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Aus der Stadt Feldzug gegen den Kiesabbau: Bürger kämpfen für Römerlager
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Hannover: Landtag befasst sich mit Wilkenburger Römerlager

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00:22 24.05.2019
Premiere im Petitionsausschuss: Franz Renz, Kristina Osmers, Kerstin Liebelt, Hemmingens Bürgermeister Claus-Dieter Schacht und Werner Dicke (v.l.). Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Es ist eine Premiere. Mehrere Dutzend Zuschauer sind gekommen, um mitzuerleben, wie die Demokratie einen Fuß ins digitale Zeitalter setzt. Erst seit 2017 können Bürger Online-Petitionen an den Landtag richten. Wenn diese Einlassungen binnen sechs Wochen mindestens 5000 „elektronische Mitzeichner“ finden, muss sich der Petitionsausschuss damit beschäftigen. Die erste Petition, die dies geschafft hat, fordert den Erhalt des Römerlagers bei Wilkenburg – und so führen die ersten Schritte auf digitalem Terrain stracks 2000 Jahre zurück in die Vergangenheit.

Gut 20 Minuten haben Kristina Osmers, Werner Dicke und ihre Mitstreiter am Dienstag Zeit, ihr Anliegen vor Abgeordneten und Vertretern der Landesregierung darzulegen. Seit Monaten führt das Ehepaar aus Hildesheim im Namen Roms einen Feldzug gegen den Kies. Die Firma Holcim will in dem rund 500 mal 600 Meter großen Gelände in dem Hemminger Ortsteil Kies ausbaggern. Für unbedarfte Betrachter ist das Areal nur ein gewöhnlicher Acker – doch unter seiner Erdoberfläche ist ein Stück Geschichte verborgen. Forscher haben dort bei Grabungen zahlreiche Münzen und Metallfragmente entdeckt. Bis zu 20.000 Legionäre sollen dort um 5 n.Chr. campiert haben.

„Eine historische Stätte“

„Das Römerlager in Wilkenburg muss erhalten bleiben“, fordert Kristina Osmers daher. „Dieses Bodendenkmal hat einen höheren Wert als lange angenommen.“ Die 63-Jährige spricht davon, dass es sich um eine „historische Stätte“ handele. „Wird der Kiesabbau realisiert, vernichten wir Kulturgüter ersten Ranges“, sagt sie beschwörend. Sie erinnert daran, dass sich auch der Rat der Stadt Hemmingen fraktionsübergreifend für den Erhalt des Römerlagers stark mache. Das Ehepaar und ihre Unterstützer – die Petition fand rund 6000 Unterzeichner – legen Wert darauf, nicht als Querulanten abgetan zu werden: „Mitnichten sind wir Wutbürger“, sagen sie. Doch der Abbau von Kies sei anderswo eben möglich, ohne ein Bodendenkmal zu zerstören.

Die Petition verlangt vom Kulturministerium, das Areal als schützenswertes Kulturerbe zu erhalten. Das Landwirtschaftsministerium soll den Acker im Raumordnungsprogramm von der Rohstoffförderung ausklammern. Die Petenten, wie sie im Amtsdeutsch heißen, dürfen auch Sachverständige benennen, die über das Thema referieren. Und so erläutert der Wiener Historiker Michael Erdrich in aller Kürze die geschichtliche Bedeutung des Römerlagers. Als Naturwissenschaftler spricht Franz Renz vom Institut für Anorganische Chemie der Leibniz-Uni über Forschungsmethoden, die Zugänge in die Vergangenheit eröffnen.

Eine Entscheidung fällt noch nicht

Eine Debatte ist nicht vorgesehen, doch immerhin gibt es zahlreiche Fragen. Eine Entscheidung fällt an diesem Tag nicht. Kristina Osmers ist am Ende dennoch zufrieden. „Ich hatte das Gefühl, in offene Gesichter zu blicken“, sagt Kristina Osmers nach der Veranstaltung. Bei den Vertretern der Landesregierung allerdings sei sie sich da nicht in jedem Fall sicher.

Aufmarschgebiet für 20.000 Legionäre

Mehr als 100 antike Münzen haben Forscher auf dem etwa 500 mal 600 Meter großen Areal bei Wilkenburg entdeckt, darunter ein im heutigen Lyon geprägtes As. Um 5 n.Chr. lagerten hier einige Tage lang bis zu 20.000 Legionäre, die heutige Region Hannover zählte zum Aufmarschgebiet der Weltmacht Rom. Der antike Historiker Velleius Paterculus berichtet, dass der spätere Kaiser Tiberius seinerzeit Feldzüge zu den Germanenstämmen unternahm – womöglich machte Tiberius persönlich in diesem „bellum immensum“, dem „großen Krieg“, im Wilkenburger Marschlager Station. Erste Hinweise auf das Römerlager fand der Archäologe Otto Braasch schon 1992, als er auf Luftaufnahmen rätselhafte Grabenstrukturen erkannte. Vor vier Jahren begannen Experten, das Areal mit Grabungen zu erforschen und stießen auf die historischen Relikte. Bislang wurde jedoch erst ein Bruchteil des Geländes erforscht.

Von Simon Benne

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