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Aus der Stadt Wie gut war Hannovers König? Urururenkel kritisiert neues Hinweisschild am Hauptbahnhof
Hannover Aus der Stadt

Hannover: Kritik aus dem Welfenhaus am Legendenschild für König Ernst August

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07:31 16.01.2020
Umstrittener Monarch: Das Ernst-August-Denkmal am Hauptbahnhof. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Der König war zufrieden: „Ich habe dieser Demokratie die Flügel gestutzt“, frohlockte Ernst August in einem Brief an Vertraute. Gleich nach seinem Amtsantritt hatte der konservative Monarch 1837 Hannovers halbwegs liberale Landesverfassung außer Kraft gesetzt. Sieben Göttinger Professoren, die dagegen protestierten, ließ er kurzerhand feuern. Am Donnerstag soll am Ernst-August-Platz nun ein Legendenschild angebracht werden, das an die dunkle Seite des Königs erinnert– doch dagegen regt sich Widerstand im Welfenhaus.

„Er war kein Despot“: Heinrich Prinz von Hannover kämpft für den Ruf seines Urururgroßvaters Ernst August. Quelle: Rainer Dröse

Während Ernst August Erbprinz von Hannover sich zu dem Fall nicht äußern mag, ergreift sein Onkel vehement Partei für seinen verblichenen Vorfahren: „Ernst August war ein guter König und alles andere als ein Despot“, moniert Heinrich Prinz von Hannover, selbst Historiker und ein Urururenkel des Monarchen. In einem Schreiben an Jürgen Junghänel, der die Installation des Schildes im Bezirksrat Mitte initiiert hat, wirft der Welfenspross dem Piraten-Politiker vor, sich wenig mit der Geschichte Ernst Augusts beschäftigt zu haben.

„Nicht mit heutigen Maßstäben messen“

Die Aufhebung der Verfassung durch den König 1837 sei, anders als oft behauptet, kein königlicher Staatsstreich gewesen, sagt Heinrich von Hannover: „Damals galt das monarchische Prinzip, Ernst August stand es seinerzeit zu, das Grundgesetz zu suspendieren“, sagt er. Es sei unhistorisch, das Vorgehen des Königs allein nach heutigen Maßstäben zu messen. Man müsse auch an die Verdienste Ernst Augusts erinnern, der 1848 nach vielen politischen Wirrungen doch noch eine moderne, liberale Verfassung verabschiedete.

Anfangs war es eingezäunt: Das Ernst-August-Denkmal vor dem Hauptbahnhof. Quelle: Archiv

Piraten-Politiker Junghänel zieht seit Jahren unerschrocken gegen den 1851 verstorbenen König zu Felde. Er hatte sogar eine Umbenennung des Ernst-August-Platzes in Leibnizplatz ins Spiel gebracht. Jetzt bleibt es bei dem Schildchen, auf dem steht: „König Ernst August von Hannover (1771-1851) hob 1837 die Verfassung des Königreichs Hannover auf. Dagegen protestierende Beamte wurden entlassen“. In anderen Streitfällen – etwa der geplanten Umbenennung der Hindenburgstraße – fordern Bewahrer, solche Legendenschilder anzubringen, statt angestammte Namen ganz zu tilgen.

Bei seinen Zeitgenossen war der im Londoner Buckingham Palace geborene Ernst August nicht sonderlich beliebt. Als wenige Jahre nach seinem Tod Geld für das Denkmal gesammelt wurde, blieb das Spendenaufkommen eher mau. Anfangs war das Reiterstandbild sogar eingezäunt, um dem Landesvater sein treues Volk vom Leibe zu halten. Erst später avancierten König und Denkmal zu einer lokalen Marke, einem Ankerpunkt hannoverscher Identität. Der Monarch wurde Namenspatron eines Brauhauses und einer Einkaufsgalerie.

An die sieben Göttinger Professoren erinnert ein eher abseits gelegenes Denkmal auf einem windigen Platz am Landtag.

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