurückmüssen.

Die Dealerszene am Vahrenwalder Platz wächst: Rauschgifthändler agieren skrupellos.

Für die Ermittler auf der Straße beginnt dann wieder alles von vorn: neue Gesichter, neue Vorgehensweise der Täter. Es gibt nur einen Unterschied: Die Polizei kann ihr Personal nicht alle drei Monate austauschen, um den Kampf gegen die Drogen zu gewinnen. Ist ein Zivilfahnder enttarnt, kann er nicht sofort durch einen neuen Kollegen ersetzt werden. Die Zahl der Beamten auf der Straße verringert sich also.

Weiterlesen: Ist der Kampf gegen die Drogenszene zu gewinnen?

Es ist vor diesem Hintergrund möglicherweise an der Zeit, über eine vollständig andere Drogenpolitik nachzudenken – weg von den Verboten und hin zur Legalisierung und Entkriminalisierung von Rauschmitteln. Andere Länder sind in diesem Punkt deutlich weiter. Seit Oktober 2018 ist es in Kanada inzwischen einem Erwachsenen erlaubt, bis zu 30 Gramm Cannabis dabeizuhaben. Der Stoff darf nur in staatlich lizenzierten Shops und auf Online-Plattformen angeboten werden. Die Folge: Der illegale Handel verzeichnet deutliche Rückgänge.

Legalisieren statt kriminalisieren?

Portugal hat bereits vor rund 18 Jahren eine radikale Kehrtwende in der Drogenpolitik vorgenommen. Der private Besitz und Konsum von Rauschmitteln wurde entkriminalisiert. Jeder Erwachsene, der mit bis zu einem Gramm Heroin, bis zu zwei Gramm Kokain oder bis zu 25 Gramm Cannabis erwischt wird, begeht lediglich eine Ordnungswidrigkeit. Er muss sich innerhalb von 72 Stunden bei einer Kommission melden und ein Gespräch mit einem Sozialarbeiter, einem Psychologen und einem Rechtsanwalt über seinen Drogenkonsum führen. Auf diese Weise sollen die Konsumenten zum Beginn einer Drogentherapie gebracht werden. Die Statistiken besagen, dass die Folgen positiv sind – mit Werten wie diesen: Die Zahl der Heroinabhängigen sank um etwa zwei Drittel, die Zahl der Drogentoten seit 2001 um 75 Prozent.

Das ist kein Allheilmittel. Wenn die Herangehensweise aber nachweislich dazu führen kann, Kriminellen das Geschäft zu verderben, die Polizei zu entlasten und den Suchtkranken zu helfen, sollte man sich zumindest damit beschäftigen.

Weiterlesen: Die Kripo rät: Legalisiert Cannabis!

Von Tobias Morchner

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