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Aus der Stadt LKA-Neubau in Hannover wegen Kostenexplosion gestrichen
Hannover Aus der Stadt

Hannover: LKA-Neubau wegen Kostenexplosion gestrichen

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17:06 25.06.2019
Seit Jahren ist geplant, alle Dienststellen des Landeskriminalamtes Niedersachsen am Waterlooplatz zusammenzuziehen.
Seit Jahren ist geplant, alle Dienststellen des Landeskriminalamtes Niedersachsen am Waterlooplatz zusammenzuziehen. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Die geplante neue Zentrale des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen in Hannover ist vom Tisch. Laut Landesfinanzministerium lassen die aktuelle Marktsituation und die hohen Preise im Bausektor „derzeit kein wirtschaftliches Angebot“ erwarten. Ein Festhalten an dem Vorhaben würde „zu unabsehbaren Risiken“ führen. Das habe das bisherige Vergabeverfahren gezeigt. Damit bestätigte das Ministerium am Dienstag einen HAZ-Bericht, wonach der Neubau am Waterlooplatz vor dem Aus steht.

131 Millionen Euro reichen nicht aus

Seit zehn Jahren sollen alle 1100 LKA-Mitarbeiter an einem zentralen Ort zusammengeführt werden. Noch im Juni 2018 hatte Behördenchef Friedo de Vries gehofft, in diesem Frühjahr endlich den ersten Spatenstich feiern zu können. Anfangs hatte das Land für den Neubau 76 Millionen Euro veranschlagt, zuletzt wurden die Mittel sogar auf 131 Millionen Euro erhöht. Doch auch das reichte laut Finanzministerium jetzt nicht mehr aus, „um derzeit ein Landeskriminalamt zu bauen, welches die Nutzeranforderungen vollständig abbildet“.

Laut LKA-Chef de Vries hätten er und alle Mitarbeiter „viel Arbeit und Herzblut in die Planungen gesteckt und auf eine baldige Realisierung gehofft“. Aus seiner Sicht sei aber auch nachvollziehbar, dass die Landesregierung „kein unkalkulierbares finanzielles Risiko eingehen kann“. Kritik kommt dagegen von FPD-Landtagspolitiker Marco Genthe. Er bezeichnet das Aus als „politischen Offenbarungseid und Hilflosigkeit pur“. Wenn das LKA nicht zu 100 Prozent arbeitsfähig sei, „hat das auch Einfluss auf die Sicherheitslage“.

Bessere Unterbringung des LKA bleibt Priorität

Die 131 Millionen Euro sollen aber auch weiterhin für eine bessere Unterbringung des LKA genutzt werden. Gleichzeitig bleibe der Neubau des Kriminaltechnischen Instituts ein zentrales Anliegen. Die Gewerkschaft der Polizei sichert bereits ihre Unterstützung zu, damit die Planungen schnellstmöglich beginnen. „Nur so kann die überaus bedeutende Arbeit des LKA für die Innere Sicherheit in ganz Niedersachsen anerkannt und unterstützt werden“, sagt Landeschef Dietmar Schilff. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter werde ebenfalls mit „Argusaugen darauf achten, ob das für das LKA bereitgestellte Geld tatsächlich auch für das LKA verwendet wird“, sagt der Landesvorsitzende Matthias Karsch.

Von Peer Hellerling und Tobias Morchner